Erstellt von: lurch
in Blogs am 22. April 2012
Tagged in: Untagged
Leser des Lurchs wissen es: ich hab eine Schwäche für
Randgruppen und isoliert lebende Völker. Das habe ich schließlich nicht nur
beim Schwimmen in der Saar bewiesen als es galt Frodeno in die‚ Schranken zu
weisen, sondern auch als ich mich den Laktatreizen der fränkischen Natur und
den Attacken der dort Eingeborenen bereitwillig und freiwillig aussetzte.
Nun also ein Halbmarathon im Bergischen Land. Natürlich, wie konnte es anders sein,
handelte es sich nicht um irgendeinen Halbmarathon sondern um DEN Halbmarathon,
das Zuckerspiel. Schon an der
eigenwilligen Kreativität der Namensgebung merkt des Außenstehende hier ist
nicht nur der Mensch anders, auch der Humor hat ob der zwischen den Berghängen
exponierten Lage gelitten.
Dass die Typen hier irgendwie schräg drauf sind hatte ich ja schon beim letztjährigen
Rothaarsteig-Marathon gemerkt. Wer nach einem Marathon mit838 Höhenmeter
freudestrahlend und völlig euphorisiert ins Ziel tippelt und bei einer 3:33 von
einem „lockeren Lauf“ spricht ist mit Vorsicht zu genießen. Nun folgte ich der
Einladung von actea 28 und begab mich mit meinem Laufkumpel Michael in die
wilde und ungezähmte Region im Süden des
Ruhrgebietes. Micha hatte ich die Teilnahme an dem Lauf „al incl.“ (T-Shirt,
Nudelparty etc.) zum Geburtstag geschenkt. Wie sehr das unsere Freundschaft
belasten würde war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, EHRLICH !
Erstellt von: lurch
in Blogs am 05. April 2012
Shit, wie konnte das denn passieren ?!?
„Wir freuen uns dir mitteilen zu können, dass für dich ein Startplatz
frei geworden ist! Bitte überweise bla bla bla“ Was für ein Desaster! Da mache
ich ganz relaxed meine Mails auf und dann DAS! Der Tag ist gelaufen, soviel
steht fest. Da hatte ich mich schon auf faule entspannte Ostertage eingestellt
und jetzt? Nach der Mitteilung „ leider nix mehr frei, Warteliste Platz xy“ am
Anmeldetag hatte ich mich voll auf den Aasee-Triathlon in Bocholt ausgerichtet.
Auch mit dem Training, bzw. dem süßen Nichtstun bis zum eigentlich letztendlich
ultimativ notwendigen Start des
intensiven Trainings. Bis dahin wollte ich an meinem Laufstil feilen, meine Athletik
verbessern und den einen oder anderen Spaßlauf absolvieren. Erstens kommt es anders
und… . Wer im Himmel hat da Abgesagt? Das wird DAS Rennen, alle, wirklich alle
Ikonen des Triathlonsports haben gemeldet. Kienle, Raelert, Paetzold, Böcherer,
alle da. Vom Duell der Giganten ist die Rede und ich dümpel mittendrin als Treibgut im Becken rum? Oh man
da hilft nur eins: intensivstes Intensivtraining!!! Schließlich sind es noch
vier Wochen. Gulp.
Flux wird der Ausflug
ins Spaßbad mit der Familie zur Standortbestimmung was die Schwimmleistung
anbelangt umfunktioniert. Gut ich bleib oben, schneller bin ich nicht geworden.
Wie auch wenn ich nur 1x wöchentlich plantschen geh‘. Wo ist nur die Performance nach dem Lanzaroteurlaub hin? Mir
fehlen wohl die Barracudas im Wasser. Leider fehlt mir nach dem Test auch jegliche
Ambition noch die tollen Rutschen auszuprobieren, lediglich das warme Solebecken
empfinde ich als lohnendes Ziel, hier kann mein geschundener Körper vor sich hin
treiben und mit der Regeneration beginnen was auch bitter nötig ist.
Erstellt von: lurch
in Blogs am 19. November 2011
Tagged in: Untagged
Es waren 42,195km pure Emotion und ein wunderschöner
Tag. Das begann mit den leeren Startblöcken um 08:30Uhr. Diese Ruhe und nicht
mal ne Std später ist hier kein Zentimeter Asphalt mehr zu sehen. Dann taucht
auf einmal ne „Katze“ aus dem Nichts auf, mit der ich mich aus der Achilles
Gemeinde verabredet hatte. Ploff! Da isse. Nett, wir verbringen die Wartezeit
plaudernd und ruck zuck geht’s zum Count Down. Eine Viertelstunde nach dem
Startschuss setzen auch wir uns in Bewegung. Let’s get ready to rumble!
Genau so wie sie aufgetaucht ist, verschwindet die „Katze“
nach dem Überqueren der Startlinie vor mir im Getümmel. „War schön dich kennen
gelernt zu haben!“ will ich noch hinterher rufen, aber sie ist schon weg. Wie
vom Erdboden verschluckt. Ich spar mir die Körner.
Ich versuche mich auf das Rennen zu konzentrieren. Das
fällt mir echt schwer, so viele Starter, so viele Zuschauer, so viel Rambazamba
entlang der Strecke, einfach irre. Wenn die Salsa-steeldrum-combos doch nur vom
kenianischen auf den deutschen Takt runter schalten könnten. Mein Herz rast,
nur die Beine haben sich für nen anderen Takt entschieden. Wieder merke ich wie
groß mein Respekt vor den vor mir liegenden Kilometern ist. Ich kann dem Drang,
mit den anderen los zu spurten gut widerstehen. „Finde deinen Takt“ hat mir ein
guter Freund geraten, „darum geht’s.“ Nun irgendwo bei km 7 hab ich ihn dann.
Er ist etwas langsamer als mein geplanter Schnitt aber das ist mir da schon
echt egal. Immer wenn ich auf den geliehenen elektronischen „Vornewegläufer“
schaue zeigt er mir den gleichen Schnitt an. Der wird sich doch wohl nicht
irren?! Nein er irrt nicht. Ich laufe die Strecke absolut gleichmäßig. Die
Herzfrequenz pegelt sich auch im angestrebten Bereich ein und so steigt die
Zuversicht in mir mit jedem gelaufenen Kilometer.
Erstellt von: lurch
in Blogs am 12. November 2011
Tagged in: Untagged
Ok, wie soll ich es sagen: der Anfang und das Ende meiner
Marathonpremiere beim 30. Frankfurt Marathon gingen meiner Meinung nach so was
von gar nicht, aber der Lauf an sich war einfach superkalifragilistischexpialigorisch.
Erklärung: Das Abholen der Startunterlagen am Samstag
wurde zur Qual. In einer viel zu kleinen Messehalle quetschten sich gefühlt
alle 15.000 Starter auf einmal. Schlechte Luft, Drängelei, einfach ätzend.
Verschärft wurde die Situation durch eine –wie ich finde- hirnrissige
Organisation. Die Startunterlagen gab es mit dem tollen Rucksack an mehreren
Ausgabestellen, was auch sehr schnell ging. Für die T-Shirts und die
Zeitenbänder musste man jedoch beim Asics-Stand an 2 verschiedenen Punkten
anstehen. Das dauerte für die T-Shirts bei mir schon 20 Minuten -auf das Band
habe ich dann gleich dankend verzichtet. Als ich eine Std später die Messe ob
der Kopfschmerzen wegen der schlechten Luft verließ, standen die Leute im Knäul
am Stand und mussten nach eigenen Angaben jeweils weit über 45 Min anstehen! NO
WAY!
Der Lauf ist ja für die meisten irgendwie mit Erreichen
der Ziellinie vorbei. Für mich ist so eine Veranstaltung vorbei, wenn ich gehe.
Was sich jedoch zwischen der Ziellinie und dem „Ende“ der Veranstaltung
abspielt, schreit genauso nach Verbesserung wie der Anfang. Also, meiner Meinung
nach sind breite Treppen keine 20m nach der Ziellinie ein Anschlag auf meine
Gesundheit! Warum? Nun, völlig ausgepumpt erreichte ich das Ziel. Yeah!
Finisher! Jubel! Alle freuen sich, nur meine Kreislauft sagte, er macht jetzt
ne Laufpause. Langsam fuhr er runter und so wie mir, ging es vielen. Dramatisch
war es für Mocki, aber direkt hinter der ersehnten Linie sind ja auch
ordentlich viele fähige Sanis (LOB!) - doch danach? Dann, wenn‘s halt kritisch
wird kommen Stufen. Danach seh‘ ich auch keine Rotröcke mehr. Weiter ging‘s,
besser gesagt eben nicht. Gerade noch die Medaille um den Hals genagelt
bekommen geht es ab in den Stau. In dem Tempo, in dem die Teilnehmer vorne rein
trudeln geht’s hinten eben nicht raus. Der Bereich hinter der Halle ist viel zu
klein bemessen, liebe Veranstalter! Oder wollt ihr so sicherstellen, dass die
Kreislaufschwachen wie ich nicht umfallen? Ich möchte aber nach so einem Lauf
nicht die reichlich vorhandenen Schweißpartikel meiner Mitmenschen direkt in
den Riechkolben injiziert bekommen! Sauerstoff zum Atmen wurde so echt
Mangelware. Wie sich herausstellte nicht das Einzige, woran es fehlte.
Erstellt von: lurch
in Blogs am 13. Oktober 2011
Tagged in: Untagged
Die Dötze rennen sich auf dem Platz die Lunge platt und die
Mütter sitzen am Rand töttern und warten auf das Ende vom Training während die
Väter noch diskutieren, ob das Passspiel dass der Trainer da mit den Sprößlingen
übt auch wirklich die probate Taktik für das anstehende Spiel ist. Mittenrein
tapse ich im Lurchmodus auf die Aschebahn und laufe gemächlich in den frühen
Abendstunden 3 Runden zum warm werden. Ich merke wie mich von den Tribünen die
Blicke verfolgen. „Was will der hier? Was macht der? Wer ist das?“ In der Kurve
neben der Sprunganlage ziehe ich mit der Hacke einen Strich auf die Bahn: MEIN
Start, MEIN Ziel! Noch ein kurzer Schluck Wasser aus der Pulle die ich am Rand
geparkt habe und dann wird die Uhr gestartet. 5 Runden wetze ich was das Zeug
hält, doch immer schön mit der Herzfrequenz unter der anaeroben Schwelle.
Wieder verfolgen mich die Augenpaare der zukünftigen Fußballprofieltern. „ ach,
der kann auch schneller“ aber immer spielt auch ein „warum macht der das
eigentlich?“ mit. Tja, gute Frage. Weil mein Klemmbrett gesagt hat ich soll‘s
machen ist die einfachste und auch richtige Antwort. Intervalle hätte ich
bestimmt nicht erfunden. Es stehen 8x 2000m und im Anschluss noch 4x 400m max.
Sprints mit Standpausen auf dem Plan.
Ich starte also in meine erste Fünfrundenreise um den
Rasenplatz. Viel zu schnell wie mir mein Herz bald rasend via finnischen
Armbandcomputer anzeigt. Ich drossele etwas das Tempo. Als ich nach fünf Runden
meine Ziellinie überquere zeigt mir die Uhr eine 9:51 an. Das ist definitiv zu
schnell für den Lurch. So packe ich die anderen 7 nicht. Eine gleichmäßig hohe
Pace die ich 8x bringen kann ist gefragt. Langsam gehe ich umher damit sich
meine HF wieder fängt. Noch während die Mamis und Papis rätseln ob das jetzt
alles war starte ich in mein 2. Intervall. Ich versuche die Pace etwas
niedriger anzusetzen um die angepeilte HF von 170 zu treffen. Leicht drunter
geht, drüber ist einfach übel weil‘s zu anstrengend wird.
5 Runden sind lang, seeeehr lang. Für mich deutlich zu viel
Zeit zum Nachdenken. Die Landschaft dreht sich im Kreis und um dem Spiel in der
Mitte zu folgen fehlt mir das Interesse. 10:20, schon besser. Die HF war immer
noch en büschen hoch, aber mit der Ermüdung in den noch kommenden Runden wird
sich das regeln. Puls runter, und los zum 3. Ringelpitz. Ich laufe los und
irgendwann passiert es: „bin ich in der
3. oder in der 4. Runde?“ Ha grrrrrr!!! Es ist wie beim Schwimmen, ich kann
einfach nicht zählen beim Sport. 06:irgendwas zeigt die Uhr und mühsam
erarbeite ich mir, dass es die 3. Runde ist. Schön der Ärger über mein Defizit
reicht aus um mir ein paar Extraschläge auf die Anzeige zu nageln. „Man reiß
dich zusammen Lurch!“ Ich verbringe die folgenden 1 1/2 Runden mit Ärgern und
Selbstgesprächen die ich hier besser nicht wieder gebe. 10:48, das passt, so
kann’s weiter gehen, wenn tja wenn
ich die Runden richtig abzähle? Menno! Ich will doch NUR Laufen, nicht Denken!
Da schickt mir Mutter Natur ein Zeichen: unter meinen Schuhen knirscht es. Ich
zermalme gerade eine der zahllosen Bucheckern. Flux sammle ich fünf davon ein
und parke sie in meiner linken Hand. Auf zum 4. Kreisspiel. Nach jeder Runde
kann ich genüsslich eines dieser borstigen Dinger fallen lassen. Man (Mann)
muss sich halt nur zu helfen wissen. Nachdem ich in 10:41 die 5 Runden durchs
Oval beendet habe sammele ich die Baumfrüchte wieder ein. Hmm bald wird’s
dunkel da siehst du die Teile nicht mehr. Abhilfe ist einfach gefunden, ich
wechsel einfach Runde für Runde die Frucht von der linken in die rechte Hand.
So einfach kann es sein. Los Lurch, endlich einfach
Laufen! Erleichtert starte ich in das nächste Intervall. Was macht der Kopf
wenn er eine Aufgabe los ist? Richtig, er sucht sich ne neue Beschäftigung.