UnterschĂ€tzte Laufsocke – "Wettkampforientierte LĂ€ufer benötigen dĂŒnne Socken"

Falke joggendes Paar

Laufschuhe stehen im Rampenlicht, die Laufsocke spielt nur eine Nebenrolle. Zu Unrecht. Sportstrumpf-Experte Michael Meier von Falke spricht mit achim-achilles.de ĂŒber die richtige SockengrĂ¶ĂŸe, unangenehme GerĂŒche und schmerzende Achillesfersen.

Achim-Achilles.de: Herr Meier, fast jedem Sportler ist es wichtig, was er fĂŒr Schuhe trĂ€gt, aber bei der Auswahl der Socken sind die meisten nachlĂ€ssig.

Michael Meier: Das stimmt. Es ist aber abhĂ€ngig von der Sportart. Skifahrer etwa legen großen Wert auf gute StrĂŒmpfe. Wenn man acht, neun Stunden in Skischuhen steckt, kalte FĂŒĂŸe bekommt oder Schienbeinschmerzen aushalten muss, denkt man eher ĂŒber die Fußbekleidung nach.

LĂ€ufer dagegen achten zwar extrem auf ihre Laufschuhe, laufen aber oft in herkömmlichen Baumwollsocken. Die meisten LĂ€ufer haben ein geringeres Problembewusstsein, aber auch sie können mit den richtigen Socken ein deutliches Plus an Komfort und Performance erleben – auch das Verletzungsrisiko kann deutlich minimiert werden.

"Viele tragen zu große Socken"

Wie finde ich die richtige Laufsocke?

Ähnlich wie beim Schuh muss ich bedenken, wofĂŒr ich die Socken brauche. Socken haben unterschiedliche PolsterstĂ€rken. Bin ich wettkampforientierter LĂ€ufer, benötige ich dĂŒnne Socken. Da haben sie direkten Schuhkontakt und gute KraftĂŒbertragung. Gepolsterte Socken dĂ€mpfen zwar, dadurch kann aber auch ein Teil der Energie verloren gehen. Aber ob man dĂŒnnere oder dickere Socken wĂ€hlt, ist Geschmacksache.

Warum gibt es bei Socken immer nur GrĂ¶ĂŸen in SprĂŒnge: 39 bis 42 oder 43 bis 46. Ist das ĂŒberhaupt zeitgemĂ€ĂŸ?

Nein, das ist nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ – genau aus diesem Grund bieten wir Socken in ZweiersprĂŒngen an und nicht in Dreier- oder VierersprĂŒngen. Dies hat den Vorteil, dass die Socken besser passen, weniger Falten werfen und nicht rutschen. Das Problem ist aber tatsĂ€chlich, dass die meisten Menschen ihre Laufsocken zu groß kaufen.

Wie kommt das?

Sie orientieren sich an der GrĂ¶ĂŸe ihrer Laufschuhe, die ja ein bis zwei Nummern grĂ¶ĂŸer sind als bei normalen Schuhen. Wenn ich Laufschuhe in 44 habe, reicht aber womöglich eine Socke in 42. SockengrĂ¶ĂŸen richten sich nach der FußgrĂ¶ĂŸe und nicht nach der GrĂ¶ĂŸe der Laufschuhe.

"Zehensocken machen fĂŒr Laufschuhe keinen Sinn"

Bei einigen Sockenherstellern gibt es eine rechte und eine linken Socke. Ist das wirklich notwendig?

Ja, das macht Sinn. Denn gerade bei Sportsocken ist es wichtig, dass die Socken optimal sitzen. In der Regel ist der Fuß an der Innenseite, dort, wo der große Zeh liegt, am lĂ€ngsten. Der traditionelle Strumpf ist aber vorne rund und hat die lĂ€ngste Stelle in der Mitte vom Fuß.

Beim Laufen kann es also passieren, dass die Socke Falten am kleinen Zeh wirft. Das gibt Druckstellen – und das wiederum fĂŒhrt womöglich zu Blasen. Da ist es besser, wenn die Socke so geformt ist wie der Fuß. Außerdem können so gezielt Polsterungen an den Belastungszonen – die immer außen am Fuß sitzen – eingearbeitet werden.

BrÀuchte man dann nicht idealerweise Zehensocken?

Nur, wenn ich Zehenschuhe habe. Ich finde, es ist eine ziemliche Fummelei, die Zehensocken anzuziehen. Manchmal bilden sich zwischen den Zehen KnĂŒbbelchen, die stören. FĂŒr Laufschuhe machen sie keinen Sinn.

Welches Material hĂ€lt meinen Fuß trocken und warm?

FrĂŒher hat man gesagt: Zieh eine Polyestersocke an und eine Baumwollsocke drĂŒber. Mittlerweile ist das ĂŒberholt, weil man zwei Materialien in einer Socke verarbeiten kann. Zwei Socken ĂŒbereinander verrutschen auch leicht.

Das Problem ist folgendes: Der Fuß schwitzt an der Fußsohle am stĂ€rksten, weil es so gut wie keine Laufschuhe gibt, die an der Sohle atmungsaktiv sind. Hier entsteht der meiste Schweiß. Man braucht also ein Material, was hydrophob ist, also keine Feuchtigkeit aufnimmt.

Wir verarbeiten Kunststofffasern wie Polypropylen in die Socke und stricken ein zweites Material – Baumwolle – darĂŒber. Dadurch wird der Schweiß von der Haut an der Fußsohle aufgenommen und ĂŒber die Baumwolle nach oben transportiert in den Bereich, wo der Schuh atmungsaktiv ist.

"Naturfasern mindern Geruchsentwicklung"

Wie verhindert man, dass Socken unangenehm riechen?

Kunststoffasern neigen eher zu Geruchsentwicklung. Das liegt an der chemischen Zusammensetzung und lÀsst sich nicht vermeiden. Der Stumpf beginnt recht schnell unangenehm zu riechen.

Manche Hersteller stricken Silber in die Socke. Das hemmt das Bakterienwachstum und ist gut fĂŒr den Geruch, aber leider schlecht fĂŒrs Grundwasser, weil sich Silber rauswĂ€scht. Dann entfaltet das Silber seine antibakterielle Wirkung auch im Ökosystem, obwohl es Bakterien im Wasser gibt, die auch eine gewisse Funktion haben.

Daher arbeiten wir mit Naturfasern wie Baumwolle und Wolle die sich auch positiv auf die Geruchsentwicklung auswirken.

Welche Trends gibt es auf dem Sockenmarkt zurzeit?

FĂŒr die Sockenhersteller sind die Schuhtrends wichtig. Was wir derzeit sehen, ist: Die Kunden wollen dĂŒnne Socken, vielleicht, weil die Schuhe immer bequemer und besser werden. Auch optisch gibt es einen klaren Trend hin zu kurzen Sneakersocken, die man kaum sieht, sogenannten "Invisibles".

Bei LĂ€ufern sind KompressionsstrĂŒmpfe sehr beliebt. Wird es vermehrt Socken, geben, die als Aufgabe haben, Beschwerden lindern?

Kann gut sein. Wir sehen seit Jahren, dass immer mehr LĂ€ufer Probleme mit der Achillesferse haben, sicherlich bedingt durch den Natural Running Trend und Schuhe mit geringer Sprengung.

Wir haben eine Socke fĂŒr diese LĂ€ufer entwickelt und Silikonnoppen in die Achillesfersen-Zone eingearbeitet, die das umliegende Gewebe beim Laufen massiert und so die Achillessehne durchblutet. Dadurch wird der Abtransport von EntzĂŒndungsstoffen verbessert.

In Tests mit 90 Lauf-Probanden haben rund 80 Prozent eine spĂŒrbare Verbesserung bemerkt. Ich selber kann das nicht beurteilen. Ich habe keine Probleme – und die Socken sind nur was fĂŒr LĂ€ufer mit Beschwerden. Sonst werden Sie keinen Spaß damit haben.

Generell gilt leider oft die allgemeine Meinung: Socken sind immer dann, am besten, wenn man sie nicht sieht und nicht spĂŒrt.


Zur Person: Michael Meier, ist studierter Betriebswirt und seit 1997 Product Manager beim deutschen Sockenhersteller FALKE - Ergonomic Sport System.  



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