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Achim Achilles Sportartikel

"Veganer sind keine sabbernden Lappen"

Geschrieben von: Frank Joung
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Vegan essen macht krank, Sportler brauchen Fleisch– heißt es oft. Mark Hofmann ist Veganer und läuft Ultramarathon. Im Interview mit Achim-Achilles.de erklärt der 35-Jährige, warum Veganer gesünder leben und woher er die Energie für Spitzenleistungen bezieht.

 

Achim-Achilles.de: Herr Hofmann, Sie ernähren sich vegan, verzichten also komplett auf tierische Produkte – auf Fleisch, Milch, Eier – und laufen Ultra-Marathon. Ist das nicht ein bisschen extrem?


mark hofmann Zur Person: Mark Hofmann, Jahrgang 1976, betreibt die Website www.laufengegenleiden. Der 35-jährige Veganer läuft Marathon-veranstaltungen immer für einen guten Zweck. Im Mai 2013 plant er, mit anderen Veganern die Bundessstraße 12 von Lindau in Baden-Württemberg bis Philllipsreut an der deutsch-tschechischen Grenze zu absolvieren. Die 440 Kilometer lange Strecke wird aufgeteilt. In einer Ultramarathon-Staffel werden die Läufer in Gruppen jeweils 50 Kilometer absolvieren. Mehr Infos auf: www.laufengegenleiden.
Mark Hofmann: Was den Sport angeht, kann ich diese Wahrnehmung nachvollziehen. Mehr als 40 Kilometer am Stück zu laufen, ist extrem. Was die Ernährung anbelangt, würde ich genau das Gegenteil behaupten. Sich vegan zu ernähren, ist eine Abwendung vom Extremen.

Wie meinen Sie das?

Ich finde es viel extremer, Tiere genetisch zu optimieren und unter Drogen gesetzt in enge Boxen einzupferchen. Tierversuche, Massentierhaltung – das ist extrem. Ich betone aber, dass ich niemanden persönlich angehen oder missionieren möchte, da ich festgestellt habe, dass dies bei vielen den gegenteiligen Effekt auslöst. Ich lebe lieber vor und hoffe auf Nachahmung.

 

"Die Umstellung ist nicht so groß, wie man denkt"

 

Viele Mediziner sind der Meinung, eine komplett vegane Ernährung sei gefährlich. Mal ehrlich, Sie plagen keine Mangelerscheinungen?

Nein, vor meinem letzten Marathon im April habe ich mich auch auf Wunsch meiner Frau medizinisch durchchecken lassen. Meine Blutwerte könnten nicht besser sein, alles wunderbar, sagt mein Arzt.

Worauf sollte man bei der Umstellung achten, wenn man sich vegan ernähren möchte?

Jeder sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten, ob man vegan isst oder nicht. Für die meisten Veganer ist das aber kein Problem, da die meisten sich mehr mit der Ernährung auseinandersetzen als der Otto Normalverbraucher. Veganer wissen meist sehr gut Bescheid, wie sie an ihre Nährstoffe herankommen.

Aber ist das nicht unheimlich kompliziert und anstrengend, Veganer zu sein? Zumal als Sportler. Ständig muss man auf die Zutaten und Inhaltsstoffe achten. Sie können ja nicht mal normale Nudeln essen.

Die Umstellung ist nicht so groß, wie man denkt. Es ist alles eine Frage der Gewöhnung. Man muss einmal seinen Einkaufszettel umstellen und hat bald neue Lieblingsprodukte. Irgendwann greift man dann ohne nachzudenken nicht mehr zum Joghurt sondern zum Soja-ghurt.

Aber auswärts essen wird schwieriger …

Das stimmt. Unterwegs essen ist nicht so leicht, da sieht es oft mau aus. In den meisten Restaurants muss man ausdrücklich nach veganen Speisen fragen. Aber nicht vegan zu sein, ist für mich keine Option. Deswegen nehme ich diese Unannehmlichkeiten gerne in Kauf.

 

"Veganer sind keine sabbernden Lappen"

 

Marathonläufer brauchen viel Energie. Wo kriegen Sie die her? Haben Sie spezielle Geheimrezepte?

Bei der Internetrecherche bin ich auf Brandon Brazier gestoßen, einen Triathleten, mehrfacher Ironman und Veganer. In seinem Buch gibt er beispielsweise vegane Rezepte für Kohlenhydratgels und Elektrolytgetränke zum Besten – die kann ich nur empfehlen, die sind wirklich gut.

Wie sind Sie eigentlich Veganer geworden?

Ich saß eines Tages vor meinem Teller und habe mir das Stück Fleisch darauf angesehen. Plötzlich überkam mich ein unglaubliches Gefühl der Schuld. Ich wurde – bildlich gesprochen – von 10.000 Augen angeguckt und fand keine Antwort, keine Entschuldigung dafür, warum ich das jetzt essen sollte, obwohl ich ja wusste, was jährlich milliardenfach in den Schlachthöfen passiert.

Sie haben es aber immer verdrängt.

Genau. Das war das letzte Mal, dass ich Fleisch gegessen habe. Nach der Umstellung habe ich mich körperlich so gut gefühlt, dass ich einen Weg gesucht habe, meinen Bewegungsdrang zu kanalisieren. Also habe ich das Laufen angefangen.

Im nächsten Jahr wollen Sie mit anderen Veganern die 440 Kilometer lange Bundesstraße 12 in einer Ultramarathon-Staffel ablaufen. Warum ausgerechnet die B 12?

Es ist ein Wortspiel. Das Vitamin B 12 sorgt immer wieder für Diskussionen. Es heißt, B 12 wird nicht vom Körper hergestellt und kommt nur bedingt im Pflanzenreich vor. Da streiten sich die Gelehrten. Veganer sollen angeblich Probleme haben, dieses Vitamin aufzunehmen. Wir Veganer wollen zeigen, dass wir keine sabbernden Lappen sind, die nichts auf die Reihe kriegen, sondern dass wir tatsächlich auch Ultramarathon laufen können.

Interview: Frank Joung

Lese-Tipp: Mehr zu vegan und vegetarisch ernähren, im E-Book von Achim Achilles: Laufen und vegetarisch leben - Wissenswertes über fleischfreie Ernährung

Video: 1. Vegane Ultramarathonstaffel B12

 

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