So findet jeder Läufer die passenden Laufschuhe

Geschrieben von: Frank Joung
Schuhe an der Leine

Wer läuft, braucht Laufschuhe. Doch welche soll ich kaufen? Nike, Adidas, Brooks oder Asics? Neutral oder Natural? Boost, Gel oder Flyknit? Die Auswahl wird zur Qual. Dämpfung, Preis, Schuhgröße – Achim-Achilles.de klärt, worauf es ankommt.

Christian Manz schaut auf seine Schuhe herunter. Tja, sagt der 30-jährige Hobbyläufer aus Berlin. „Bislang sind meine Treter ganz gut mitgelaufen“. Er lacht. „Ich bräuchte schon mal neue, aber Schuhe kaufen ist anstrengend. Es gibt einfach viel zu viel Auswahl.“

So oder so ähnlich äußern sich viele Jogging-Anfänger und Freizeitläufer. Dass Laufschuhe wichtig sind, ist jedem klar. Aber nicht jeder hat die Zeit und Lust, ins Fachgeschäft zu stiefeln und sich beraten zu lassen. Doch genau das sollte man tun. „Der Schuhkauf ist eine ganz individuelle Sache“, sagt Jürgen Stöcker, Filialleiter vom Lauf-Fachgeschäft Lunge. „Pauschalurteile sind da schwierig.“ Doch wer bestimmte Aspekte berücksichtigt, findet mit ein bisschen Hilfe schnell den passenden Schuh.

Schuhgröße

Wie kann man verhindern, dass der Schuh drückt? Hier gibt es eine Faustregel, an die man sich halten kann. Ein Laufschuh muss größer sein als ein normaler Straßenschuh. „Vor dem großem Zeh sollte ein Daumenbreit Platz sein, am Abend ein Fingerbreit“, sagt Stöcker. Denn beim Abdrücken vom Boden rutscht der Fuß nach vorn. Und abends ist der Fuß größer als morgens.

Übrigens auch eine Art, die richtige Größe zu ermitteln: Der Daumen muss hinten in den Schuh passen.

Marken

Bei den einschlägigen Lauf-Marken gibt es keine gravierenden Qualitätsunterschiede. Ob Adidas, Nike, Brooks oder Asics – hier kommt es eher auf das jeweilige Modell an als auf die Marke. JĂĽrgen Stöcker verkauft in seinem Laden auch die Hausmarke Lunge Laufschuh Lunge C-Dur Herren

Ein reiner Laufschuh für den ambitionierten Läufer, vegan hergestellt und im Gegensatz zu den internationalen Herstellern nicht in Fernost produziert, sondern „Made in Germany“. „Den meisten Kunden ist die Marke aber egal“, sagt Stöcker. „Und das ist genau der richtige Ansatz. Man sollte nicht auf eine Marke fixiert sein.“

(Foto: www.lunge.com / Modell: C-Dur, Herren).

Dämpfung

Lange Jahre hieß es: Je mehr Dämpfung, desto besser. Der Schuh erhielt Luftkissen, dicke Geleinlagen und bettete den Fuß regelreicht in Watte. Matthias Marquardt, Arzt und Autor der „Laufbibel“, ist der Meinung, dass diese „Verwöhnkur“ eher Verletzungen provoziert als eindämmt. „Stark gedämpfte Schuhe können dem Läufer schaden.“

Auch Jürgen Stöcker vom Lunge-Laufladen hält Dämpfung für überbewertet. „Die Dämpfung verlangt keine große Beachtung.“ Anfänger bevorzugten etwas weichere Schuhe, Fortgeschrittene würden eher zu festerem Material und flacheren Schuhen greifen, berichtet er. Der neueste Trend „Natural Running“, also (Fast-)Barfußlaufen, ist im Übrigen mit Vorsicht zu genießen. „Anfänger sollten moderat einsteigen und nicht gleich zu Beginn lange Läufe absolvieren“, sagt Jürgen Stöcker. Denn diese Art von Schuh fordert die Fußmuskeln – und die sind die Belastung oft nicht mehr gewöhnt.

Aussehen

Laufschuhe sind meist bunt und fallen auf. Lupenreine weiße Laufschuhe findet man eben so selten wie tiefschwarze Modelle. Zum einen hat es natürlich modische Gründe. Zum anderen sind Läufer auch darauf angewiesen, dass man sie in der Dunkelheit sieht. Und weiße Schuhe werden eben schnell dreckig.

Läufer lassen sich aber meist von der Funktionalität überzeugen, auch wenn sich manche schwertun einen ästhetisch unattraktiven Schuh zu kaufen, sitzt er noch so perfekt. „Vor allem Kundinnen sind oft optikgesteuert“, sagt Jürgen Stöcker lachend. „Aber meist sind sie auch vernunftbegabt und nehmen den Schuh, der passt.“

Preis

Qualität hat ihren Preis, aber man muss kein Monatseinkommen fĂĽr einen  ordentlichen Laufschuh hinblättern. „Mit 100 bis 130 Euro sollte man aber schon rechnen“, sagt JĂĽrgen Stöcker. „Wobei es nicht so ist, dass der Schuh fĂĽr 180 Euro automatisch besser ist als der fĂĽr 99.“ Um ein Vielfaches gĂĽnstiger sind reduzierte Schuhe aus der Vorsaison – aber meist gibt es die nur in Restgrößen.

Haltbarkeit

Laufschuhe sind wie Autos. Irgendwann haben sie etliche Kilometer auf dem Buckel und sollten ausgetauscht werden. Hier lautet die Faustregel: Nach 1000 bis 1200 Kilometern haben die meisten Laufschuhe ihr Soll erfüllt. „Je leichter der Schuh, desto kürzer ist die Lebensdauer.

Ein Lightweight-Modell trägt den Läufer vielleicht 500 bis 800 Kilometer über die Strecke. „Wenn man merkt, dass der Schuh nicht mehr den gewohnten Halt gibt, ist es meist schon zu spät“, sagt Stöcker. Viele Wettkampfläufer haben deshalb gleich mehrere Paare parallel in Gebrauch und wechseln nahezu täglich.

Modelle

Es gibt Lightweight, Stabil-, Dämpfungs-, Bewegungs-Kontroll-, Gelände- und BarfuĂźschuhe. Dazu Laufschuhe mit oder ohne PronationsstĂĽtze. Welcher Schuh der richtige ist, hängt von verschiedenen Parametern ab: FuĂź- und Beinstellung, persönliche Vorlieben, Lauf-Untergrund  – etwa Wald oder StraĂźe – dem sportlichen Leistungsniveau usw. Der Achilles-Laufschuh-Berater kann einen ersten Aufschluss darĂĽber geben, welche Fragen sich jeder Läufer beim Laufschuhkauf stellen sollte – wo laufe ich? Wie oft? Wie rollt mein FuĂź ab?

Fest steht: „Jeder Läufer braucht einen anderen Schuh.“ Bei Lunge wird deshalb nicht nur individuell beraten, sondern auch eine Laufanalyse auf dem Laufband gemacht. 30 bis 45 Minuten sollte man fĂĽr den Laufschuhkauf  in einem Fachgeschäft generell einplanen. Schlechte Verkäufer erkennt man daran, dass sie Laufschuhe anpreisen, ohne Fragen zu stellen.

WohlfĂĽhl-Effekt

Bei all dem Fachvokabular und den zahlreichen wissenschaftlichen Studien über Dämpfung und Fußstellung darf man eins nicht vergessen. Es geht in erster Linie darum, dass man sich in den Schuhen wohlfühlt – meint auch Matthias Marquardt. „Das Bauchgefühl ist das Wichtigste. Es gibt Daten, die andeuten, dass ein Läufer seltener verletzt ist, wenn er sich in seinen Schuhen wohlfühlt.“ Nicht zu unterschätzen, aber oft vergessen: die Socken. Tipp: Ziehen Sie beim Schuhkauf die Socken an, die Sie später beim Laufen tragen werden. Sonst machen Blasen dem Lauferlebnis einen mächtigen Strich durch die Rechnung.

 


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