Frauen-Triathlon in Israel: Eine bewegende Geschichte

Frauen-Triathlon Israel

Eine junge Frau stirbt beim Triathlon-Training, ihre Mutter übernimmt daraufhin die Organisation eines Frauentriathlons, der sonst gestorben wäre. Triathlove-Bloggerin Ann-Kathrin Ernst war beim Women Triathlon Herzelia und hat die bewegende Geschichte aufgeschrieben.

Es ist 6:30 Uhr. Die ersten Frauen stürzen sich in die Fluten. Es sind nur Frauen – über eintausend sind es in diesem Jahr. Sie sind nicht nur gekommen, um sich in den drei Disziplinen miteinander zu messen, sondern um Spaß zu haben und vor allem, um der verstorbenen Triathletin Tamar Dvoskin zu gedenken.

Tod beim Training

In Herzlyia, einer Stadt nördlich von Tel-Aviv, findet jährlich der Women Triathlon statt. Eine Veranstaltung nur für Frauen. Egal ob Rookie oder geübte Triathletin, jung oder alt, dünn oder dick. Hier stehen die unterschiedlichsten Typen an der Startlinie. Für einen Vormittag werden hier die Sorgen eines Landes vergessen und gemeinsam ein Triathlon-Fest gefeiert. So ist der Plan.

Es ist wie eine Geburtstagsfeier für eine Sportlerin, die ihr Leben viel zu früh verloren hat. Zwanzig Jahre ist das nun her. Während des Radtrainings wird Tamar Dvoskin von einem betrunkenen Autofahrer angefahren. Auf einer Straße, auf der normalerweise keine Radfahrer erlaubt sind. „Trotzdem ist dort jeder gefahren“, erzählt ihre Mutter. Die damals 21-Jährige überlebt den Crash nicht.

1994 – zwei Jahre vor dem Unfall nahm ihr Bruder an einem Wettkampf teil. Sie bekam einen Handzettel mit Werbung für einen Frauentriathlon. Kurzerhand überredete Tamar ihre Mutter Susie zur Teilnahme. „Wir hatten zwei Monate Zeit zum Trainieren. Ich bin früher schon geschwommen, habe mir ein Fahrrad geliehen, und wir haben teilgenommen“, erzählt Mutter Susie heute stolz.

Natürlich habe sie sich während des Wettkampfs Sorgen um ihre Tochter gemacht, wie das als Mutter eben so sei. Dass nicht einmal zwei Jahre später doch etwas passieren sollte, ahnte natürlich noch niemand. Immer wieder stockt Susie kurz, denkt augenscheinlich darüber nach und kämpft mit den Tränen.

Tamars Mutter ĂĽbernimmt die Orga

Noch im gleichen Jahr des Unfalls findet der Frauentriathlon erneut statt. Es kamen viele Freunde von Tamar, in Erinnerung an sie und ihre groĂźe Leidenschaft. Doch das Event steht kurz vor dem Aus, die Veranstalter wollen nicht mehr weitermachen.

Kurzerhand entschließt sich Susie zusammen mit ihrem Ehemann Danny, den Wettkampf als Organisatoren zu übernehmen. Mit viel Herzblut und Leidenschaft zum Detail sind sie bis heute dabei. Und das, obwohl Susie seit sieben Jahren an Krebs leidet. „Ich bin nicht krank“, betont die 69-Jährige. Der Sport sei es, der sie gesund hält.

Sie wirkt einerseits gebrechlich, andererseits inspirierend und voller Energie. Eine bemerkenswerte Frau, sagen viele der Teilnehmerinnen, die viele von ihnen dazu motiviert, ĂĽberhaupt Sport zu treiben.

Immer wieder würden die beiden vor neue Herausforderungen gestellt, die sie meistern müssten. Mal größere, mal kleinere Hürden. In diesem Jahr bereiten ihnen die hohen Wellen und die starke Strömung Sorgen. Das Schwimmen muss abgesagt werden.

„Aber wir wollen die vielen Staffelteilnehmer nicht enttäuschen“, sagt Danny. „Deswegen werden die Schwimmerinnen hüfthoch durchs Wasser laufen müssen.“ Klingt zunächst komisch. Doch augenscheinlich haben die Teilnehmerinnen dabei eine Menge Spaß und auch bei den anderen beiden Disziplinen begegnen einem die Frauen stets mit einem Lächeln auf dem Gesicht.

Fotostrecke vom Women Triathlon Herzelia

"Jede Frau ist eine Gewinnerin"

Schwimmen, Radfahren und Laufen – das sei mehr als nur Sport, sagt Susie. Es sei eine Art zu leben. Frauen zu ermutigen, Sport zu treiben oder zu sehen, wie sie einen Triathlon absolvieren, mache sie stolz. „Jede Frau ist eine Gewinnerin“, betont die quirlige Frau mit einem Lächeln auf den Lippen. „Es ist egal, ob sie den Triathlon gewinnt oder als Letzte ins Ziel kommt!“

Für sie ist es eine Lebensaufgabe geworden. Mit um die fünfzig Teilnehmern haben sie angefangen, weit über 1000 sind es 2016. Und jedes Jahr lockt die Veranstaltung immer wieder neue Starterinnen und ‚alte Hasen’ an den Strand von Herzlyia.

Nächstes Jahr wird der Triathlon wieder stattfinden. Wieder in Erinnerung an die verstorbene Tamar, die einen Tag vor dem Event 42 Jahre alt werden würde. Wieder mit hunderten Teilnehmerinnen voller Energie, Emotionen und Elan. Voller Begeisterung für eine Sportart, für die Susie Dvoskin in Israel wie kaum eine andere steht.

 

Zur Person: Ann-Kathrin Ernst, Jahrgang 1991 ist begeisterte Triathletin bei Eintracht Frankfurt, hauptberuflich Studentin und nebenberuflich im Journalismus tätig. Sie betreibt den Blog Triathlove mit viel Herzblut, schreibt als Athletin für Athleten über alle Themen, die sie aufwühlen und aufregen.

 

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