Erstellt von: Noctum
in Blogs am 19. April 2011
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Seit nem halbe Jahr hab ich nicht mehr viel gemacht. Seit diesem Marathon da in Köln. Zwischenzeitlich verletzt und auf längere Sicht äußerst unmotiviert habe ich mir den Mainz Marathon als Ziel genommen. Ich bin jetzt in Woche 3 vom 5-Wochen-Comeback-Plan und was soll ich sagen, es läuft solala.
2 längere Läufe (28km und 30km) hab ich gerade so hinter mich gebracht. Diese Woche will ich 80km laufen mit nem 35er am Samstag. Wem mach ich was vor ...diese Zahl macht mir Angst. Der Kilometer 35. Das ist immer die Marke bei der eine innere Stimme zu mir sagt "Komm Torsten...du bist müde, geh doch ein Stück". Und ich will sagen..."Hals Maul innere Stimmen!" kurz bevor ich mich entschließe der Forderung folge zu leisten. Vielleicht sollte ich meine Ziele auch nicht so hoch stecken. Marathon laufen ist ne gute Sache. Die Atmosphäre, das gemeinsame erreichen eines Ziels und wenn ich gehn muss, muss ich eben gehen. Aber verdammt noch eins ich will endlich unter 4 Stunden. Noch 18 Tage 16 Stunden und 26 Minuten bis zum Mainz Marathon. Startnummer 3024. Ich bin der kleine Dicke ganz in grün (Grünes Strümpf, Grünes Leibchen). Marathon Nummer 8 - es wäre doch gelacht. Das ist mein Motto. Wenn einer von euch mich zwischen km35 und 42 gehen sieht beschimpft mich doch bitte. Auf lange Sicht bin ich euch auch sicher dankbar.
Erstellt von: Noctum
in Blogs am 04. Oktober 2010
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Startbereich Köln 11.30 Uhr. Wir werden animiert. Die Stimmung ist super, die Temperaturen durchaus in Ordnung. Ich laufe ja auch eigentlich lieber wenn es warm ist. Mein Startblock (Gelb) ist der 3. der angeschossen wird. Links neben uns der Animateur und daneben Sabrina Mockenhaupt. Der Schuss ertönt, ich schreie Geistesgegenwärtig "Mockiiiiiiiiii", klatsche kurz mit ihr ab und laufe los während ich denke "Träume werden wahr" :-) Heute soll es endlich klappen mit der Sub 4h. Die ersten 10 km merke ich gar nicht. Das Tempo ist OK, die Menge an der Strecke hat Spass, die Bands haben Spass und ich hab sowieso Spass. Die erste Hälfte laufe ich locker in 1:56:30 aber irgend etwas stimmt nicht. Ich hab kein gutes Gefühl. Ich laufe weiter und merke auf einmal wie meine Schritte schwerer werden, versuche aber das Tempo zu halten. Verdammter Mist, das kann doch nicht so schwer sein. Bei km 29 zwickt die Wade, wenig später der Oberschenkel. Ich laufe wie auf Stelzen, verfluche mich und mein Unvermögen, verfluche dieses blöde Laufen. Warum mach ich das noch gleich? Achso, stimmt ja..Spass und so. Es nutzt alles nix. Ich halte an und dehne mich, laufe weiter, dehne wieder. So Intervall-mäßig halt. Es ist km 33 und ich bin fertig mit der Welt und ich glaube das sieht man mir auch an. Ich trabe mehr oder weniger durch ein Spalier von Menschen. Eine Frau strekt die Hand aus zum abklatschen, ich klatsche ab und merke wie sie kurz meine Hand hält und sie drückt. Ein wildfremder Mensch, der mir grad das Einzige auf der Welt gibt um meine Selbstzweifel im Nichts aufzulösen - Zuversicht. Das kann sich wahrscheinlich grad keiner vorstellen, aber ich bin unheimlich gerührt, hab nen mächtig dicken Klos im Hals. Noch 9 km und ich muss immer wieder anhalten um zu dehnen. Jedes Mal wenn ich los laufe rufen mir mindestens 5 Zuschauer zu "Komm Torsten, das geht noch" und "Torsten, nicht aufgeben" . Ihr seid so gut zu mir Köln. Womit hab ich das verdient? Ich mag keinen Karneval und war noch nie im Müngersdorfer Stadion. Ihr allein Köln, ihr seid der Grund warum ich mich quälen kann. Ich bin dankbar. Es tut mir alles weh, aber ich bin unsagbar dankbar das hier alles erleben zu dürfen. Scheiß auf die Zeit, ihr seid ja wohl der absolute Hammer. - Km 39 - ein Junge von einer Kölner Schüler-Staffel läuft ein Stück mit mir, fragt mich nach meinem Befinden und wie es mir in Köln gefällt. Ich versichere ihm, das Köln das beste Publikum ist bei dem ich je gelaufen bin. Wenig später muss ich noch einmal kurz anhalten um zu dehnen. Der Junge will warten, aber ich sage ihm das er ruhig weiter laufen kann. Das dauert noch etwas bei mir muss ich mit einem Lächeln gestehen. Ich wünsche ihm für seine letzten 2 km alles Gute. Die letzten Kilometer und ich weiß nicht mal, ob das was ich mir abhalte noch als Laufen durchgeht. Wahrscheinlich nicht. Ich bin im Ziel, voller Schmerzen und ohne Endorphine, einfach nur froh das es endlich vorbei ist. Und froh über euch Kölner. Heute hat mich Köln adoptiert. Morgen kauf ich mir ne Dauerkarte für den FC und ein Prinz Poldi Trikot. DANKE KÖLN - ICH LIEBE EUCH !!!!! (Zeit 4:30:36 i do not care ^^)
Erstellt von: Noctum
in Blogs am 20. September 2010
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Nach meinem Marathon Desaster von vor 2 Wochen wollte ich es heute besser machen. Unter dem Decknamen „Gourmet Marathon“ fand nach einem Jahr Pause wieder mal ein Marathon in Saarbrücken statt, wobei sich die Organisatoren mit der Streckenführung echt Mühe gegeben haben. Die Laufveranstaltungen in Saarbrücken (auch 10km Läufe) führen fast immer ausschließlich an der Saar entlang, doch diesmal ging es durch die Stadt am Rathaus vorbei, Landtag und über den St. Johanner Markt. Es ist nur leider nicht möglich in dieser Stadt einen großen Rundkurs zu setzen und so wurden es für die Marathonis 4 Runden und für alle anderen entsprechend die Hälfte.
Entgegen sämtlicher kluger Ratschläge will ich heute meine Bestzeit angreifen. Ich zahle schließlich nicht 22 Euro um auf Zeit zu spielen. Nach einem netten Plausch mit den üblichen Verdächtigen der saarländischen Hobby-Läufer-Szene geht es los. Ich starte mit den 3:30 Pacern. Das Tempo ist angenehm und ich fühle mich gut. Die Samba Truppe heizt den Läufern mächtig ein und auch wenn nur wenige Zuschauer an der Strecke sind macht mir das Laufen heute wieder besonders viel Spass. Saarbrücken ist keine Läufer Stadt und das ist schade. Wir laufen durch die lang gezogene Bahnhofsstrasse und da steht kein Mensch und die einzigen Zuschauer auf der Gerade am St. Johanner Markt sind nur da, weil sie gerade in einem Cafe sitzen. So ne tolle Streckenführung und so wenig Leute die sich für das interessieren was wir hier machen. Es ist eine kleine Schande, aber wir müssen damit leben und laufen. An den Verpflegungs-Stellen gibt es Bananen – Kuchen und Ingwer – Drinks. Ich beschränke mich auf Wasser. Ab KM 12 laufe ich ein Stück mit meiner Vereinskollegin Heidi, die mich bei KM 17 wieder verlässt. Typisch Frau denke ich und meine Beine rollen nicht mehr so flüssig wie auf der ersten Runde an dieser Stelle. Die letzten 2 KM scheinen nie enden zu wollen. Die 3:30 Pacer laufen mir langsam weg, doch ein Blick auf meine Uhr stimmt mich zuversichtlich. Ich finishe mit 1:44:07 und somit das erste mal unter 1:45. Ich bin stolz auf mich und nehme freudestrahlend viele Glückwünsche entgegen. Anscheinend zahlen sich die vielen Trainings - Kilometer doch langsam aus. Ich muss Alex versprechen, dass ich bis zum Köln Marathon keine schnelle Trainings-Einheit mehr mache und lasse mir sagen, dass das mit den SUB 4h auf jeden Fall klappt. Tja, setzt mich auch GARNICHT unter Druck. Ich sollte durch diesen Lauf Selbstbewusst sein, aber Tatsache ist, ich habe richtig Angst vorm Köln Marathon.

Erstellt von: Noctum
in Blogs am 06. September 2010
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Einen Tag nach dem Marathon sitze ich hier mit durchaus gemischten Gefühlen, grübelnd über einen Lauf der so nicht geplant war. Geplant war, den Marathon an der Saarschleife in Merzig als langen Lauf zu nutzen, eine Zeit um die 4:30, damit ich in Köln die 4 Stunden knacken kann. Ich laufe los mit Bianca und Gilli und schon nach den ersten Kilometern hat sich unser Vorhaben relativiert, oder aber Gilli wusste einfach von der Absprache nichts. Die ersten Kilometer zwischen 5:30 und 5:40. Die ersten 11 Kilometer in einer Stunde, die erste Hälfte knapp unter 2 Stunden. Ich fühle mich gut, nach der Wende laufen wir auf das Halbmarathon - Feld auf, welches beim Wendepunkt Eindreiviertel Stunden nach uns gestartet ist. Das puscht ungemein, sie lassen uns vorbei, feuern uns an und ich fühle mich großartig. Ich bin zwar kein schneller Marathon – Läufer, aber immerhin Marathon – Läufer. Bei KM 28 laufe ich wie auf Wolken. 14 Kilometer ist ja quasi ne Sprint-Distanz, im Training laufe ich sonst immer 15Km als Tempo-Dauerlauf. Das kann also gar kein so großes Problem sein. Ich höre Gilli von hinten, der zu Bianca sagt.....jetzt will er’s aber wissen. Ja, ich will es wissen, will dem Hammermann entkommen, wer schneller läuft ist früher im Ziel. Die ganze Woche schon lese ich im Buch „Born to run“ von Läufern die 160km am Stück laufen im Wald auf welliger, profilierter Strecke im unter 6er Schnitt. Da werde ich ja wohl ..... WERDE ICH NICHT !!!
Es ist Kilometer 37 und mein Übermut schlägt um in Frustration. Meine Beine verkrampfen und ich muss gehen. Ich trabe und gehe abwechselt Intervall-mäßig vor mich hin. Mein 6. Marathon und ich hab immer noch nix dazu gelernt. Ich schäme mich…bin wütend auf mich. Beschimpfe mich. Sage zu meinen Mitstreitern sie sollen allein weiter laufen. Bianca bleibt bei mir ..du wirst mich nur los wenn du läufst, sagt sie. Es geht GARNIX mehr. Einen Kilometer vorm Ziel sticht mir ein Unbekannter 2 Messer in den hinteren Bereich meiner beiden Oberschenkel. Ich sacke zu Boden. Versuche wieder aufzustehen …gehe einen Schritt, falle wieder hin. Ein einziges Trauerspiel. Claudia kommt an uns vorbei, gibt mir ISO…ich richte mich auf und trinke einen Schluck, dehne mich kurz. Aus langsamen Gehen wird wieder langsames Laufen, sehr langsames laufen. Den letzten Kilometer hätte ich mir vor ner Stunde noch anders vorgestellt. Wir kommen ins Ziel mit 4 Stunden 11 Minuten 58 Sekunden. Meine alte Marathon Zeit um gut 15 Minuten verbessert und ich fühle mich wie der letzte Versager. Ich werde beglückwünscht…hey, ist doch ne gute Zeit und hey, das ist schon ganz anderen passiert kurz vorm Ziel. Andere interessieren mich grad nicht.
Erstellt von: Noctum
in Blogs am 10. August 2010
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Hier bin ich also in Monschau in der Eifel. Nahe der Grenze zu Belgien. Hier gibt es eine schöne Altstadt und viele Touristen. Es kommt mir fast so vor als seien hier mehr Touristen als Einheimische in den Strassen unterwegs. Schon einen Tag früher angereist gehts zur Pasta Party nach Konzen (Ortsteil von Monschau), etwa 6km vom dem Gästehaus "Luise" entfernt in dem ich untergebracht bin. Hier ist auch der Start am nächsten Tag. Sascha und Biggi kommen mir entgegen und ich freue mich über Spaghetti und Salat für 4 Euro. Nachdem ich Startnummer und Finisher Shirt abgeholt habe gehts dann auch wieder zurück ins Schlaf-Quartier :) Ich verbringe eine unruhige Nacht. Der Regen plätschert auf das große Fenster über meinem Bett und um halb 5 ist die Nacht für mich vorbei. Ich döse noch etwas und lege meine Sachen zurecht ehe ich um halb 6 runter gehe zum Frühstück. Dort sitzt schon ein Läufer aus Köln der ebenfalls den Marathon angehn wird. In der Zwischenzeit hat sich der Regen etwas gelegt und nach 2 Broten mit Marmelade und Honig und 2 Tassen Kaffee breche ich auch langsam auf nach Konzen. Der Marathonstart ist schon um 8.00Uhr. Ich geselle mich zu den 4:15 Pacemakern und dann ertönt der Startschuss. Ich ziehe meine Köpfhörer an und freue mich hier zu sein. Mein erster Marathon mit Musik ... eine richtige Entscheidung. Die ersten 12KM geht es Berg hoch und runter durch die Wälder der Eifel. Der Lauf steht nicht umsonst unter dem Motto "run the nature". Dann kommt ein 2km Anstieg bis km14 der so Steil ist das es fast alle Beteiligten vorziehen zu gehen um nicht schon hier wichtige Körner zu verpulvern. Zur Belohnung kommt bei km14 die 3. Verpflegungs-Station. Danach gehts etwas bergab was meine Beine sehr begrüßen. ab KM21 kommen fast alle 2-3 Kilometer Verpflegungs-Stellen mit Schwämmen, Wasser, Cola, Iso und Bannanen. Viele davon von Privatleuten. Ich nehme fast jede davon mit, bin dankbar weil die Stimmung Spitze ist, nehme jedes Mal die Ohrstöpsel raus um mich zu bedanken. Die letzten 12Km sind schwer..immer wieder geht es die Berge hoch und runter. Meine Oberschenkel brennen..meine Füße tun weh, aber ich kämpfe. 3 Kilometer vor dem Ziel bleiben mit noch 20 Minuten für die SUB 4:30. Ich gebe Gas..überhole noch ein paar Läufer ehe bei KM41 der letzte 200Meter Anstieg kommt. Über klitschige Steine "klettere" ich hoch. Oben angekommen sehe ich die Konzener Kirche und zum Ziel ist es nur noch 1KM. Ich mache die Musik aus....mache kurz die Augen zu..laufe um die Kehre und werde von ganz vielen Menschen empfangen. Es tut nichts weh in diesem Moment. Ich freue mich und genieße das. Ich habe gekämpft. Der erste Marathon bei dem ich wirklich sagen kann das ich alles gegeben habe. 760HM und über 20 Minuten schneller als ich in Berlin letztes Jahr war. Ich habe viel gelernt über positives Denken....Moral und Einstellung. Das sind alles wichtige Aspekte beim Marathon laufen, gerade in Phasen des Rennens, in denen es nicht so "läuft". Danke Monschau. Bis nächstes Jahr :-)