
Wenn ich Sonntags auf meiner Hausstrecke am Teltowkanal unterwegs bin, fallen mir unter allen anderen gleich die GPS Läufer auf. Meistens treffe ich in den anderthalb Stunden ca. 5-10 LäuferInnen an, die ein GPS am Handgelenk tragen. Und ich bin mir sicher, dass nur ganz wenige wissen, dass man mit den etwas größeren Garmin Forerunner auch Strecken nachlaufen kann. Und um genau das geht es hier in meinem Artikel.
Navigation mit dem Forerunner?

Forerunner 305 Forerunner 310XT
Der Forerunner ist ja kein Navi, wie man es vom Auto her kennt. Zur Interaktion mit dem Anwender steht nur ein kleines Schwarzweiss-Display und ein „oldschool“ Piepston zur Verfügung, also keine komfortable Sprachansage. Trotz dieser zugegebenermaßen sehr puristischen Ausstattung es möglich, eine völlig unbekannte Strecke in unbekanntem Terrain mit etwas Übung gefahrlos nachzulaufen. Geeignete Strecken findest du beispielsweise über den Laufstreckenfinder von GPSies.
Strecke aussuchen
Mittels der erweiterten Suche wirst du schnell eine interessante Strecke finden. Trage den Ort und die gewünschte Länge ein, verfeinere die Suche nach deinen Vorstellungen und los geht es. Einfacher geht es, wenn du die Kartenunterstützung („in Karte anzeigen“ → „Suche im aktuellen Kartenausschnitt“) aktivierst. Hast du keine Strecke gefunden, kannst du dir auch schnell mal eben eine Laufstrecke erstellen. Ich habe auch schon oft anhand von Satellitenbildern von meinem Urlaubsort eine Strecke erstellt und diese noch zu Hause auf meinen Forerunner hoch geladen.
Strecke herunterladen
Nehmen wir an, du hast im Berliner Grunewald die Strecke Krumme Lanke und Schlachtensee gefunden. Sie ist insofern anspruchsvoll, da sie bis auf die Umrundung der beiden Seen nur schwer aus dem Gedächtnis heraus nach gelaufen werden kann. Ziel ist, nach ca. 14 Kilometern wieder am Startpunkt anzukommen.
Zum Übertragen auf den Forerunner gibt es nun zwei Möglichkeiten. Am einfachsten und am schnellsten geht es mit dem Garmin Communicator PlugIn. In diesem Fall kannst du die Strecke direkt vom Browser an deinen Forerunner senden:
- Lasse dir die Strecke Krumme Lanke und Schlachtensee anzeigen
- Wähle oberhalb der Karte das Format „Garmin Course TCX“ aus
- Trage bei „Optionen einblenden“ deine angestrebte Geschwindigkeit (Pace) ein, die du laufen möchtest (dazu gleich mehr)
- Verbinde deinen Garmin Forerunner mit dem Computer und schalte ihn an
- Klicke auf „Zum Garmin senden“ – fertig
Es öffnet sich ein Fenster und wenn alle Schritte befolgt wurden, ist damit schon alles getan. Die Übertragung geht sehr schnell. Auf dem Forerunner wird kurz angezeigt, dass die Strecke übertragen wurde.

Bild: Dialog Garmin Communicator PlugIn
Du kannst natürlich auch dem Umweg über das Programm Garmin Trainingscenter nehmen. Auch hier musst du als Format „Garmin Course TCX“ auswählen. Importiere die Strecke in das Programm und sende sie zum Forerunner.
Übertragung überprüfen
Als nächstes überprüfe ich immer, ob die Strecke auch richtig übertragen wurde. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Bild: Auswahl der Strecke
Forerunner 205/305: Menü aufrufen → Training → Kurse→ „Krumme Lanke und Schlachtensee“ → Karte → Enter
Forerunner 310XT: Menü aufrufen → Training → Strecken → „Krumme Lanke und Schlachtensee“ → Karte → Enter
Bild: Weitere Funktionen
Der Forerunner „verträgt“ nicht so viele Zeichen im Dateinamen. Deshalb wird der Name verkürzt angezeigt. Den Namen kannst du übrigens vor der Übertragung ändern („Optionen einblenden“ → „Name der Strecke“)
Bild: Anzeige der Karte – Strecke wurde erfolgreich übertragen
Die Karte zeigt nun die Strecke an. Eigentlich ist „Karte“ der falsche Ausdruck, denn es wird nur die reine Strecke als schwarze Linie auf grauem Grund dargestellt. Aber ihr werdet sehen, dass das zum Nachlaufen völlig ausreicht.
Virtueller Partner®
Was hat nun Punkt 3 mit der Geschwindigkeit (Pace) auf sich? Der Forerunner kann einen virtuellen Partner® quasi vor/neben/hinter dir herlaufen lassen. Du gibst die Geschwindigkeit ein, mit der der „Geisterläufer“ laufen soll. In meinem Beispiel habe ich einen Pace von 5 eingetragen, was auf die Länge mit den Steigungen für mich als Flachlandberliner schon ein bisschen mutig ist. Wenn du also die Strecke abläufst, dann läuft dein virtueller Gegner genau dieses Tempo und du kannst versuchen, mitzuhalten. „Weicheier“ lassen den 6er Pace beim Download stehen und zeigen so dem Schweinehund, was eine Harke ist!
Bild: Virtueller Partner® ist vorne
Bild: du bist vorne :-)
Das kleine private Rennen wird in einem besonderen Bildschirm des Forerunners angezeigt. Ungerecht ist, dass der virtuelle Partner® keine Steigungen und keine Hindernisse, wie Straßenüberquerungen oder langsamere Walker kennt J .
Strecke nachlaufen
Das Vorgehen ist ähnlich dem Überprüfen der Strecke.
Forerunner 205/305: Menü aufrufen → Training → Kurse → „Krumme Lanke und Schlachtensee“ → Kurs abfahren → Enter
Forerunner 310XT: Menü aufrufen → Training → Strecken → „Krumme Lanke und Schlachtensee“ → Strecke beginnen → Enter
Bild: Peilung zum Startpunkt mit Distanzanzeige
Diesen Vorgang kannst du ruhig schon machen, bevor du am Startpunkt der Strecke angelangt bist. Ein Kurspfeil ähnlich eines Kompasses zeigt dir neben der Entfernung auch die Richtung zum Startpunkt an. Achso, eine Strecke kann natürlich auch links oder rechts herum gelaufen werden. Leider kann man die Richtung auf dem Garmin nicht mehr umdrehen, das müsstest du schon vor dem Download der Strecke machen (siehe unter “Optionen einblenden”: Strecke umkehren).
Bild: Virtueller Partner® und du am Startpunkt
Gut, wir sind jetzt am Startpunkt. Am besten ist es, wenn du dich erst mal mit der „Karte“ anfreundest. Du solltest dich ein bisschen an das Umschalten zwischen Karte und dem gewohnten Bildschirm gewöhnen. Wenn du die Strecke wirklich nicht kennst, dann solltest du bei den ersten Navigationsläufen den virtuellen Partner®, den Pace und die Herzfrequenz außer Acht lassen und dich nur auf die „Karte“ konzentrieren.
Jetzt heißt es, auf die Plätze, fertig, los: Starttaste drücken! Das Abenteuer beginnt.
Navigieren
Ganz wichtig: der Forerunner hat keinen eingebauten Kompass und kann die Richtung, in der du dich gerade läufst, nur anhand der aktuellen Bewegung errechnen. Wenn du stehen bleibst, dann weiß der Forerunner nicht, in welche Richtung du gerade schaust und zeigt die letzte bekannte Richtung an. Die Berechnung kann erst ab einer Bewegungsgeschwindigkeit von 3-4 km/h erfolgen! Es kann also sein, dass du mal eine Ehrenrunde laufen musst, damit du erkennst, in welcher Richtung du los laufen musst.
Bild: Virtueller Partner® hat einen Vorsprung von ca. 150 Metern
Du siehst deine Position am ausgefüllten schwarzen Pfeil. Der virtuelle Partner® wird als weißer Pfeil dargestellt. Am Start seid ihr beide noch nahe beieinander. Mit den Tasten auf der rechten Seite kannst du die Zoomstufe verändern.
Die Strecke wird als schwarze Linie dargestellt. Bist du auf der Strecke, ist der schwarze Pfeil, also du, direkt auf der Linie. Der weiße Pfeil ist immer auf der Linie, der kann ja nicht ausbuxen.
Bild: Achtung, Streckenabweichung
Wenn du von der Strecke weiter als 50 Meter abgewichen bist, dann piepst der Forerunner und zeigt die Meldung an: „Streckenabweichung“. Nimm das Signal nicht auf die leichte Schulter und schaue auf jeden Fall auf die „Karte“. Erst wenn ein weiterer Piepston zuhören ist und „Strecke gefunden“ erscheint, bist du wieder im Rennen.
Je weiter du reinzoomst, desto genauer wird die Anzeige und desto genauer siehst du, wie nah du der Strecke wirklich bist. Du darfst jedoch nicht alles glauben, was du siehst, denn GPS kann auch mal sehr ungenau sein (gerade bei dichter Belaubung mit Regen und in Häuserschluchten).
Der virtuelle Partner® hat noch einen weiteren Vorteil: er zeigt dir, in welcher Richtung du los laufen musst. Das ist am Start noch ganz einfach, aber in der Mitte der Strecke, zum Beispiel nach einer kleinen Pause oder wenn sich die Strecke kreuzt, dann ist das gar nicht so klar.
Wenn du deine Zeit richtig eingeschätzt hast und gegen den gegen virtuelle Partner® gewonnen hast, dann freut sich auch dein Forerunner mit dir und fängt wie wild an zu piepsen.
Bild: Glückwunsch! Du hast gewonnen
Oft kommt es vor, dass ich meine Kondition überschätzt habe und der virtuelle Partner® vor mir am Ziel angekommen ist. In diesem Fall erscheint die Meldung „Virtual Partner beendet“.
Bild: Du hast leider verloren ;-)
Praxistipps
Zugeben, als ich vor 4 Jahren die ersten Läufe mit Streckennavigation zusammen mit meiner Frau absolvierte und ich aus Unerfahrenheit mehrmals bei kritischen Weggabelungen den falschen Weg einschlug, gab es oft Anlass zu Hohn und Spott und manchmal auch zu Verstimmungen. Zu viel Glaube an die Technik, Vernachlässigung der Orientierung und so weiter. Meine Frau hatte natürlich auch zur Hälfte recht. Mittlerweile haben wir uns beide an die Eigenheiten des GPS Laufens gewöhnt und profitieren beide davon. Sie kennt die Problematik (und meckert nicht mehr so oft) und ich die Technik. Zudem habe ich ein großes Maß an Erfahrung gewonnen.
Tipp 1: Falscher Weg – sofort korrigieren
Wenn du einen Weg falsch hinein gelaufen bist, merkst du das (am Piepston) nach 10 bis 50 Metern, je nach Genauigkeit der Strecke, deiner Geschwindigkeit oder der Stärke des GPS Signals. Kehre in diesem Fall sofort um und versuche den richtigen Pfad zu finden. Oft führen Wege einen Teil nahe beieinander und du denkst: „ach, das geht schon gut“. Glaube mir, das geht nicht gut ;-), da werden aus geplanten 15 km mal 30 km. Wenn du falsch gelaufen bist und der Weg dann später doch extrem abweicht, bist du im Blindflug und kannst nur hoffen, dass du den richtigen Weg wieder findest.
Tipp 2: Stets den Überblick behalten
Ich habe meinen Forerunner so eingestellt, dass die Strecke in Laufrichtung angezeigt wird. Wenn das Gerät direkt vor dir ist, dann zeigt der schwarze Pfeil gerade aus auf den Weg. Meistens starte ich mit 50 – 80 Meter Zoomstufe. In ganz hakeligen Weggabelungen gehe ich schon mal auf 8 Meter runter, aber nur kurz. Variiere ab und zu mal in den Zoomstufen (ruhig mal bis 300 Meter), um einen besseren Überblick zu bekommen.
Tipp 3: Finde die Tendenz eines Weges
Ganz wichtig ist, vorausschauend zu laufen. Naht eine Kreuzung, versuche ich die Tendenz der Strecke zu erahnen. Eindeutige Links- oder Rechtskurven sind ein Glücksfall. Oft gehen zwei Wege der gleichen Richtung ab. Welchen nun nehmen? Ich zoome in diesem Fall raus auf 300 Meter und versuche den Trend der Strecke in diesem Abschnitt herauszufinden. Meistens liegt man mit etwas Erfahrung richtig. Meistens…
Fazit
Ich habe mit meinem Forerunner schon viele Wanderungen, Läufe und Radtouren unternommen und mag die einfache Navigation ohne Karte, bei der man selbst wachsam sein und immer mitdenken muss. Das ist aus meiner Sicht die beste Erfindung seit den Laufschuhen – mehr brauche ich nicht.

geschrieben von backarc, July 10, 2011
Witzig das ich eine ähnliche Idee hatte :)
Allerdings habe ich die Beschreibung mehr auf Datentransfer und GPX-Dateien abgestellt:
http://backarc.blogspot.com/2011/06/spass-mit-dem-forerunner-i-wie-nutze.html
geschrieben von grischan, June 23, 2011
geschrieben von Antilaeufer, June 23, 2011
geschrieben von Reiner, June 23, 2011
Ich habe die gleichen Erfahrungen mit dem Übertragen und dem Abfahren/Ablaufen der Strecken gemacht, allerdings mit dem Edge 305 und 705.












