Newton-Testaktion – der Gesamteindruck der Leser

Geschrieben von: Wendelin HĂŒbner

Top oder Flop? Achim-Achilles-Leser unterziehen die Laufschuhe des amerikanischen Herstellers Newton Running einem knallharten Praxistest. Hier ihr Gesamteindruck.


Achilles-Testerin Steffi: "Wunderbar an den FĂŒĂŸen, aber zu teuer"

All die Sorgen waren umsonst. Nach meinem ersten Lauf mit den neuen Newtons verschont mich der gemeine Muskelkater. Eigentlich merke ich nichts, absolut nichts. Ermutigt von diesem ersten Ergebnis schwinge ich mich satte 48 Stunden nach dem letzten Lauf wieder in die schicken Newtons. Heute steht ein 20-km-Lauf auf dem verknitterten Zettel mit dem Trainingsplan. Wie gehabt, gewöhnen sich meine FĂŒĂŸe schon nach ein paar Schritten an die doch etwas andere Belastung. Der Lauf ĂŒber Asphalt und Waldboden ĂŒberrascht mit keinerlei Komplikationen.

Am nĂ€chsten Tag verspĂŒre ich ganz leichten Muskelkater auf dem Spann und in der linken HĂŒfte. Letzteres wird aber wohl an der Proniererei liegen. Es fĂŒhlt sich beim Laufen tatsĂ€chlich so an, als ob Knie und Achillessehne durch die andersartige Belastung entlastet werden. Klingt ja auch logisch, meine anderen Schuhe haben nun mal eine starke dicke Hacke. Wenn ich damit laufe, ramme ich diese riesige Hacke zuerst in den Boden, um meinen Körper dann mir ordentlich Kraft drĂŒber wegzustemmen. Dass ich mir dadurch den mĂŒhsam erkĂ€mpften Schwung selbst wegnehme, leuchtet ein. Meine Bewegungen mit dem Newton fĂŒhlen sich dagegen flĂŒssiger an, dem Nach-hinten-Sacken und „Hinsetzen" beim Laufen wird automatisch entgegengewirkt, da die Schuhe mich nach vorne ausrichten. Man könnte an dieser Stelle sowohl mit dem Newtonschen Aktionsprinzip als auch mit dem TrĂ€gheitsprinzip kommen. Muss man aber nicht.

GefĂŒhlt hat sich mein Laufstil also verbessert. Oder bilde ich mir das nur ein? Ich teste weiter: Intervalle, TempolĂ€ufe, alles was der Trainingsplan so hergibt. Klappt wunderbar. Kein Muskelkater oder gar Verschlechterung der Werte, allerdings auch keine messbaren Verbesserungen. Hat sich ĂŒberhaupt was getan? Das soll der holde Gatte beurteilen. Also auf zum großen Wettkampftest. Am Wochenende steht ein kurzer Wettkampf um die Alster an, genau das Richtige, um den Schuh unter Extrembedingungen zu testen. Zum GlĂŒck sind die Newtons mittlerweile schon ordentlich eingelaufen und tragen die nötigen Gebrauchsspuren. Denn nichts ist schlimmer, als in der Startgasse von den Laufkollegen mit einem „Ah,neue Schuhe. AnfĂ€nger, wie?"-Blick gemustert zu werden. Fast 100 km haben meine Newtons nun schon auf dem Buckel. Sieht man ihnen aber nicht an. Ok, sie sind natĂŒrlich schmutzig geworden, aber die Sohle ist noch fast wie neu. Bei nĂ€herer Betrachtung sehe ich allerdings, dass die Sohle innen anfĂ€ngt, sich abzulaufen. Die vier StĂ€bchen indes sehen super aus. Wenn man sich vorstellt, dass sie sich bei jedem Schritt in die Sohle und wieder raus bewegen eigentlich ganz gut.

Ich renne also um die Alster, neben lauter anderen Laufbegeisterten in Wettkampfstimmung. Meine Zeit ist gar nicht so ĂŒbel, mir dagegen am Ende schon. Alles geben lautet die Devise. Die Endzeit freut sehr, ich war fĂŒr meine VerhĂ€ltnisse ziemlich schnell. DafĂŒr habe ich nach diesem Lauf auch etwas Muskelkater, komischerweise in den großen Zehen und wieder oben auf dem Spann. Ist aber alles auszuhalten und nach ein paar Tagen vergessen. Beim Zieleinlauf soll der Gatte dann beurteilen, ob sich mein Laufstil verbessert hat. Das Ergebnis ist genauso niederschmetternd wie erwartet. Statt Gazelle eher Kartoffeln im Sack auf zwei Beinen lautet das unfrisierte, messerscharfe Urteil. Wirklich enttĂ€uscht bin ich aber nicht. Ich habe nicht daran geglaubt, dass ein Schuh den gesamten Laufstil verĂ€ndern kann. Er kann unterstĂŒtzen, den Fuß richtig aufzusetzen, aber einmal eingefahrene Laufbewegungen wird auch ein Newton nicht ausmerzen können.

Nichtsdestotrotz machen die Schuhe Spaß. Ich achte beim Aufsetzen des Fußes automatisch mehr auf den Laufstil. Mit der nötigen Rumpfstabilisierung, zu der ich leider immer zu faul bin, kann man prima mit den Newtons arbeiten. Sie sehen in ihrer ungewöhnlichen Optik sehr kleidsam aus, sind extrem leicht und fĂŒhlen sich wunderbar an den FĂŒĂŸen an. FĂŒrs Ego und das eigene LaufgefĂŒhl sind sie also dufte. Was mich an den Newtons jedoch eindeutig stört ist der Preis. Im Internet findet man das „Lady Isaac"-Modell fĂŒr 169 Euro. Ein stolzer Preis fĂŒr ein Paar Schuhe, auf denen nicht Christian Louboutin steht. Das ist mir zu viel – und wenn da noch so viel Technik drin steckt. Aber das kann ja jeder fĂŒr sich selbst entscheiden.

Man sollte beim Newtonkauf also nicht glauben, dass dieser Schuh aus einem Elefanten eine Gazelle macht. Doch im Sprint mit den Newtons schafft auch ein gut trainierter Elefant eine ansehnliche Geschwindigkeit. Und das nicht nur mit LeichtfĂŒĂŸigkeit und abwechslungsreichen Trainingsreizen, sondern auch durch gelungene Optik und ein interessantes neues Prinzip.

Achilles-Tester Mark: "Versierte LĂ€ufer werden viel Freude haben"

16 Tage habe ich nun mit diesem Schuh trainiert und leider auch gelitten. Da ich nach anfĂ€nglichen Fortschritten mit dem Vorfußlaufen es wohl etwas zu schnell und zu weit hab angehen lassen, quittierte mir der Newton dieses mit einem, fĂŒr mich noch nie dagewesenen Muskelkater in den Waden. Ich halte mich fĂŒr durchschnittlich trainiert und denke auch, dass ich die RatschlĂ€ge aus dem Newton-Lehrvideo auch berĂŒcksichtigt habe. Nur den einen hab ich wohl vergessen: Langsam beginnen.

Daher fĂ€llt mein Fazit fĂŒr den Schuh zwiespĂ€ltig aus. Auf der einen Seite bekommt man einen sehr leichten und passgenauen Schuh, der Spaß beim Laufen bringt und "leider“ auch zu mehr verleitet. Der ganz große Spaß hört bei mir nach circa 10 km auf. Und von den daraus resultierenden Schmerzen zehre ich noch immer. LĂ€ufer, die nicht sowieso die Technik des Vorfußlaufens praktizieren, sollten sich wohl mehrere Monate langsam an diese Technik herantasten und diesen Schuh als TrainingsgerĂ€t betrachten. Versierte LĂ€ufer werden aber mit Sicherheit viel Freude an diesem Schuh haben. Ich fĂŒr meinen Teil werde meine Waden pflegen und vielleicht in zwei Wochen einen neuen, langsameren Versuch starten. Eventuell ist dann der Newton nĂ€chstes Jahr auch was fĂŒr mich.

Achilles-Tester Egbert: "Nur Vorteile mit den Newtons"

8. Tag: Die Schuhe warten schon, na dann los: 6 Km nur fester Waldboden, lĂ€ngere und höhere Schritte – lĂ€uft sich gut. E-Mail von Stefan Moosleitner von Newton Running: „Einfach mit der ganzen Sohle aufsetzen, ohne ĂŒber die Ferse abzurollen. Dann nach vorne hebeln und den Fuß einfach wieder anheben. Versuche, entspannt dabei zu sein und in der Luft das Fußgelenk locker zu lassen.“

9. Tag: 9,5 Km, ich versuche, die Schritte zu vergrĂ¶ĂŸern. Man springt ĂŒber den Vorderfuß krĂ€ftiger ab, was eine höhere und dadurch auch lĂ€ngere Flugbahn bedeutet. Aber zum Ende des Laufes brennen mir die Fußsohlen etwas. Leichtes Kribbeln im Sprunggelenk. Egal, weiter laufen.

10. Tag: -----

11. Tag: 6 Km, kĂŒrzere Schritte, höhere Frequenz. Ich versuche, fast nur auf Zehenspitzen zu tapsen. FĂ€llt ziemlich schwer.

12. Tag: ----- (leichter Muskelkater)

13. Tag: 17 Km, 80 Prozent fester Waldboden und wieder kĂŒrzere Schritte. Ich komme immer besser mit den Schuhen klar.

14. Tag: -----

Fazit: Etwa 73 Km auf unterschiedlichen Wegen, verschiedene Laufgeschwindigkeiten, ganz anderes Laufen mit diesen Schuhen. Es ist gar nicht so schwer, sich auf das Mittel-/Vorfußlaufen einzustellen, man landet fast automatisch auf dem Vorfuß. Fest steht fĂŒr mich: Mein nĂ€chster Laufschuh wird ebenfalls der Newton Sir Isaac Men's Trainer sein, allerdings eine halbe Nummer grĂ¶ĂŸer, also in 43. Was mache ich bloß mit meinen alten Laufschuhen?

Zu meiner Person: MÀnnlich, 53 Jahre, 75 Kilo, Berlin-Marathon 1998/99, zurzeit maximal 10- oder 14-Km-LÀufe. Ich bin EinlagenlÀufer und bisher mit StabilitÀtslaufschuhen unterwegs gewesen (wegen eines Unfalles). Nach jedem Lauf immer leichte Schmerzen im rechten Sprunggelenk. Eigentlich gibt es nur Vorteile mit dem Newtons: Keine oder nur wenig schmerzende Achillesferse nach dem Lauf.

Achilles-Tester Dirk: "Auf der Bahn sind die Dinger grandios"

Weiterhin nutze ich die Schuhe lediglich fĂŒrs Tempobolzen – auf der Bahn finde ich die Dinger grandios. Auf lĂ€ngeren Distanzen bin und bleibe ich FersenlĂ€ufer – das „Umswitchen" schafft bei mir auch kein Newton. FĂŒr mich ein ganz hervorragendes Mittel zur TrainingsergĂ€nzung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein bisschen wie Ausscheiden im Halbfinale.

Achilles-Tester Martin: "Keine Revolution, aber ein angenehmer Trainingsschuh"

Nach nun gut vier Wochen Testphase stellt sich die Frage nach dem Fazit. Der Newton ist fĂŒr mich keine grundsĂ€tzliche Revolution und auch keine „Wunderschuh". Er ist aber ein leichter und angenehmer Trainingsschuh, den ich auch weiterhin fĂŒr TempolĂ€ufe und Intervalle einsetzten werde. FĂŒr lange ruhige DauerlĂ€ufe (>20km) ist er meines Erachtens nicht so geeignet, da sich die geringe DĂ€mpfung dann doch deutlich auf die Gelenke und Sehnen auswirkt, wobei ich insbesondere Probleme mit der Achillessehne bekommen habe (wie passend bei einem Test fĂŒr Achilles...;)). Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich zum einen ein relativ schwerer LĂ€ufer bin und zum anderen sich mein Körper auch an stark gedĂ€mpfte Schuhe (Saucony Hurricane/Brooks Adrenaline) gewöhnt hat.

Was sich aber Dank des Newton verĂ€ndert hat, ist mein Laufstil: Durch das Konzept des Newton wird man gezwungen, sich sehr lang zu machen und die HĂŒfte nach vorne zu schieben, so dass man den Körperschwerpunkt beziehungsweise die Mittelachse eher ĂŒber den Fuß bringt, und man so automatisch ĂŒber den Mittel-/Vorderfuss abrollt. Mittlerweile habe ich mich sehr gut an den verĂ€nderten Laufstil gewöhnt und rolle auch bei meinen „DĂ€mpfungsmonstern" deutlich anders ab. Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass ich nicht komplett auf Newton umstellen, sondern weiterhin den altbewĂ€hrten Modellen die Treue halten werde. Ob ich mir nach Verschleiß des aktuellen Modells selbst einen Newton kaufe, um ihn fĂŒr Tempo-/Intervalltraining zu nutzen, ist aber zumindest nicht ganz ausgeschlossen.

Achilles-Testerin Barnali: "Kann jedem empfehlen, sich die Schuhe zu kaufen"

Bevor es losging, bekam ich eine Einweisung vom Newtonvertreter. Die war auch notwendig, denn es ist im ersten Moment (und auch im zweiten) ein komisches GefĂŒhl, in denen zu stehen und zu laufen. Sie sind leichter als meine jetzigen "durchschnittlichen" Laufschuhe von Reebok und Brooks. Die Besonderheit sind je vier "Blöcke" unter dem Vorfuß, die deutlich herausragen. Etwas vergleichbar mit Spikes. Aufgrund dieser Blöcke steht man nicht so gerade wie bei "normalen" Laufschuhen, sondern kippt etwas nach vorn und wird meiner Meinung nach gezwungen, mit dem Mittel- und Vorfuß zu laufen. Man soll aber den ganzen Fuß aufsetzen, nur nicht ĂŒber die Ferse abrollen. Der Schuh soll die Bewegung nach vorn forcieren. Klappt auch wirklich sehr gut, ich fĂŒhlte mich gleich schneller.
 
Die Schuhe soll man erstmal nur wenig benutzen und sich dann langsam steigern. Ich hatte aber fĂŒr meinen Kurs nur die von Newton, und wir sind gleich 10 km gelaufen. Zu lang fĂŒr das erste Mal. Meine Waden schmerzten, und meine FĂŒĂŸe waren zwischendrin mal eingeschlafen. Also reduzierte ich die Verwendungszeit auf 20-30 Minuten bei den nĂ€chsten beiden Malen, was deutlich besser war. FĂŒr TempolĂ€ufe sind die Schuhe einfach super, man ist schneller, ohne dass man sich groß anpassen oder mehr anstrengen muss. Steigerungen klappen auch besser damit.

Bevor es losging, bekam ich eine Einweisung vom Newton-Vertreter. Die war auch notwendig, denn es ist im ersten Moment (und auch im zweiten) ein komisches GefĂŒhl, in den Schuhen zu stehen und zu laufen. Sie sind leichter als meine jetzigen "durchschnittlichen" Laufschuhe von Reebok und Brooks. Die Besonderheit sind je vier "Blöcke" unter dem Vorfuß, die deutlich herausragen. Etwas vergleichbar mit Spikes. Aufgrund dieser Blöcke steht man nicht so gerade wie bei "normalen" Laufschuhen, sondern kippt etwas nach vorn und wird meiner Meinung nach gezwungen, mit dem Mittel- und Vorfuß zu laufen. Man soll aber den ganzen Fuß aufsetzen, nur nicht ĂŒber die Ferse abrollen. Der Schuh soll die Bewegung nach vorn forcieren. Klappt auch wirklich sehr gut, ich fĂŒhlte mich gleich schneller.

Die Schuhe soll man erstmal nur wenig benutzen und sich dann langsam steigern. Ich hatte aber fĂŒr meinen Kurs nur die von Newton, und wir sind gleich 10 km gelaufen. Zu lang fĂŒr das erste Mal. Meine Waden schmerzten, und meine FĂŒĂŸe waren zwischendrin mal eingeschlafen. Also reduzierte ich die Verwendungszeit auf 20-30 Minuten bei den nĂ€chsten beiden Malen, was deutlich besser war.

FĂŒr TempolĂ€ufe sind die Schuhe einfach super, man ist schneller, ohne dass man sich groß anpassen oder mehr anstrengen muss. Steigerungen klappen auch besser damit. FĂŒr Menschen, die viel laufen, die viel an WettkĂ€mpfen teilnehmen, die öfter TempolĂ€ufe machen und den Vorfußlauf trainieren möchten, sind die Schuhe einfach sehr gut, und ich kann jedem empfehlen, sich die Schuhe zu kaufen.

 

Fotostrecke: Laufschuhe von Newton

 

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