Test: Polar M600: "Mehr als eine reine Sportuhr"

Geschrieben von: Timo Krause

Seit dem Sommer 2016 ist die erste Smartwatch von Polar auf dem Markt: Die M600. Wir haben die Kombination aus Sportuhr und Handgelenkscomputer testen lassen.

Tester: Timo Krause

Alter: 34 Jahre

Status: Leidenschaftlicher Läufer mit Tendenz zum sportlichen Fremdgehen (Mountainbike, Speedminton, Stand-Up-Paddling, Wandern,...), Marathon PB 3:29. Aktuell nur eingeschränkt im Training – verdammtes „Läuferknie“.

Nutzung der Uhr: Zwei Wochen am Handgelenk. Zum Teil auch schlafend.

Smartphone: Apple iOS (iPhone 5 S)

 

Ein Test mit Update – Android Wear 2.0 ist da

Ich hatte zwei sehr unterschiedliche Testwochen. Die erste Woche testete ich die Uhr mit Android Wear. Hier war ich als iPhone User sehr eingeschränkt und aufgrund fehlender Kompatibilität wie viele andere User sehr enttäuscht. Ich hatte in diversen Internetforen gelesen, dass Google am Update auf Android Wear 2.0 arbeitete.

Und oh Wunder, ausgerechnet während meines Test (Anfang April) wurde nun das heiß ersehnte Update für Android Wear 2.0 auch tatsächlich für die Polar M600 zur Verfügung gestellt. Somit konnte ich die Uhr umfangreicher testen als in der ersten Woche und meine Meinung sollte sich ändern. Mehr dazu später.

 

Allgemeine Funktionen (Auswahl)

Polar m600 displayBedienung / Sprachsteuerung / Gestensteuerung

Mit dem Finger swipe ich von oben nach unten. Von unten nach oben. Von rechts nach links. Von links nach rechts. Die Bedienung der Polar M600 ist wirklich kinderleicht und über das farbige Touch-Display sehr intuitiv. Es gibt eine seitliche Bedientaste und eine Front-Taste für den Schnellzugriff. Mit der Handgelenk-Gestensteuerung (Handgelenk nach links oder rechts drehen) kann ich durch die Menüs hoch und runterscrollen.

Ein weiteres nettes Feature ist die Sprachsteuerung von Kurzbefehlen über den Google Assistant (nur möglich wenn die Uhr mit dem Smartphone verbunden ist). Probiere ich aus und spreche „Ok Google“ und dann den Befehl in mein Handgelenk. So lasse ich mir im Büro Wörter übersetzen, Termine eintragen und mir gelegentlich abends meine Schritte anzeigen. Ich kann auch  „Training starten“ sagen, schwupps schaltet die Uhr in den Trainingsmodus und ich kann losrennen. Hat schon was, so eine Smartwatch.

Akku

Die Akkulaufzeit hält laut Herstellerangabe für iOS für einen Tag/acht Trainingsstunden. Kann ich bestätigen, ich musst die Uhr jeden Abend laden. Je nach Nutzung des GPS und Aufzeichnung der Tracking-Daten ist der Akku aber schon früher leer. Meine Polar M400 hingegen hält locker mehrere Tage durch. Schade.

Ladekabel

Wenn ich etwas nicht nachvollziehen kann, dann ist es „USB-Wahnsinn“. Der Anschluss für das Ladekabel an die Uhr ist leider kein Micro-USB. Wieder ist das Kabel eine „Insellösung“, die nur für wenige Geräte funtioniert. Schade, ich kann keine anderen USB-Kabel (wie z.B. das von meiner Polar M400) nutzen. Ärgerlich stelle ich mir das vor, wenn ich unterwegs auf Reisen bin und mein Ladekabel vergessen sollte. Der Anschluss ist zwar magnetisch, aber auch etwas fummelig und schnappt nicht immer ein. 

Armband

Das Armband besteht aus Silikon, Polycarbonat und Edelstahl. Auf der Haut fühlt es sich sehr angenehm an und sitzt auch bei ruckartigen und schweißtreibenden Bewegungen während des Sports fest am Handgelenk.

Design

Die Uhr ist schlicht und in klarem skandinavisches Design gehalten. Im Vergleich zu anderen Fitnessuhren ist die Polar M600 etwas mächtiger in Höhe und Größe und wiegt 63 Gramm. Ich habe für einen Mann schmale Handgelenke, deswegen wirkt die Uhr bei mir etwas klobig. Ich empfinde sie aber nicht zu groß, kann sie gut im Alltag als Hingucker tragen und werde oft darauf angesprochen.

Die Uhr gibt es in den Standardfarben schwarz und weiß. Style-bewusste Sportler können das Armband der M600 austauschen (hellgrün, blau, pink und gelb). Der Display-Hintergrund des Zifferblatts lässt sich ebenfalls einfach ändern (u.a. durch den Download von Apps) und individuell einstellen. Ebenso ist die Dauer der Displayanzeige individuell einstellbar.

 

Getestet beim Laufen, Mountainbiken und Wandern

Die sportlichen Funktionen (Auswahl)

Polar Flow Trainingsprogramm

Die Polar Flow App und das Polar Trainingsprogramm kenne ich schon von meiner Polar M400. Bisher bin ich mit dieser Trainings-App sehr zufrieden. Es lassen sich unterschiedliche Sportprofile anlegen und anpassen. Im Vergleich mit anderen Sportuhren spielt für mich Polar ganz oben mit. Die Synchronisierung erfolgt bequem via Bluetooth mit der Polar Flow App auf dem Smartphone.

Google Fit & Fit Training

Das Herzsymbol der Google Fit App macht es deutlich: Es geht um 24/7 Activity und Fitness Tracking. Also Schrittzähler, Schlafüberwachung und die Messung der Herzfrequenz, die aber nur explizit beim Training oder aktiven Aufrufen erfolgt.

Nach der Personalisierung meines Profils (Angabe Geschlecht, Körpergröße, Gewicht) kann ich verschiedene Ziele eingeben, z.B. Schritte am Tag, Kalorienverbrauch, Strecke, die ich pro Tag erfüllen möchte. Das motiviert mich, abends zu überprüfen, ob ich meine täglichen Aktivitätsziele tatsächlich erreicht habe. Nach einer Woche sehe ich ein schönes Balkendiagramm auf der Uhr und weiß genau welche Tage ich am aktivsten war. Wer wie ich auf solche Visualisierungen steht, wird seine Freude haben.

Mit Fit-Training stehen mir verschiedene Workout-Programme zur Verfügung: Gehen, Laufen, Laufbandtraining, Radfahren, Fahrradtrainer und Stepper. Außerdem kann ich mich diversen Herausforderungen (Liegestütze, Sit-up und Kniebeugen) stellen. Das  teste ich umgehend und mache im Anfänger Modus (30 Tage/5 Wdh, am Tag) 50 Liegestütze in zwei Sessions. Ich hätte mir auch noch ein Programm à la „Freeletics“ gewünscht, aber generell sind die Auswahl Modi eine feine Sache. Challenge accepted!

Es gibt auch Schlaftracking. Es misst mittels Sensoren die Dauer und Qualität des Schlafs. Das habe ich nur in einer Nacht gestestet, da ich sehr ungern mit Uhr schlafe und das Schlaf-Tracking daher nicht beurteilen kann.

GPS:

Die Polar M600 ist mit einem GPS und Glonass ausgestattet und somit ziemlich exakt. Im Vergleich zur M400 kann ich bei der M600 den Fortschritt in Prozent der GPS Findung abllerdings nicht sehen. Stört mich aber nicht, da die Uhr das GPS Signal schnell findet und die Aufzeichnungen zuverlässig sind. Nach etwa 10 Sekunden hat die Uhr das GPS-Signal, etwas schneller als bei meiner M400.

Herzfrequenzmessung am Handgelenk:

Die Messung des Puls erfolgt mit den 6 LEDs. Nach etwa 8-10 Sekunden zeigt mir die Uhr meinen Puls an. Die Messungen sind meiner Meinung nach relativ exakt. Und das ohne Brustgurt.

Was mir sehr gut gefällt: die Herzfrequenzzonen werden mit unterschiedlichen Farben dargestellt und bieten so eine bessere, individuelle Trainingssteuerung. Eine 24/7 Pulsmessung ist nicht möglich. Brauche ich auch nicht. Ich werde schon merken wenn mein Puls nicht mehr schlägt.

 

Die smarten Funktionen

E-Mails

Nach dem Download der Mail for Android App kann ich meinen E-Mail Account, in meinem Fall GMX, problemlos und schnell einrichten. E-Mails werden sofort synchronisiert. Ein Wermutstropfen: Um Mails zu versenden, muss ich mir die Vollversion für 2,99 € kaufen. Darauf verzichte ich bei meinem Test. Irgendwie schade. Ein andere Möglichkeit E-Mail zu versenden, habe ich nicht gefunden.

Musik Player

Android Usern stehen 4 GB interner Speicher zur Verfügung. Also gehen von ABBA bis ZZ Top einige Songs drauf. Ich musste leider selbst singen aufgrund fehlender Kompatibilität mit dem iPhone. Für Android Nutzer sicher eine tolle Sache, um mit Bluetooth Kopfhörern ohne Kabel Wirr-Warr zu trainieren.

Nach dem Android Wear 2.0 Update soll man laut Polar über Google Play Music offline Musik hören können. Das hat bei meinem Test leider nicht funktioniert. Musik konnte ich zwar über die Uhr ansteuern, aber via Bluetooth mit keinem Gerät koppeln. Vielleicht ein Bug oder ich war zu blöd.

Immerhin: Wenn ich Musik auf dem iPhone abspiele, kann ich die Steuerung über die Uhr am Handgelenk nutzen. Beim Laufen fand ich das ganz praktisch.

Apps & WLAN

Nach dem Update auf Android Wear 2.0 kann ich als Apple User nun neben den vorinstallierten Standard-Apps (z.B. Terminübersicht, Wecker, Taschenlampe, Wetter usw.) über den Google Play Store weitere Drittanbieter-Apps downloaden. Die Auswahl ist aber (momentan) noch eingeschränkt. Android User sind weiter im Vorteil.

Der WLAN Empfang funktioniert einwandfrei und das Netzwerk zuhause findet die Uhr schnell.

Folgende Apps habe ich außerdem während des Tests geladen:

  • - Calculator/Taschenrechner - ganz praktisch wenn man schlecht im Kopfrechnen ist.
  • - Bring! Einkaufsliste - die Einkaufsliste habe ich per Sprachbefehl eingesprochen. Bei Äpfel, Bananen und Joghurt wird mir sogar das passende Icon dazu angezeigt und ich gehe schnurstracks in den Supermarkt.
  • - AccuWeather - funktioniert besser als die vorinstallierte App
  • Runtastic - Alternative Lauf-App. Hatte ich früher schon auf dem Smartphone bevor ich auf Polar umgestiegen bin. Kurzer Testlauf um ein paar Häuserblocks. Funktioniert.

Uhr-Telefonie

Bei einem eingehenden Anruf vibriert die Uhr, ich bekomme wirklich jeden Anruf mit und kann den über die Uhr wahlweise an- oder abnehmen. Kommunizieren muss ich über mein Smartphone. Die Polar M600 hat keinen Lautsprecher. Da ich ein iPhone habe, kann ich selbst keine Anrufe via Smartphone tätigen.

Push Notifications

Finde ich sehr praktisch, da ich mir das oft gefühlt tausendfache Herausziehen des Handys aus einer Tasche erspare. Je nachdem welche Einstellungen ich gewählt habe, bekomme ich eine SMS, meine Facebook und Whatsapp Messages und weitere Benachrichtigungen direkt auf die Uhr und kann diese komplett lesen.

 

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Allgemein

  • Betriebssystem: Android Wear 2.0
  • Farb-Touch-Display (240x240 px) mit Gorilla Glas und verschiedenen Displaydesigns
  • Wasserdicht bis 10 m (nur zum Schwimmen geeignet)
  • Interner 4 GB Musikspeicher (Google Play Music, nur mit Android Telefon)
  • WLAN

Sportlich

  • Integriertes GPS und Glonass
  • Pulsmessung am Handgelenk mit 6 LEDs
  • 24/7 Activity Tracking (Aktivität, Schritte, Distanz, verbrannte Kalorien, usw.)
  • Schlaftracking
  • Google Fit (Trainingsprogramme und Workout- Herausforderungen)
  • Smart Coaching Funktionen mit verschiedenen Sportprofilen
  • Polar Flow Webservice und App
  • Inaktivitätsalarm

Smart

  • Smart Notifications
  • Lesen und beantworten von E-Mails und Textnachrichten (Beantwortung nur bei Android Phone möglich)
  • über 400 Apps, z. B. Google's Android Wear Apps wie Gmail, Google Maps und Google Kalender

 

Bilder der M600: 

 

polar-btn

* Link führt zum Achilles-Laufkatalog (Affiliate)

Gesamtfazit

Die Polar M600 ist ein tolles Gadget im schlichten finnischen Design und hochwertig verarbeitet. Die Uhr ist keine reine Sportuhr mehr wie die anderen Modelle von Polar. Dessen sollte man sich bewusst sein.

Schön für ambitionierte Sportler, die gerne mit Pulsmessung trainieren: Es stört kein Brustgurt. Die Nutzung während des Sports hat mir wirklich Spaß gemacht. Die Navigation ist kinderleicht, die Aktivitätsdaten sind recht zuverlässig und einfach via Bluetooth mit der Polar Flow App zu synchronisieren. Aus meiner Sicht ist die smarte Fitness-Uhr nach dem Update auf Android Wear 2.0  für Sportler (spezielle Apple User wie mich) nicht nur ein solider Trainingsbegleiter, sondern auch ein smarter Begleiter im Alltag.

Allerdings: Das proprietäre USB-Ladekabel finde ich total unnötig und nervig. Die geringe Akkulaufzeit von einem Tag ist ein großes Manko.

Und auch sonst gibt es Luft nach oben. Richtig zufrieden gestellt bin ich als iPhone User nicht. Alle smarten Funktionen und technischen Spielereien kann ich nämlich immer noch nicht in vollem Umfang nutzen.

Viele Smartwatches, unter anderem auch die Polar M600, sind bisher aufgrund fehlender Kompatibilität mit iOS und Android Ladenhüter geblieben. Google hat zwar mit dem langersehnten Update von Android Wear 2.0 einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Ich bin gespannt, ob Google auch die restlichen Features für iPhone User nutzbar macht und auch weiter Bugfixes und Verbesserungen vornimmt.

Ich hoffe jedenfalls auf weitere Nachbesserungen – und dann bin ich (vielleicht) endgültig von dieser Uhr überzeugt.

 

Aufruf: Achiles-Leser-Testing

Lust bekommen, die Polar M600 selbst zu testen? Wir suchen Achilles-Leser für einen Test der sportlichen Smartwatch Der Test dauert einen Monat und ihr bewertet das Produkt in zwei Fragebögen. Die Uhr darf natürlich behalten werden. Mehr Informationen folgen in Kürze.

Um Dich für das Testing* zu bewerben, schreib bitte eine Mail an:

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Betreff: M600 Leser-Testing

Ganz wichtig: Bitte macht in Eurer Mail folgende Angaben: 

  • - Vor- und Nachname
  • - Post-Adresse 
  • - Telefonnummer
  • - Alter
  • - kurze Einschätzung des Fitnessniveaus/ Beschreibung des wöchentlichen Sport-/ Laufpensums.
  • - genutztes Betriebssytem auf dem Smartphone

Einsendeschluss: Dienstag, 02. Mai 2017

Mehr Infos zum Produkt findet ihr auf www.polar.com/de

 

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