Road to Roth (6): Ausgerechnet am letzten Trainingstag

Guido Kleemann trainiert diszipliniert weiter für seinen Traum. Erst lief es prima für ihn: super Ergebnisse bei der Leistungsdiagnostik, hervorragende Trainingsergebnisse, Bestzeiten. In Topform wollte Guido ins Tapering gehen, doch dann folgte der Schock: Der Fuß schwillt an – und das ausgerechnet nach seiner letzten intensiven Trainingseinheit. Was tun?

Intervalltraining bei der Leistungsdiagnostik

Klar, eine Langdistanz macht man nicht ohne medizinischen Check-Up. Zu groß die Gefahr, etwas zu verschleppen oder Vorerkrankungen zu erkennen. Das kann einem bei solchen Belastungen zum Verhängnis werden.

Also bin ich vor ein paar Wochen ins sportmedizinische Zentrum der Charité in Berlin Mitte zum kompletten medizinischen Check gegangen. Und das Team um Chefarzt Prof. Wohlfahrt hat alles aufgefahren, was es hatte, um mich zu testen.

Untersuchung, Lungenfunktion, Blut, Urin, aber am spannendsten war die Leistungsdiagnostik mit Belastungs-EKG und Laktatmessung auf dem Laufband. So konnte ich mitten am Arbeitstag gleich ein Intervalltraining auf Kosten der Krankenkasse einstreuen.

Nachdem ich auf dem Laufband bis zum Close Out rangenommen belastet wurde, bescheinigte man mir eine sehr gute Grundlagenausdauer – wäre ja auch noch schöner, wenn die ganze Plackerei nichts gebracht hätte. Einschränkungen beim Training wurden nicht verordnet. Also weiterhin mit Volldampf Richtung Roth.

Leistungstests, Massenlauf & Verunsicherung

Eigentlich hatte ich vor, ein bis zwei Vorbereitungswettkämpfe zu machen. Aber Anfang Mai ist ein Wetbbewerb einer Überlastung am Fuß zum Opfer gefallen und bei einem anderen im Juni habe ich dann doch lieber ein langes Trainingswochenende vorgezogen.

Schließlich stand Mitte Juni der 5 x 5 km Firmenlauf im Berliner Tiergarten an. Eine Staffel, mit der wir vom Verein Weltraumjogger mit Flüchtlingsunterstützung im letzten Jahr noch den 3. Platz von 5.000 Staffeln belegt hatten. Dieses Jahr ging es insgesamt gemütlicher zu.

Mit Picknick und wie jedes Jahr bei Volksfeststimmung ist das immer eine sehr gelungene Massenlaufveranstaltung an einem warmen Berliner Abend.

Als Startläufer hatte ich es dann doch eilig und konnte das wöchentliche Intervalltraining umsetzen und den Stab nach 18:00 Minuten übergeben. Test gelungen.

Ein paar Tage später folgte dann noch unsere Vereinsmeisterschaft – ein Supersprint am Schlachtensee und auf der Krone in Berlin – bei der ich mit meiner Radleistung weniger zufrieden war. Irgendwie war der Druck nicht da den Speed auf die Straße zu bringen.

Also doch wieder Verunsicherung.

Der Schock kurz vor Schluss

Schließlich musste noch ein Erfolgserlebnis her. Es folgte die letzte Belastungswoche, die ich mit einem 25-km-Lauf am Freitag inkl. 10 km Tempoverschärfung nach einer Nacht voller Regen durch den Grunewald um 5 Uhr früh vor der Arbeit in Bestqualität absolvierte.

Zwei Tage darauf legte ich noch einen drauf: ein 125-km-GA2-Radsplit im Schnitt von 34,5 km/h in neuer Rekordzeit und anschließendem 8-km-Koppellauf. Alles schien auf höchstem Level zu funktionieren. In Topform schien ich ins Tapering zu gehen. Was sollte jetzt noch schief gehen?

Alles!

Denn fünf Stunden später schmerzte die Fußwurzel am Mittelzeh und nächsten Morgen: Schwellung! Nach dem allerletzten intensiven Training!?! Mein Physio Igel war mit den DLV-Athleten zur Team-EM. Noch zwei Wochen bis zum Start! Aber niemals mit diesem Fuß.

Am übernächsten Tag beim Orthopäden sahen wir uns das Röntgenbild an: "Am dritten Zeh könnte man einen Haarriss vermuten." Waaas? Nein so was darf mir nicht passieren. Und alles am letzten Trainingstag? Also jetzt doch MRT. Aber wann bekomme ich einen Termin?

Nach vielen Telefonaten nahm ich gefrustet einen Termin in vier Wochen entgegen mit dem Versprechen, mich anzurufen wenn ein Termin früher frei würde. Ich könnte jederzeit, denn nichts war wichtiger als Klarheit zu haben.

Nach dem Ergebnis: Ich ziehe das jetzt durch

Und wieder trafen sich Glück und Zufall – ich bekam schon am nächsten Tag den Anruf, dass ich innerhalb von einer Stunde zum MRT kommen könnte. Eine Versorgung wie bei den Profis. Also nichts wie hin zum Kudamm 37 und gleich im Anschluss die Besprechung. Und das waren des Docs erste Worte: "Also einen Bruch haben Sie nicht".

Wieder meinte es Fortuna anscheinend gut mit mir. Die Worte danach, dass es sich um eine Entzündung handele, die in zehn Tagen aber in den Griff zu bekommen sein müsste, und dass dies aufgrund der großen Belastung immer mal auftreten könnte und Triathlon sei ja so ein belastender Sport – verhallten bei mir im Hintergrund. Die wichtigste Botschaft war: Roth - Ich starte!

Und nun sind es noch wenige Tage bis zum Start, in denen ich alles tue um die Entzündung zu lindern. Die Schwellung ist schon besser und beim Physio habe ich noch einen Termin. Das lasse ich mir jetzt nicht mehr nehmen. Ich zieh das jetzt durch. Und keine falschen Bewegungen mehr machen.

Ich werde von meinem Abenteuer in Roth berichten. Es wird eines der größten Abenteuer meines Lebens werden.

 

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