Der Weg zum Marathon

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Noch vor ein paar Jahren hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich irgendwann einmal einen Marathon laufen würde. O.k., ich war nie ganz unsportlich aber ein besonderes Talent für das Langstreckenlaufen hatte wirklich niemand bei mir feststellen können, ich am allerwenigsten. Zu Schulzeiten waren die 1.000-Meter-Läufe mein größter Horror. Meistens habe ich mich gleich ganz davor gedrückt und eine Verletzung vorgetäuscht. Die vom Kicken auf dem Hartplatz ständig aufgeschürften Knie waren offensichtliche Indizien größter Schmerzen und deshalb ausgesprochen hilfreich.
Woher also der Wandel? Die Midlife Crisis schon mit Anfang Dreißig? Sicher spielte das Alter dabei auch eine Rolle. Wenn’s mit dem Fußball irgendwann nicht mehr so richtig klappen will und man mehr Zeit beim Physiotherapeuten als im Training verbringt, wird es Zeit, sich etwas Neues zu suchen, wenn man nicht total einrosten und nur noch in die Horizontale wachsen will. Und was liegt da näher als Laufen? Einfach Schuhe anziehen und ab in den Wald. Das kann jeder, dachte ich jedenfalls, und lief dann mal los. Was zunächst anstrengend war, wurde ziemlich schnell zur Normalität; schließlich rannte ich dreimal in der Woche zwölf Kilometer und fühlte mich sogar noch wohl dabei. Vom Marathon war ich aber immer noch eine ganze Ecke entfernt.
Im Juni 2008 besuchte ich dann zum ersten Mal eine große Laufveranstaltung, den Nachtmarathon in Luxemburg, und war von der Leistung der Läuferinnen und Läufer fasziniert, die an mir vorbei keuchten, während ich mir bei sommerlichen Temperaturen meine Pizza schmecken ließ. Ich fragte mich, ob ich das wohl auch schaffen könnte. Da mir die über 42 Kilometer dann doch unvorstellbar weit erschienen, habe ich mich zum Ausprobieren erst einmal für einen Halbmarathon angemeldet; den in Saarbrücken. Dort kannte ich alle Abkürzungen – man konnte ja nie wissen. Schnell noch Literatur von Laufpapst Herbert Steffny besorgt und angefangen, ernsthaft zu trainieren. Zugegeben, es hat nicht immer Spaß gemacht, bei Wind und Wetter einen Trainingsplan abzuarbeiten, den jemand geschrieben hat, der für die alltäglichen Bedürfnisse und Gebrechen eines Nicht-Ostafrikaners ganz offensichtlich keinerlei Verständnis aufbringen konnte. Aber auch diese Leidenszeit ging vorbei, ich bin schließlich in Saarbrücken an den Start gegangen und ins Ziel gelaufen. Ohne eine Abkürzung zu nehmen! Die doch nicht ganz so freundlichen Leute vom THW hatten mich nur ausgelacht auf meine Frage hin, ob sie mich mit ihrem Boot netterweise auf die andere Saarseite schippern würden.
Noch berauscht von diesem Erfolgserlebnis musste gleich die nächste Herausforderung her – die volle Distanz! In St. Wendel sollte es so weit sein. Nicht weit zu fahren, auch dort kannte ich Abkürzungen, kurzum ideal. Also nochmal 'nen Trainingsplan besorgt, mehr traininert, noch mehr auf Hérbert Steffny geflucht - und dann doch nicht gelaufen...Bronchitis! Zwei Tage vor dem Start. Mist! Aber wer läuft eigentlich Marathon auf dem Dorf? Ein großer Stadtmarathon ist doch das einzig Wahre...gleich den Championchip bestellt und angemeldet...
Tja, und da stand ich dann am 20.09.2009, in Berlin, mitten auf der Straße des 17. Juni, zwischen 40.000 Menschen, wartete auf den Startschuss und hatte überhaupt keine Ahnung, auf was ich mich da wirklich eingelassen hatte…

Kommentare (3)Add Comment
catcat
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geschrieben von catcat, February 08, 2012
:-) kein Stress, ich kann warten... bin gespannt.
kiwi
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geschrieben von kiwi, February 08, 2012
:-) Danke! Ja, es wird 'ne Fortsetzung geben. Ich muss sehen, wann ich zum Schreiben komme...

Kleine Veranstaltungen haben sicher ihren Reiz, allerdings nur bis Halbmarathon. Marathon laufe ich nur größere Veranstaltungen; erstens schaue ich mir gerne die Städte an und zweitens fällt das Laufen leichter, wenn ein paar Zuschauer an der Strecke stehen...
catcat
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geschrieben von catcat, February 08, 2012
Liest sich gut. Ich bitte um Fortsetzung:-)
Übrigens finde ich die kleinen Veranstaltungen (egal welche Distanz)schon noch mal persönlicher/familiärer.
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