Berlin 2011 – Was, verdammich, war das denn?

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oppelnhoppel

Mein fünfter Marathon sollte die Krönung meines Laufjahres 2011 werden. Voller Vorfreude machte ich mich am Freitag auf den Weg. Ok, ich hatte auch gehörigen Respekt, war stark fokussiert und angespannt. Mein letzter Marathon lag ja schon ein Jahr zurück und ich hatte  auf den Frühjahrs Marathon verzichtet um stattdessen hart an den Zeiten in den Unterdistanzen zu arbeiten. Da sind dann auch zwei PBs herausgesprungen. Besonders die neue HM Zeit ließ mich für Berlin von einer guten Zeit träumen. Das Training verlief ohne große Probleme und Verletzungen. Die Tempoeinheiten wurden brav durchgezogen. In den 12 Wochen vor Berlin hatte ich sechs längere Einheiten, zwei HM Wettkämpfe und einen 10er. Ich fühlte mich eigentlich perfekt vorbereitet, besser als je zuvor.

 

Aber Träume sind Schäume und es kommt doch immer wieder anders als man denkt und hofft. Raceday: Perfektes Wetter, morgens noch angenehm kühl, zum Mittag sollte es dann allerdings warm werden. Aber da wollte ich ja schon bald im Ziel sein. Die äußeren Voraussetzungen schienen also ideal, da gab es nun keine Ausreden. Kleines Frühstück und dann sollte es zum Startbereich gehen. Halt, noch mal aufs Klo. Ein sehr wichtiger Gang vor einem Rennen. Jeder der schon mal mit vollem Magen gelaufen ist,  wird mir dies bestätigen können. Aber nichts ging... am Samstag auch schon nicht... Sorry Leute, aber ich kriegte die Krise! Unschönes Thema, Darmträgheit. Umziehen, Startbeutel wegbringen und auf eine letzte „Erlösung“ hoffen. Heiko lief mir über den Weg, als ich in der Schlange vor den Dixis wartete. Wir wünschten uns Glück und verabredeten uns für die Nachlese. Die „Erlösung“ blieb in dem schon arg strapaziertem Dixi natürlich aus...  So stand ich schließlich mit einem fetten Kloß im Bauch in Startblock E. Dann die Vorstellung der Eliteläufer, Haile, Paula, Patrick, Irina – Gänsehaut. Und schon ging es los. Die ersten Kilometer erstmal ruhig, knapp unter 5:00. Das ging ganz gut, war nicht gerade locker und flockig, aber auch noch kein Grund zur Sorge. Ab km 16 sollte es eine Tempoverschärfung geben, eine Pace um die 4:50 stand im Programm und sollte bis km 26 gehalten werden. Herrje, das war ein anderer Schnack. Schon jetzt musste ich kämpfen um am Ball zu bleiben. Das ging so bis km 23. Dann musste ich bitter beißen, die Pace kletterte über 5:00 und ich war wehrlos. Ab Bauch abwärts, die Oberschenkel, alles brannte lichterloh. Was für ein scheiß Schmerz! Km 26 dann die Wand. Ich hatte keine Lust mehr, musste walken, fluchte, zeterte und musste alle Ziele begraben. Doch die Zuschauer waren einfach wunderbar! Alle ermunterten einen nicht aufzugeben, wo ich gedanklich schon auf dem Weg in die U-Bahn war. Aber ich denke, dieses tolle Publikum hätte mich gar nicht durch gelassen. Leichtes Antraben, neue Ziele. Durchhalten, durchhalten – die Medaille wollte ich haben, die ist schließlich schon bezahlt! Ich hatte ja ganz gut vorgelegt, vielleicht war meine Boston Quali noch drin. Die Zeiten sind in meiner Altersklasse ja schon ganz moderat. Und ich habe doch immer an die drei Evolutionsstufen des Läufers geglaubt: Jogger, Läufer, Boston Qualifikant ,-) Aber dieses Ziel konnte ich auch schnell begraben. Es ging einfach gar nichts mehr. Wenn ich in Tritt kam, konnte ich gerade so eine Pace um die 5:40 halten. Hangelte mich von Erfrischungsstand zu Erfrischungsstand und musste immer wieder gehen. Da kamen dann km Zeiten von über 6 min heraus.

 

Km 38 meldete sich noch ein netter Krampf im Oberschenkel. So etwas schmerzensreiches hatte ich noch nicht im Programm. Aber alles heulen und jammern half ja nicht. Nur noch vier Kilometer bis zum Ziel und ich wunderte mich wie ich überhaupt bis hierher gekommen war. Bei km 40 gab es noch eine Pinkelpause, die Zeit war ja nun eh egal. Die letzten Meter habe ich dann wieder voll genossen, wollte jubeln, abklatschen und mich so bei den Zuschauern für ihre tolle Unterstützung bedanken. Die haben mich wirklich jeden einzelnen Meter bis ins Ziel getragen. 3:47 stand am Ende auf der Uhr. Nicht grottenschlecht, aber in Anbetracht der Vorbereitung doch viel zu wenig.

 

Im Nachzielbereich dann ein endloses Gedränge bis man seine Medaille bekam. Da war mir schon ziemlich schummrig und ich hatte Angst das der Kreislauf kurz ne Pause einlegt. Es gab nämlich erst nach den Medaillen etwas zu trinken und wir standen alle ziemlich fertig in der prallen Sonne und hatten nur Durst, Durst, Durst. Die Dusche wirkte Wunder und so war ich wieder einigermaßen fit als ich zum Treffen mit Heiko, Fred, Jens und Peter kam. Peter hatte wieder eine unglaubliche Zeit hingezaubert, der ist einfach sauschnell. Heiko eine super PB und Jens und Fred dürfen noch ein wenig an ihrer 239 Mission knabbern.

 

Was aber letztendlich ausschlaggebend für den Einbruch war, ist für mich weiterhin ein Rätsel.  Da habe ich nun noch dran zu knabbern. Ich hatte wohl auch zu wenig Carb gefuttert und dachte mit der Erfahrung aus vier Marathons kann man auch mal Experimente wagen. Wenig Nudel etc. und viele flüssige Carbs. Aber das ging ja nach hinten los – oder besser gesagt, eben nicht...

 

 

 

Kommentare (12)Add Comment
oppelnhoppel
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geschrieben von oppelnhoppel, September 29, 2011
Danke, Danke, Danke! Das tut gut. Inzwischen ist auch die Demut eingekehrt. Ihr habt alle Recht, ich werde mal ein bisschen lockerer machen. Im Frühjahr geht es dann weiter. @lurch: Last Minute Rettungs Tipps? Her damit! lg Stefan
schiedder
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geschrieben von schiedder, September 28, 2011
Hallo Stefan !
Unter 4 und dann solche Stimmung ?
Klar, Du hattest Dein Ziel. Aber es ist doch viel, viel wichtiger, daß Du Dich durchgebissen hast und nicht mit der U-Bahn zurückgefahren bist.
Und dafür Respekt und Hut ab.
Freu Dich über Dein Finish !!!!!
Liebe Grüße Viola
schnittchen
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geschrieben von schnittchen, September 28, 2011
was schreibt der Lurch ...unter 4 ...man man man ... (und alle anderen im prinzip auch) kann ich mich nur anschließen und nen dicken glückwunsch rüberrufen!! superzeit, trotz des leidens zwischendrin - und du hast durchgehalten!!
außerdem hielt dein knie und war nicht der verursacher deiner beschwerden, auch gut zu wissen. hey, wir haben noch viele läufe vor uns, und der stoffwechsel liegt ja nicht immer brach ;-)) alles gute bei der regeneration jetzt und schönes weiterlaufen und arbeiten an der PB!!
ursula
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geschrieben von ursula, September 28, 2011
Glueckwunsch! Und Beileid. Sind Mist, solche Laeufe. Aber wie hiess es so schoen auf der Strecke? Nach dem Lauf ist vor dem Lauf. Der naechste Marathon kommt bestimmt. Und inzwischen - zumindest hast Du Dir gezeigt, dass Du ein tolles Durchbeissvermoegen hast.
girasole
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geschrieben von girasole, September 28, 2011
Respekt, dass Du Dich da durchgekämpft hast. Klingt nach harter Arbeit. So ein Mist, dass die Zielzeit nicht geklappt hat, nach dem harten Training.

Ihc freue mich trotzdem über eine Sache: das Knie hat scheinbar gut gehalten, das ist doch eine wichtige Erkenntnis.

Erhol Dich gut, und dann geht es weiter: Mundabwischen, neues Ziel suchen.

Grüße von gira
feuerraeder
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geschrieben von feuerraeder, September 27, 2011
Hart gekämpft und gefinisht - das bleibt hängen und macht stark! Glückwünsche nochmal von mir! Es geht nicht immer Bestzeit, das lernen wir doch alle, oder?
catcat
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geschrieben von catcat, September 27, 2011
Lieber Stefan, auch wenn du dein eigentliches Ziel (PB) nicht erreicht hast gibt es von mir ein lautes "Applausapplausapplauuuuuuus!". Ich find die Zeit super und danke dir für den Bericht. Beim nächsten mal ist wieder alles anders. Neue Chance, neues Glück.
lurch
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geschrieben von lurch, September 27, 2011
Des innem Uhl...
was würde wohl unser Achim zu dieser Zeit sagen????
Soviel schon mal vorweg, nun zum -wie ich finde Wesentlichen- Glückwunsch zum Finish! Die Leistung alleine ist aller bon heur. Wenn etwas gescheitert ist dann doch deine "Nebenziele". Da würde ich dann über die Vielzahl der Variablen nachdenken, diedu verändert hast, bzw nicht geändert hast. Ich bin Rookie, aber ne PB zu versuchen und die erprobte Ernährung zu verändern ist in meinen Augen gewagt, auch oder gerade für einen so erfahrenen Marathon-Finisher wie dich. Hast du das schon vor den HM ausprobiert? Zu den dir ja bekannten Darmproblemen würde ich dir gerne in ner Mail antworten, wenn du magst?
Was bei mir hängen bleibt ist ein gefinishter Marathon >Applaus< der voller neuer Erfahrungen war, die dazu führen sollten, dass du dein Training in Zukunft darauf abstimmst. Dich also weiter verbesserst. Dann klappt's auch mit der zeitlichen Verbesserung, ganz sicher. ;-)
Gruß vom Lurch
...unter 4...man man man
luftbumb
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geschrieben von luftbumb, September 27, 2011
Mann, toll! Ganz großer Kampf! Gerade ich kann nachvollziehen, was Du geleistet hast. Trotz dieser Schmerzen bis ins Ziel - Chapeau!
Mit so einem Leidensgenossen geht's mir gleich viel besser.
Ich drück die Daumen, dass der nächste Marathon flutscht.
berlifan
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geschrieben von berlifan, September 27, 2011
Trotz alledem hast Du Dich bis zum Ziel durchgekämpft. Das allein verdient schon Respekt! Achim ist es scheinbar ähnlich ergangen. Du befindest Dich also in guter Gesellschaft.
Mit einer Zeit wie Deiner wären Jens und ich mehr als überglücklich gewesen. Das Nahziel 239 bleibt Jens, Achim und mir also vorerst erhalten ;-)

@kitty: Sag niemals nie ;-)! Vor fünf Jahren wäre ich z.B. nicht mal ansatzweise auf die Idee gekommen, überhaupt mal einen einzigen Kilometer am Stück zu laufen...
kittymuc
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geschrieben von kittymuc, September 27, 2011
Genau!!! Schließe mich Otti vorbehaltlos an!
Grüße von einer, die wahrscheinlich nie einen Marathon bestehen wird :))
otti
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geschrieben von otti, September 27, 2011
Zunächst: Herzliche Gratulation! Du bist durchgekommen, allein das zählt und hat meinen höchsten Respekt! Und noch was dazugelernt..das nächste Mal wirds wieder anders und hoffentlich auch besser für dich laufen! Es ist schon sehr interessant die unterschiedlichen Berichte der Berliner zu lesen, alles von grandiosen Zeiten bis Demut vor der Strecke und dem eigenen Vermögen ist dabei...
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