Dr. Feil: "Richtige ErnÀhrung bedeutet weniger Training"

Geschrieben von: achim-achilles

Viele Sportler gehen zu nachlĂ€ssig mit dem Thema ErnĂ€hrung um – sagt NĂ€hrstoffexperte Dr. Wolfgang Feil. Im Interview erklĂ€rt er, was HobbylĂ€ufer beachten sollten.

Achim-Achilles.de: Herr Dr. Feil, Sie beraten Spitzensportler wie Jan Frodeno, Falk Cierpinski oder die Fußballer von 1899 Hoffenheim. Verraten Sie uns: Was sind deren ErnĂ€hrungssĂŒnden?

Dr. Wolfgang Feil: Im deutschen Spitzensport sind die Kenntnisse ĂŒber regenerative ErnĂ€hrungssteuerung sehr gering. Die Sportler wissen oft gar nicht, wie sie den Trainingsreiz durch richtige ErnĂ€hrung unterstĂŒtzen können. Vor allem im Fußball und Handball, wo mehr auf Taktik wert gelegt wird und die Strukturen insgesamt konservativer sind, wird kaum auf die ErnĂ€hrung geachtet. Die Hoffenheimer, die methodisch viel aus dem Hockeysport ĂŒbernommen haben, sind da echte Vorreiter.

Achim-Achilles.de: Wie ist es bei den Ausdauersportlern?

Feil: Triathleten und MarathonlĂ€ufer achten stĂ€rker auf ihre ErnĂ€hrung, weil sie sich unmittelbarer auf ihre sportliche LeistungsfĂ€higkeit auswirkt. Trotzdem kam erst kĂŒrzlich ein junger Athlet zu mir, der einen Burnout hatte.

Achim-Achilles.de: Was war mit ihm passiert?

Feil: Obwohl der Sportler noch zu den Junioren zĂ€hlte, war sein Leistungspotenzial sehr hoch, so dass er große Chancen fĂŒr eine Nominierung bei der WM in Berlin hatte. Berlin vor Augen und ohne Kenntnisse, welche ErnĂ€hrung sein intensives Training unterstĂŒtzen kann, trainierte er sich platt.

Dr. Wolfgang Feil ist promovierter Biologe und ErnĂ€hrungsberater zahlreicher Spitzensportler. Zu seinen Kunden gehören die Bundesligaspieler der TSG 1899 Hoffenheim, die Triathleten Jan Frodeno und Michael Göhner sowie Langstreckler Falk Cierpinski. Hobbysportlern ist er bekannt als Autor des Bestsellers "Die Lauf-DiĂ€t" (SĂŒdwestverlag 2009). Mehr von ihm auch auf: www.dr-feil.com.

Achim-Achilles.de: Konnten Sie helfen?

Feil: Es dauerte sechs bis acht Wochen bis er aus seinem Leistungsloch wieder herausgekommen war – hierfĂŒr mussten wir alle ErnĂ€hrungs-Joker ausspielen und das Training radikal reduzieren. Der Zug fĂŒr internationale EinsĂ€tze war in dieser Saison damit abgefahren.

Achim-Achilles.de: Welchen Anteil hat die ErnÀhrung am sportlichen Erfolg?

Feil: Ich wĂŒrde sagen, sie macht 30 bis 40 Prozent aus. Wenn ein Athlet ausschließlich trainiert und nicht auf seine ErnĂ€hrung achtet, macht das der Körper zwar ein, zwei Jahre mit. SpĂ€testens im dritten Jahr kommt dann aber der körperliche Einbruch. Der Körper kann den Trainingsreiz nicht mehr umsetzen und der Sportler stagniert nicht nur in seinen Leistungen, sondern verschlechtert sich sogar.

Achim-Achilles.de: Was sollte ein Sportler aus Ihrer Sicht tun?

Feil: Mit der richtigen ErnĂ€hrung wird die Regeneration beschleunigt und dadurch ist weniger Training nötig. Der Körper setzt Trainingsreize besser um und die Muskeln sind nach einem harten Training weniger mĂŒde. Die grĂ¶ĂŸte Verbesserung und optimale Regeneration wird erzielt, wenn man sich im sogenannten "offenen Fenster" nach dem Training kohlenhydrat- und eiweißreiche GetrĂ€nke zufĂŒhrt.

Achim-Achilles.de: Was geschieht dann im Körper?

Feil: Direkt nach dem Training saugen entleerte Muskelfasern Kohlenhydrate auf – wie ein Schwamm. Dieses "Carboloading" im "offenen Fenster" geht nur, wenn unmittelbar nach dem Training Kohlenhydrate getrunken werden. Wer nach dem Sport Bananen oder Kuchen isst, der hat verloren: Diese Kohlenhydrate bleiben zu lange im Magen und Darm und kommen dadurch in der Muskulatur zu spĂ€t an. Die erste schnelle KohlenhydratwiederauffĂŒllung wird nicht erreicht.

Achim-Achilles.de: Wie geht es richtig?

Feil: Im "offenen Fenster" werden neben den Kohlenhydraten auch Eiweiße benötigt fĂŒr die Reparatur ĂŒberlasteter Muskelfasern. Ebenso werden hormonelle Regenerationsmechanismen frĂŒhzeitig angeworfen, wenn Eiweiß gegeben wird. Im offenen Fenster versorgen wir Sportler deshalb immer mit Mischungen aus FruchtsĂ€ften und RegenerationsgetrĂ€nken, die einen hohen Eiweißgehalt aufweisen.

Achim-Achilles.de: Wie wichtig ist die richtige ErnÀhrung vor dem Wettkampf?

Feil: Wer ĂŒber Wochen hinweg richtig trainiert und mit der richtigen ErnĂ€hrung regeneriert hat, erntet am Wettkampftag die FrĂŒchte. Zwei, drei Stunden vor dem Rennen selbst sollte der Magen stabilisiert werden, zum Beispiel mit Ingwerwurzel. Die wirkt außerdem antioxidativ, das heißt, sie hĂ€lt die Muskelfasern lĂ€nger leistungsfĂ€hig.

Achim-Achilles.de: Sie schreiben, dass AminosÀuren einen Leistungsschub bringen. Wie funktioniert das?

Feil: Bei allen intensiven und auch lang andauernden Belastungen entsteht Ammoniak, der mental und muskulĂ€r ermĂŒdend wirkt. Durch die Einnahme von AminosĂ€uren, zum Beispiel Arginin, wird das Ammoniak abgepuffert. Wer drei Mal pro Woche trainiert und dabei auch ein hartes Tempotraining integriert, der spĂŒrt, dass die ErmĂŒdung dank AminosĂ€uren spĂ€ter einsetzt.

Achim-Achilles.de: FĂŒr Laien hört sich das alles recht kompliziert an. Lohnt sich Ihre Strategie ĂŒberhaupt fĂŒr Hobbysportler?

Feil: Das kommt auf den LĂ€ufer an. Besonders bei MĂ€nnern ist die Konkurrenzorientierung groß, man guckt, wie schnell der Nachbar oder Kollege ist. Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass sich ein LĂ€ufer, der den Marathon in 3:30 Stunden lĂ€uft, durch intelligente Eiweiß- und AminosĂ€urenaufnahme gut rund zehn Minuten verbessert. Und jemand, der den Marathon in fĂŒnf Stunden lĂ€uft, verbessert sich vielleicht sogar um 30 Minuten.

Achim-Achilles.de: Wirkt sich die ErnÀhrung auch auf den Kopf aus?

Feil: Die mentale Komponente ist nicht unerheblich. Durch eine richtige ErnĂ€hrungssteuerung in Training und Wettkampf steigt die Motivation weiterzumachen, weil der Körper weniger mĂŒde wird. Die Freude am Sport ist grĂ¶ĂŸer, wenn der Körper das bekommt, was er braucht.

 

Die Fragen stellte Wendelin HĂŒbner

Zur Person: Dr. Wolfgang Feil ist promovierter Biologe und nÀhrstoffmedizinischer Berater von Spitzensportlern wie der Handballnationalmannschaft, 1899 Hoffenheim, Jan Frodeno, Michael Göhner, Tobias Sauter oder Falk Cierpinski. Hobbysportlern ist er bekannt als Autor des Bestsellers "Die Lauf-DiÀt".

 

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