30 Juni 2010 02:00
Hallo Achim,
ich bin 54 Jahre alt und trainiere jetzt seit etwas mehr als einem Jahr. Mein Gewicht habe ich in dieser Zeit von 93 auf 78 kg reduziert. Meine 10-km-Zeit von 1:05:27 Stunden auf jetzt 42:50 Minuten gesteigert und meinen zweiten Halbmarathon in 1:36:53 Stunden gefinisht.
Natürlich steht jetzt mein erster Marathon auf dem Programm. Eigentlich habe ich mir 3:30 Stunden als Ziel gesetzt. Aber alle in meiner Laufgruppe raten mir davon ab. Sie sagen, ich soll es locker angehen und mir eine Zeit unter vier Stunden vornehmen.
Weil bei meinem geplanten Marathon Zugläufer für 3:30 Stunden dabei sind, wollte ich mich einfach dranhängen und einfach solange mitlaufen, wie ich kann. Notfalls bis ins Ziel. Bin ich zu ambitioniert?
Läuferische Grüße,
Heinz
Hallo Heinz,
großartig, was Du bisher erreicht hast. Ein paar Jahrgänge jünger und wir würden Dich für das Perspektivteam "London 2012" vorschlagen. Klar: einen Marathon zu laufen ist die logische Folge Deines sportlichen Werdegangs. Ziele sind wichtig und zeitliche Vorstellungen für einen Marathon motivieren fürs Training und die Anstrengungen, die eine Vorbereitung für 42 Kilometer am Stück mit sich bringen.
Man kann mit zeitlichen Ambitionen einen Marathon laufen und sich auf den Wettkampf einlassen. Oder man wählt die sichere Variante: sportliches Sightseeing. Das musst Du allein entscheiden, doch ich ahne schon, in welche Richtung Du tendierst.
Deine skeptischen Laufgenossen haben insofern allerdings recht: Der Marathon ist etwas Besonderes und man sollte ihm mit nötigem Respekt begegnen. Das Rennen beginnt erst dort, wo Du andere Läufe (Halbmarathons) schon längst beendet hast. Das ist eine völlig neue Erfahrung.
Deshalb solltest Du das Rennen in der Tat mit einem gewissen Maß an Zurückhaltung und Geduld beginnen und Dich nicht an die Fersen eines Tempomachers heften, der eine Pace über Deinem Niveau anschlägt. Und auch während eines Rennens solltest Du nichts erzwingen, was nicht geht.
Wie schnell Du letztlich den Marathon laufen kannst, hängt vor allem von der Qualität Deines absolvierten Trainings ab. Denn wenn Du auf einem Niveau trainierst, das eine Zeit um die 3:30 Stunden zulässt, wäre es nicht logisch, wenn Du Dich bei dem Rennen an der Vier-Stunden-Marke orientierst. Aus Deinem Training sollst Du die Sicherheit und das Vertrauen für einen Wettkampf schöpfen. Und anhand Deiner Zeiten über 10 und 21 Kilometer weißt Du inzwischen, was Qualitätstraining bedeutet und was Du für Deine gesteckten Ziele investieren musst.
Viel Spaß beim Training und einen tollen Marathon,
Piet

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