Nachdem ich dann nachts schon am vorglühen war (ich glühe richtig, mir wird vor so einem Lauf immer sehr warm) konnte ich, wie vermutlich die Hälfte der Läufer nicht richtig schlafen. Und dann war da auch noch die Zeitumstellung.
Am Sonntag war ich dann auch nicht ganz so frisch wie erhofft, aber trotzdem ganz passabel bei Laune. Die Temperaturen stimmten mit 10°C auch soweit. Nach einem kurzen Frühstück ab zum umziehen, den Kleiderbeutel geschnappt und ab zum Zielbereich. Dort war die Kleiderabgabe. Wer hatte da die ganzen Umzugs-LKWs abgestellt? Beim näheren hinsehen wurde klar, dass hier niemand umziehen will sondern in den LKWs die Kleiderbeutel gelagert werden. Und klar war auch, die für die Läuferinnen waren wieder mal ganz hinten…toll. Mittlerweile fing es an zu nieseln und ein ziemlich kalter Wind wehte auch noch. Zum Glück hatte ich noch einen Plastiksack mitgenommen. Der wärmte wenigstens etwas.
Danach ging es ab zum Aquadom, dem Treffpunkt mit feuerraeder, barbarine und monschichi. Das fand ich wirklich sehr nett. So sollte es eigentlich immer sein:-) Kurz vor dem Start noch etwas warmlaufen (fiel sehr dürftig aus, es regnete leicht, feuerrader vorne weg wir alle hinter ihm her) und dann ging es los. Allerdings nur für die vorderen Startblöcke. Mein Startblock E (für alle über 2 Stunden und alle Gestrandeten) zoppelte langsam zum Start. Jetzt fing es richtig an zu regnen. Und auf der roten Matte, über die man eigentlich gerne laufen und nicht walken würde, kam erst mal alles zum Stillstand. In dem Moment hätte ich schreien können… Ahhrgh!
Irgendwann ging es dann wenigstens im Laufschritt weiter, das wurde aber bis Ende des ersten Kilometers nicht richtig schnell. Bis zur Siegessäule hatte ich wenigstens halbwegs eine Technik gefunden um mit annäherndem Renntempo unfallfrei und ohne Körperkontakt zwischen langsameren Läufern hindurch zu schlüpfen. Allerdings sah das wohl eher aus wie Haken schlagen. Ständig abrupte Tempowechsel, anhalten, wieder losrennen, nach rechts oder links wechseln, selber fast von riesigen Läufern mit dem Ellbogen auf Augenhöhe erlegt werden. Das kostete richtig Kraft. Ich war mit der Gesamtsituation irgendwie unzufrieden. Bei Kilometer 5 kam dann die Sonne. Und es wurde mal wieder zu warm für meine Kombination aus Langarm- und Kurzarm-Shirt. Wenigstens der starke Wind war wenigstens noch kühl und so teilweise auf meiner Seite.
Bei Kilometer 6 wechselten einige Läufer plötzlich über die Verkehrsinseln nach links. Zahlreiche Läufer bogen scharf links in einen kleinen Park ein und kürzten die Strecke einfach um etwa 300 m ab. Ich lief dem Rest der geradeaus lief hinterher und blieb damit auf der Strecke. Wieso machen die das? Nur wegen der Endzeit? So ein Schwachsinn…
Ab Kilometer 8 hatte ich endlich etwas mehr Platz und konnte das Tempo um ca. 10 sec./km anziehen. Allerdings nur bis Kilometer 10. Für 10 km hatte ich doch tatsächlich 57:22 min gebraucht. 3 min langsamer als geplant. Noch ein Schrei von mir. Dann kam die Versorgungsstelle und plötzlich war die Straße dicht. Ich stand ohne Wasser mittendrin. SUUUUUPER. Schon wieder hätte ich schreien können. Seht ihr nicht, dass hier jemand heute großes vor hat? Nämlich unter 2 Stunden zu laufen? Und das bin ich, ICH!!! Menno.. Frustriert riss ich mein Gel auf, schnappte mir noch einen Becher Wasser und kämpfte mich walkend durch die Massen. Für Kilometer 11 brauchte ich daher deutlich mehr als 6 min. Also nichts mit unter 2 Stunden. Aber vielleicht knapp drüber? Ich rannte weiter. Plötzlich war ich wieder gut gelaunt. Komm Katrin, persönliche Bestzeit, wenigstens bei den Bedingungen unter 2:05:00 bleiben. Mittlerweile sprach ich schon mit mir selbst. Das konnte ja heiter werden. Langsam begannen sich auch meine Muskeln im linken Oberschenkel bemerkbar zu machen. Nie wieder Extrem-Sightseeing vorher. Ich schwöre es!!!! Ignorieren des Muskelzwickens half. Irgendwann war es fast weg. Bei Kilometer 15 sah ich die erste Läuferin kaltschweißig am Straßenrand sitzen. Hilfe war zum Glück schon da. Ab da begann das langsame Verhungern vieler Läufer vor mir. Seltsamerweise standen oder walkten die dann immer genau auf der Ideallinie, also auf meiner Linie und waren somit immer im Weg. Bei Kilometer 18 dann das Schild: „Die Halbe Strecke ist auch genug“. Hm… wann lauf ich denn eigentlich einen Marathon? Sicher nicht dieses Jahr ging mir durch den Kopf. Schon bekloppt welche Gedanken da so rumschwirren. Km 18 war dann komischerweise (wegen des Denkens?) mit knapp unter 5 min/km auch der schnellste Kilometer der gesamten Strecke. Danach war schon wieder viel zu viel Verkehr. Ok, DAS Tempo hätte ich glaube ich auch nicht bis zum Schluss halten können.
Kurz nach Kilometer 20 wollte ich das Tempo steigern und zum Endspurt ansetzen. Gleichzeitig raste von hinten der Rettungsdienst heran, alle Läufer auf der Strecke spritzten in die unterschiedlichsten Richtungen davon, viele bremsten ab um den Weg frei zu machen. Der Rettungsdienst fuhr vorbei und hielt ein paar Meter weiter vorne.
Dann das erste Mal heute, dass mich die Masse vorwärts schob. Ich versuchte noch mal Gas zu geben, aber es waren so viele Läufer dicht an dicht vor und hinter mir und ich plötzlich fix und fertig, dass die Temposteigerung nur sehr kläglich ausfiel. Ab über die Ziellinie, ich konnte nur noch den rechten Arm zum Jubeln nach oben heben. Der linke Arm wollte nicht mehr. Und dann war es vorbei. Schnell die Uhr gedrückt. Die Beine zitterten plötzlich. Blick auf die Uhr. Erster Gedanke: Sch….ön war’s, so knapp vorbei;-) Der zweite Gedanke: mir geht es gut, 02:00:19 ist ne super Zeit. Fast 14 Minuten schneller als im Oktober. Hihi. Und jetzt weiß ich, dass ich diese Distanz wirklich mag! Das Grinsen bleibt wohl erstmal.
Schnell weiter was trinken, mich umziehen, auslaufen (ja, ich hab es getan, ganze 3,9 km!) die anderen Supertalente wieder treffen, was essen. Danach ab ins Hotel, in den Pool (das Nachglühen verhindern ist mir nicht gelungen) und dann einfach nichts mehr machen. Heute, einen Tag nach dem Lauf glühe ich noch immer (echt wahr.., mir ist richtig warm) und freue mich irgendwie über mich selbst. Seltsamerweise habe ich keinen Muskelkater. Morgen gehe ich laufen :-)
Mein Fazit:
Achilles-Community-Läufer vereinigt euch! Es lohnt sich die anderen Läufer zu treffen. Das ist wirklich schön. Nutzt diese Plattform! es bietet sich an.
Zur Strecke: Die Strecke an sich ist toll. Man sieht wirklich viele schöne Gebäude und Stadtteile. Das Publikum ist Spitze, es gab keine Streckenteile ohne Zuschauer und überall war richtig was geboten. Allerdings sind so viele Läufer auf der Strecke kontraproduktiv für schnelle Zeiten (zumindest wenn man wie ich so weit hinten starten muss) und an manchen Stellen ist die Strecke tatsächlich zu eng für diese Massen. Dann wäre es besser die Startblöcke in gewissen Abständen auf die Strecke zu schicken. Das würde zumindest auch den hinteren Läufer ermöglichen schneller zu sein.
Dieses ewige Haken schlagen und die harten Tempowechsel haben zu viel Kraft gekostet um am Schluss die verlorene Zeit noch aufholen zu können. Ist in meinem Fall nicht weiter tragisch, ich denke aber, dass überschaubarere Läufe für mein eigenes Tempo wohl geeigneter sind. Wobei ich das Publikum in Berlin nicht missen möchte.













