29 September 2010 09:28
Hallo Herr Doktor,
ich bin 59 Jahre alt, männlich, 1,89 Meter groß, 104 Kilogramm schwer und als ehemaliger Leistungssportler (Leichtathletik, Sprint, Sprung) zum langjährigen Gesundheitsläufer geworden. Ich laufe im Schnitt zwei-, dreimal die Woche etwa 45 Minuten, habe aber kaum etwas für meine Rumpfmuskulatur getan. Trotz recht guter Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit bekam ich in den letzten Jahren nach dem Laufen schon mal häufiger Herzrhythmusstörungen bis hin zum Vorhofflimmern, das nach einigen Stunden wieder verschwand. Die kardiologische Überprüfung ergab keinen nachweisbaren organischen Befund. Da ich aber im Laufe der Jahre einen leichten Rundrücken bekommen habe und auch Verspannungen im oberen Rücken- und Nackenbereich verspüre, meinen meine Physiotherapeuten, dass die Herzrhythmusstörungen vom Rücken ausgelöst werden (Sympathikus). In der Tat sprang mein Herzrhythmus unmittelbar nach der Lösung von Wirbelgelenkblockaden und begleitender Massage mehrfach wieder in den normalen Sinusrhythmus zurück. Meine besorgten Fragen: Gibt es einen solchen Zusammenhang zwischen Rundrücken und Herzrhythmus? Wenn ja, was kann ich dagegen tun? Sollte ich auch meine Wirbelsäule näher untersuchen lassen? Darf ich weiterhin laufen oder muss ich mir eine andere Sportart aussuchen? Es wäre sehr nett, wenn Sie mir Ihre Einschätzung meiner Situation übermitteln würden.
Herzliche Grüße, Gerd
Lieber Gerd,
das Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung überhaupt und tritt hin und wieder auch an Herzen auf, an denen keine krankhaften Veränderungen nachweisbar sind. Durch manualtherapeutische Manöver, wie das Einrenken der Brustwirbelsäule, ist ein solches Vorhofflimmern nicht sicher zu beheben. Ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass es durch tiefes Ein- und Ausatmen zu einem so genannten Vagusreiz gekommen ist, der ein Umspringen in den normalen Herzrhythmus erzeugt haben könnte. Der Versuch, die Wirbelsäule mehrfach zu deblockieren und durch ein Training der aufrichtenden Brustwirbelmuskulatur zu stabilisieren, ist sicherlich statthaft. Lasse dich hierfür von einem manualtherapeutisch tätigen Arzt beraten und von einem Physiotherapeuten mit Ausbildung in medizinischer Trainingstherapie betreuen. Unabhängig davon musst du dich allerdings dringend bei deinem Kardiologen vorstellen, um mit ihm ein Konzept zu erarbeiten, wie mit diesen wiederkehrenden Beschwerden umgegangen werden sollte. Hält ein Vorhofflimmern nämlich länger als 48 Stunden an, so kann es zu Blutgerinnselbildungen kommen, die sogar einen Schlaganfall auslösen können.
Mit allerbesten Grüßen, Matthias Marquardt

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