Vom 230-Kilo-Koloss zum Marathon-Finisher

Kategorie: Abnehmen
Geschrieben von: Frank Joung

Thomas Stephan wog mehr als 200 Kilo und trug GrĂ¶ĂŸe 8XL. In nur drei Jahren konnte er 150 Kilo abnehmen. Er lief drei Mal den Frankfurt-Marathon mit. Wie aber speckt man so schnell ab? "Ich hatte keinen Plan", sagt Thomas Stephan.

Alles begann mit diesem einen Satz: „FĂŒr mich musst Du nicht abnehmen.“

Gesagt hat ihn eine mittlerweile gute Freundin. Thomas W. Stephan wog zu dieser Zeit weit ĂŒber 200 Kilogramm, bei einer KörpergrĂ¶ĂŸe von 1,80 Meter, in schlimmsten Zeiten brachte er 230 Kilogramm auf die Waage. Seine damalige KleidergrĂ¶ĂŸe (8XL) erscheint abseits jeder Vorstellungskraft. Das war 2010. Heute, drei Jahre spĂ€ter, sagt Stephan: „Kein Dicker fĂŒhlt sich wohl, so wie er ist.“ Auch der 44-JĂ€hrige aus dem Stadtteil Frankfurt-Niederrad nicht. Und so begab sich Stephan auf einen Weg, der ihm eine Gewichtsreduzierung von 150 Kilogramm und ein neues LebensgefĂŒhl brachte.

Wie man 150 Kilo abnimmt? "Ich hatte keinen Plan" 

Er disziplinierte sich, aß weniger, aber gehaltvoller und erstmals mit Lust und nur noch bis zum SĂ€ttigungsgefĂŒhl. „Es gab keinen Plan mit bewussten Überlegungen. Vielleicht war ich durch diesen einen Satz einfach nur befreit“. Er zĂ€hlte keine Kilokalorien und verzichtete auf DiĂ€ten und (zunĂ€chst) auch auf Sport.

Es war schlichtweg etwas in Gang gekommen in seinem Kopf, in seinem Körper; etwas, das nicht mehr zu stoppen war. Weil er es so wollte. Das Ergebnis: Es ging runter mit den Pfunden. Heute zeugen noch insgesamt 880 Zentimeter Narben von der Entfernung ĂŒberflĂŒssiger Haut und seinem ersten Leben. Sein neues hat ihn schon weit getragen – auch ins Ziel des BMW Frankfurt Marathon 2012. Stephan finishte nach 4:43:43 Stunden. „Das war das bislang bedeutendste Ereignis in meinem Leben“, sagt er. Als Erinnerung erwarb er schließlich noch ein StĂŒck Zielteppich aus der Festhalle.

Der erste Marathon: Aufgabe und Weinkrampf

„Klick“ gemacht habe es bei ihm im Februar 2010, sagt Stephan. „Und ich hoffe, dass es vielen so passiert.“ Mit dem Joggen begonnen hat er im August 2011, so wie es viele Neueinsteiger tun: 200 Meter laufen, 300 Meter gehen, 300 Meter laufen, 300 Meter gehen, 400 Meter laufen, 400 gehen und so weiter.

In 40 Minuten war er bei etwa sechs Kilometern angelangt. Und Stephan tat etwas, das auf den ersten Blick völlig absurd war: Er meldete sich fĂŒr den BMW Frankfurt Marathon 2011 an. Wohlwissend, dass er angesichts von nur drei Monaten Vorbereitungszeit und seiner speziellen Vorgeschichte das Ziel in der Festhalle niemals erreichen wĂŒrde.

Stattdessen nahm sich der Frankfurter etwas anderes vor: zweimal ĂŒber den Main zu laufen und dann das Rennen vorzeitig zu beenden. Gesagt, getan. „Als ich ĂŒber dem GelĂ€nder hing, habe ich hemmungslos geweint. Da ist viel abgefallen von mir.“ Auch, weil er die SolidaritĂ€t der Zuschauer („Thomas, lauf weiter!“) und anderen Teilnehmer („Willst Du mein Salz haben?“) spĂŒrte. Auf der Schwanheimer BrĂŒcke, bei Kilometer 25, stieg er wie geplant aus.

Neues KörpergefĂŒhl durchs Laufen 

Es war sein erster Marathonstart, ein erster Versuch gemĂ€ĂŸ seiner Vision: „Nur wer Unmögliches will, wird das Potenzial des Möglichen ausschöpfen.“ Übernommen hat Stephan dieses Leitmotiv von dem evangelischen Theologen Friedrich Schorlemmer. 2012, bei seiner zweiten Teilnahme am BMW Frankfurt Marathon, war Stephan besser vorbereitet, trotz einiger Verletzungen im Vorfeld, die mit seinen Operationen zusammenhingen.

Aber er hatte wider Erwarten sogar in der Schlussphase des Rennens noch viel Energie, lief in der Innenstadt Schlangenlinien und dreimal durch das Caritas-Spendentor. „Alles was jetzt noch kommt, ist nur Spaß und hat keine lebensgeschichtliche Bedeutung mehr fĂŒr mich“, sagt er. Am 27. Oktober 2013 ist er zum dritten Mal in Folge beim Frankfurt-Marathon mitgelaufen und hat eine neue Bestzeit hingelegt.
 
Stephan hat seinen Kurs gefunden. Sportlich und privat. Dabei hat ihm das Laufen ein neues KörpergefĂŒhl gegeben, ihn motiviert, viele RĂŒckschlĂ€ge zu verarbeiten. „Wenn man will, kommt man automatisch zu einer ausgewogenen ErnĂ€hrung und zu einer Gewichtsreduzierung.“ In den meisten FĂ€llen, so wie bei ihm, ohne Magenband- oder Bypass-Operation. „Man muss bewusst und ohne Dogmatismus essen.“ Stephan kauft mittlerweile direkt auf dem Erzeugermarkt oder in der Frankfurter Kleinmarkthalle ein. „Ich kenne 20 verschiedene Apfelsorten“, sagt er stolz.

 
Und der Sport? „Ich laufe nicht um eine Platzierung. Aber ein bisschen Competition ist natĂŒrlich schon dabei.“

Text mit freundlicher Genehmigung von www.bmw-frankfurt-marathon.com

 

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