Plattfüße, O-Beine und High Heels: 12 Fragen zu Bein- und Fußstellungen

Beine und Füße

Was ist ein Senkfuß? Warum gibt es keine Schuhe für Supinierer? Warum ist es unangenehm, in flachen Schuhen zu laufen? Und was zum Henker ist BLD? Unser Fuß-Experte Björn Gustafsson gibt interessante Antworten auf zwölf Fragen zu Bein- und Fußstellungen.

Was ist ein Senkfuß?

Von einem Senkfuß spricht man, wenn eine Abflachung des Längsgewölbes vorliegt. Diese entsteht meist durch eine schwache Fußmuskulatur oder schwache Sehnen- und Bandstrukturen, welche eigentlich für eine Aufrichtung des Längsgewölbes sorgen.

Ein Senkfuß hat zwar nicht zwingend Probleme zur Folge, kann allerdings zu belastungsabhängigen Schmerzen führen, die von der Innenseite des Fußes oder Knöchels bis hin zu Knie- und Rückenschmerzen reichen. Um die Fußmuskulatur zu stärken, empfiehlt es sich mehr barfuß zu laufen. Das beugt aber nicht nur der Ausbildung von Senkfüßen vor, sondern auch jeder anderen Fußfehlstellung.

Was ist ein Knickfuß?

Wenn die Ferse des Fußes nach innen gekippt ist, spricht man von einem Knickfuß. Die Achillessehne verläuft in diesem Fall bogenförmig, dadurch kann es zu einer Überlastung der Sehne kommen, da sie einem höheren mechanischen „Stress“ ausgesetzt ist. Häufig tritt der Knickfuß in Kombination mit dem Senkfuß auf.

Was ist ein Plattfuß?

Der Plattfuß bezeichnet die Extremform des oben angeführten Senkfußes. Hierbei ist das Längsgewölbe komplett abgesunken. Das kann in besonderen Fällen sogar dazu führen, dass die gesamte Fußsohle Bodenkontakt hat.

Was ist ein Hohlfuß?

Ein Hohlfuß zeichnet sich dadurch aus, dass das Längsgewölbe des Fußes verstärkt ausgebildet ist. Durch diese starke Ausprägung können Schmerzen im Vorfuß sowie im Fußaußenrand auftreten – besonders bei starker Belastung ist das der Fall. Bei einem ausgeprägten Hohlfuß ist die Gefahr umzuknicken besonders hoch.

Was ist ein Spreizfuß?

Wenn sich das Quergewölbe des Fußes absenkt, dann ist die Rede von einem Spreizfuß. Auch hier können belastungsunabhängige Schmerzen im Vorfuß auftreten, da Bereiche des Fußes belastet werden, die sonst keine Last zu tragen haben.

Worauf muss man achten, wenn man O-Beine hat?

Bei einer O-Stellung der Beine sollte darauf geachtet werden, dass die Muskulatur an der Innen- und Außenseite der Beine gleichmäßig ausgebildet ist. Das heißt, dass Adduktoren und Abduktoren im gleichen Maße trainiert sind oder werden sollten. Denn häufig sind O-Beine ein Indiz für eine zu schwache Muskulatur der Oberschenkelinnenseite.

Ab wann spricht man von X-Beinen?

Bei einer Laufanalyse wird unter anderem die Beinachse begutachtet. Diese wird ausgehend von der Hüfte über das Knie bis hin zum oberen Sprunggelenk beurteilt. Wird bei der Analyse eine Abweichung von mindestens 3° valgus festgestellt, so spricht man von einem X-Bein.

Ohne Analyse, bei bloßer Betrachtung der Beinstatik, wird von einem X-Bein ausgegangen, wenn die Sprunggelenke im einfachen Stand nicht zusammengebracht werden können.

Gibt es überhaupt Menschen mit "gesunden Füßen"? Oder haben nicht alle irgendwie Senk-, Knick- etc.-Füße?

Eine einheitliche Definition für den „normalen Fuß“ gibt es nicht, die Übergänge sind fließend. Fest steht: Jeder Fuß ist einmalig. Von gesunden Füßen kann man sprechen, wenn sie der Aufgabe gewachsen sind das Fundament zu bilden und eine problemlose Fortbewegung bis hin zu sportlichen Höchstleistung ermöglichen.

Macht es Sinn, den Fuß mit Einlagen zu stützen?

Bei dem Thema Einlegesohlen sollten wir das Thema Stützen vermeiden und mehr über das Thema Schützen reden. Einlegesohlen bieten vor allem einen präventiven Schutz, z.B. vor Verletzungen. Mit ihrer Hilfe wird der Komfort und die Passform in Schuhen erhöht, aber auch die Sensorik und somit die Muskelaktivität unter den Füßen in Gang gebracht.

Warum gibt es keine Schuhe für Supinierer?

Es wurde bereits ein Laufschuh mit Härtegrad 2 im Außenbereich entwickelt, um zu verhindert, dass der Fuß übermäßig nach außen wegkippt. Diese Konstruktion hat sich jedoch für Supinierer nicht bewährt.

Bei einer Supination wird empfohlen, stark gebogene Leisten mit neutraler Zwischensohle zu nutzen, die außerdem möglichst flexibel sind. Nur dadurch kann eine maximale Führung und Unterstützung des Außenbereichs gewährleistet werden.

Sind hohe Schuhe in jedem Fall schädlich für die Füße?

In nahezu jedem Schuh befindet sich ein Absatz – vom Laufschuh bis zu den klassischen High Heels. Absätze erhöhen die Spannung der Wadenmuskulatur, das sieht zwar schön aus, verkürzt jedoch deutlich die Muskulatur in den Waden. Dass dadurch das Tragen von flachen Schuhen unangenehm wird, ist nur ein Folgeeffekt von Absätzen.

Hat jeder Mensch unterschiedliche Bein- und Fußlängen?

Die perfekte Symmetrie der Beine und Füße ist ziemlich unmöglich und wäre dazu auch sehr langweilig. Die Beinlängen-Differenz, kurz BLD genannt, ist bei einer Spanne von 0,5 cm bis 1 cm noch unbedenklich.

Bei der BLD ist es vor allem wichtig, zwischen funktioneller und anatomischer zu unterscheiden. Zudem ist eine Beurteilung des Beckenkammes notwendig, um die Differenz zu identifizieren. Genau das gleiche gilt bei den Füßen – unterschiedlich groß sind die meisten, doch Probleme gibt es nur, wenn auch unterschiedlich große Schuhe benötigt werden.

 

Bjorn Gustafsson currex portraitZum Autor: Björn Gustafsson ist ein ehemaliger Profi-Triathlet. 1989 wurde er Junioren-Weltmeister. Bereits mit 23 Jahren musste er seine Karriere wegen einer Überlastungsverletzung beenden.

Nach dem Studium der Sportwissenschaft widmete er sich ganz der Bewegungsanalyse und gründete sein Unternehmen currex GmbH. Gustafsson gilt als Experte auf seinem Gebiet und ist Co-Autor der „Laufbibel". www.currex.de | currexsole.com

 

Das könnte dich auch interessieren