in flagranti

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mash

von -m*sh-

27.04.2009

Am Montag fehlte mir trotz des schönen Wetters jede Motivation zum Laufen – dachte ich. Aber mein Schweinehund und ich wir kennen uns ja nun schon lange genug, um nicht auf die üblichen Tricks des jeweils anderen hereinzufallen.

Verbissen startete ich zu einer 12km-Einheit, die lt. Trainingsplan in 62 Minuten zu absolvieren waren. Nach der Hälfte der Strecke wurde mir schwindlig.

Hatte ich ein zu scharfes Tempo vorgelegt? Hatte ich mich übernommen? Am Vortag waren es gemütliche 20km. Es wäre eher zu erwarten gewesen, dass meine Glykogenspeicher in den Beinen leer wurden und dort das vertraute Ziehen einsetzt.

Doch es war keines dieser üblichen Läuferzipperlein.

 

Ich zog das Tempo noch einmal leicht an – aber nicht lange, denn plötzlich fiel mir das Atmen immer schwerer, jedoch nicht weil die Lunge brannte, sondern weil mein Rachen austrocknete.

Bei km 7.5 entschloss ich mich schweren Herzens zu einem vorzeitigen Abbruch, nahm die Abzweigung zum Rückweg und wollte wenigstens den

knappen Zwölfer-Schnitt bis zum vorzeitigen Ende durchhalten. „Nur noch zwei Kilometer“, spornte ich mich an.

Ab Kilometer neun musste ich aufgeben und trabte den Rest des Weges zurück zu meinem Fahrrad. Mein Gleichgewicht schien auch gestört, weshalb ich den Drahtesel schliesslich vorsichtig nach Hause schob.

Nach einem heissen Bad und einer furchtbaren Nacht wachte ich am Dienstag mit Halsschmerzen auf.

Was sage ich, „Halsschmerzen“ – dieses Wort klingt viel zu harmlos um auch nur annähernd auszudrücken, wie sich das anfühlte; es war unbeschreiblich. Nicht einmal sprechen konnte ich.

Somit konnte ich auch nicht widersprechen als mich meine Moni [Name von der Red. geändert] nach dem Frühstück wieder zurück ins Bett schickte.

„Entweder Du bleibst die nächsten drei Tage im Bett, oder Du gehst zum Arzt.“ Das waren ihre Worte und so wie sie sie aussprach, duldete sie auch keinen Widerspruch.

Moni weiss latürnich, dass man mich nur in bewusstlosem Zustand zu einem Arzt transportieren kann – weil ich zu ihren Kollegen eine ganz besondere Einstellung habe.

Vielleicht resultiert diese besondere Einstellung zu Ärzten ja auch aus der Tatsache, dass wir in unserem Bekanntenkreis sehr viele Ärzte haben – in erster Linie jedoch aus schlechten Erfahrungen, die ich in früheren Zeiten mit diesem Berufsstand gemacht habe.

Der einzige Arzt zu dem ich freiwillig gehe ist mein Freund Hans – und nur, um mit ihm gemeinsam ein paar Runden durch die heimischen Wälder zu drehen.

Okay, ich lag also den Dienstag über im Bett und wenn Moni nicht hinschaute, griff ich mir den Laptop und peppte ein paar meiner Seiten bei Achim-Achilles ein wenig auf oder schrieb einen kleinen Eintrag. Man muss ja mental wenigstens dranbleiben sonst hat es der Schweinehund nach erfolgter Genesung zu leicht, einen weiteren Ruhetag zu fordern.

Mittlerweile trudelten auch immer mehr Tips zu meinem Problem mit dem Polar Footpod ein.

Der Mittwoch verlief ähnlich und gegen Abend schon juckte es mich sozusagen in den Füssen. Nein – kein Fusspilz!

Ich wollte unbedingt ausprobieren ob an dem Tip etwas dran war, dass ich den Footpod 'falsch herum' auf den Schuh montiert hatte.

Es waren zuerst die User 'albo' und 'Jens', die mich darauf hinwiesen, dass ich den Footpod falsch montiert haben könnte.

Zugegeben ich hatte

a) bei der Montage vermutlich nicht darauf geachtet und

b) steht in der Zusammenbau-Anleitung auch nicht explizit drin, dass es auf die Richtung ankommt

Es fuchste mich noch am Donnerstag in der Früh. Mir ging es längst wieder blendend ... also.. ähem ....zumindest ... Ihr wisst was ich meine.

Man fühlt sich manchmal wie ein Hund der Auslauf braucht – vor allem wenn draussen die Sonne scheint und so herrliches Wetter ist.

Freitag: Moni blickt mich beim Frühstück an. „Oh, wenn ich mir Dich so anschaue“, sagt sie, „dann brauchst Du noch einen weiteren Tag Ruhe.“

Kurz überlege ich, wie ich es ihr schonend beibringen könnte, dass ich heute ein paar kleine Testeinheiten mache ... um schneller gesund zu werden.

Doch sie unterbricht diesen Gedankengang und erklärt mir, das sie am frühen Nachmittag ein paar Stunden lang für eine Kollegin einspringen muss und mich daher alleine lassen muss.

„Das finde ich aber schade“, lüge ich.

Zwei Stunden später ist Moni längst aus dem Haus. Ich habe mich zwar etwas vertrödelt, bin aber gut gelaunt und schiebe mir noch schnell eine

Tablette gegen Halsweh in den Mund. Der Footpod ist schon seit vorgestern andersherum montiert – jetzt geht es los.

Ich stelle die Polar auf eine Strecke von 12.750m ein, die – unterteilt in 8 unterschiedlich lange Abschnitte mit einem Schnitt von 10 km/h vorgegeben ist, so dass ich auf jedem Abschnitt versuchen kann unter der Vorgabe zu bleiben.

Ich starte und der Footpod tut nicht. Ich stoppe. Footpod aus- und wieder einschalten. Footpod tut – zeigt aber definitiv zu wenig an.

Egal, weiter! Jetzt wenigstens in der ersten Etappe im Zeitrahmen bleiben.

Eine nette Eigenschaft dieser Uhr habe ich zu schätzen gelernt, seit ich mich auf den Footpod und die Geschwindigkeits- sowie Distanzangaben nicht mehr verlassen kann:

Bei bekannten Strecken, so wie hier, kann man den Countdown-Timer benutzen um seinen Pace zu kontrollieren – wenn die Strecke vorher einprogrammiert wurde.

0:03 0:02 0:01 0:00

Den ersten Wendepunkt trotz der kurzen Unterbrechung noch in der Zeit erreicht – als Warmup ganz okay. Weiter so.

Auf dem zweiten Abschnitt erst mal Pinkelpause. Das war das Glas Hustensaft vorhin.

Auch den zweiten Abschnitt schaffe ich und unterbiete die Vorgabe – wie geplant. Die Geschwindigkeitsanzeige des Speedsensors tut mal und dann mal wieder nicht.

Es fängt an zu regnen.

Ich laufe schneller.

Meiner Zeit tut es gut – meiner Laune nicht.

Es regnet heftiger.

Auf der Sonnenbrille sammeln sich Wassertropfen.

Bald schon sehe ich nichts mehr; zum Glück kenne ich den Weg hier durch den Wald.

Das dritte Streckensegment schliesse ich mit einem Plus von 54 Sekunden ab. Nun laufe ich über offenes Feld und der Regen peitscht mir ins Gesicht, an die nackten Arme und Beine und es wird stürmisch.

Ein paar Blitze zucken am Himmel und die Donner lassen auch nicht auf sich warten.

Schneller als die Vorgaben, aber langsamer als erwünscht und mittlerweile völlig durchnässt absolviere ich die Abschnitte vier bis sechs.

'Moni wäre bestimmt sauer, wenn ich jetzt vom Blitz erschlagen würde', denke ich.

Die letzten zwei km gebe ich dann noch mal richtig Gas und beende die 12750m in 1:05:56

Das ist brauchbar. Zumindest brauchbarer, als das was Polar über die Distanz aussagt: 7170m – der Sender ist mal wieder über einen Drittel der Strecke ausgefallen.

Erschöpft und ein bisschen glücklich aber auch leicht enttäuscht, dass der simple Trick mit dem Footpod zunächst kein besseres Resultat erzielte, schwinge ich mich auf mein Fahrrad und fahre gemütlich nach Hause.

Dort sehe ich schon von weitem, Monis Auto auf dem Parkplatz vor dem Haus.

Shit! - Dabei war ich doch so schnell.

Vermutlich im Vorfeld zu viel getrödelt.

Obwohl der Regen mittlerweile aufgehört hat, bin ich total durchnässt und verdreckt (Rennrad ohne Schutzblech ...)

Ich kann mich jetzt nicht verstecken. Ich muss da durch und unter die Dusche.

Was sollte ich nur sagen, überlegte ich, während ich die Tür aufschloss.

[Tschack] [Buff]
[Tschack] [Buff]
[Tschack] [Buff]
[Tschackada-Tschackada-Tschackada] [Buff-Buff]

„Aha, der kranke Göttergatte kommt nach Hause“, begrüsst mich Moni vorwurfsvoll und mit einer gehörigen Portion Ironie in der Stimme.

[Tschack] [Buff]
[Tschack] [Buff]
[Tschack] [Buff]
[Tschackada-Tschackada-Tschackada] [Buff-Buff]

"Es ist nicht so wie du denkst", beginne ich stotternd und verharre triefnass und wie ein begossener Pudel neben dem Schuhregal.

[Tschackada-Tschackada-Tschackada] [Buff-Buff]

„Ach – ist es nicht?“ Moni haut weiter auf ihren Sandsack ein, der bei uns in der Eingangshalle hängt, weil nur dort ausreichend Platz ist.

[Tschackada-Tschackada-Tschackada] [Buff-Buff]

„Ich wollte nur kurz was probieren?“ erkläre ich und deute auf den Laufsensor.

[Tschack] [Buff]
[Tschack] [Buff]
[Tschack] [Buff]
[Tschackada-Tschackada-Tschackada] [Buff-Buff]

„Ich habe mir Sorgen gemacht – im Radio gab es eine Unwetterwarnung.“

[Tschackada-Tschackada-Tschackada] [Buff-Buff]

War da etwas vorwurfsvolles in ihrer Stimme?

„Alles im grünen Bereich“, beruhige ich sie und sehe mit Genugtuung, dass sie sich nun wieder ganz konzentriert ihrem Sandsack widmet.

[Poffff – Pofff – Tschackada-Tschackada-Tschackada] [Buff-Buff]

Das [Poff Poff] kommt von den Tritten gegen den Sandsack. Das ist der Teil ihres Training, bei dem man sie nicht stören sollte, weshalb ich mich schleunigst unter die Dusche verzog.

Schätze, ich sollte meiner Moni mal wieder ein paar Blumen kaufen - jetzt wo ich wieder mobil bin.

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