Startbereich Köln 11.30 Uhr. Wir werden animiert. Die Stimmung ist super, die Temperaturen durchaus in Ordnung. Ich laufe ja auch eigentlich lieber wenn es warm ist. Mein Startblock (Gelb) ist der 3. der angeschossen wird. Links neben uns der Animateur und daneben Sabrina Mockenhaupt. Der Schuss ertönt, ich schreie Geistesgegenwärtig "Mockiiiiiiiiii", klatsche kurz mit ihr ab und laufe los während ich denke "Träume werden wahr" :-) Heute soll es endlich klappen mit der Sub 4h. Die ersten 10 km merke ich gar nicht. Das Tempo ist OK, die Menge an der Strecke hat Spass, die Bands haben Spass und ich hab sowieso Spass. Die erste Hälfte laufe ich locker in 1:56:30 aber irgend etwas stimmt nicht. Ich hab kein gutes Gefühl. Ich laufe weiter und merke auf einmal wie meine Schritte schwerer werden, versuche aber das Tempo zu halten. Verdammter Mist, das kann doch nicht so schwer sein. Bei km 29 zwickt die Wade, wenig später der Oberschenkel. Ich laufe wie auf Stelzen, verfluche mich und mein Unvermögen, verfluche dieses blöde Laufen. Warum mach ich das noch gleich? Achso, stimmt ja..Spass und so. Es nutzt alles nix. Ich halte an und dehne mich, laufe weiter, dehne wieder. So Intervall-mäßig halt. Es ist km 33 und ich bin fertig mit der Welt und ich glaube das sieht man mir auch an. Ich trabe mehr oder weniger durch ein Spalier von Menschen. Eine Frau strekt die Hand aus zum abklatschen, ich klatsche ab und merke wie sie kurz meine Hand hält und sie drückt. Ein wildfremder Mensch, der mir grad das Einzige auf der Welt gibt um meine Selbstzweifel im Nichts aufzulösen - Zuversicht. Das kann sich wahrscheinlich grad keiner vorstellen, aber ich bin unheimlich gerührt, hab nen mächtig dicken Klos im Hals. Noch 9 km und ich muss immer wieder anhalten um zu dehnen. Jedes Mal wenn ich los laufe rufen mir mindestens 5 Zuschauer zu "Komm Torsten, das geht noch" und "Torsten, nicht aufgeben" . Ihr seid so gut zu mir Köln. Womit hab ich das verdient? Ich mag keinen Karneval und war noch nie im Müngersdorfer Stadion. Ihr allein Köln, ihr seid der Grund warum ich mich quälen kann. Ich bin dankbar. Es tut mir alles weh, aber ich bin unsagbar dankbar das hier alles erleben zu dürfen. Scheiß auf die Zeit, ihr seid ja wohl der absolute Hammer. - Km 39 - ein Junge von einer Kölner Schüler-Staffel läuft ein Stück mit mir, fragt mich nach meinem Befinden und wie es mir in Köln gefällt. Ich versichere ihm, das Köln das beste Publikum ist bei dem ich je gelaufen bin. Wenig später muss ich noch einmal kurz anhalten um zu dehnen. Der Junge will warten, aber ich sage ihm das er ruhig weiter laufen kann. Das dauert noch etwas bei mir muss ich mit einem Lächeln gestehen. Ich wünsche ihm für seine letzten 2 km alles Gute. Die letzten Kilometer und ich weiß nicht mal, ob das was ich mir abhalte noch als Laufen durchgeht. Wahrscheinlich nicht. Ich bin im Ziel, voller Schmerzen und ohne Endorphine, einfach nur froh das es endlich vorbei ist. Und froh über euch Kölner. Heute hat mich Köln adoptiert. Morgen kauf ich mir ne Dauerkarte für den FC und ein Prinz Poldi Trikot. DANKE KÖLN - ICH LIEBE EUCH !!!!! (Zeit 4:30:36 i do not care ^^)
Beste Grüße aus dem Saarland

geschrieben von deelux68, October 05, 2010
geschrieben von Supertalente, October 05, 2010
hey noctum, was ich dir schreiben will ist erstens ein dicker glückwunsch für ne immer noch supergute zeit!! trotz krämpfe und dehnpausen, sauber!
und zweitens: echt schöner bericht! bekommt man lust auf den köllelauf. bin viel zu selten dort bei meiner freundin, aber das was du beschreibst, spiegelt sich auch abends in den kneipen wider. die leute dort habens einfach drauf.
aber ergänzen will und muss ich: das berliner publikum hat bei dem mistwetter zum BM auch tootal gute stimmung gemacht... ich kann aber deinen bericht nur zu gut verstehen, kölle ist einfach eine nicht gerade schöne, aber seeehr nette stadt.
geschrieben von kittymuc, October 05, 2010
Auf einem der Privatsender gab es vor Jahren mal eine Sendereihe, wo "Normalos" für den New-York-Marathon fit gemacht wurden. Ich hab das nicht großartig verfolgt, hab aber die letzte (Wettkampf-)Sendung gesehen. Am meisten beeindruckt hat mich eine mittelalte Frau, die gegen jeden Druck das Gehen(!) für sich als das Richtige gefunden hatte und den Marathon tatsächlich auch so absolviert hat. Vor sich die leere Strecke, hinter sich die Putzkolonnen! Im Central Park schließlich noch vereinzelte Zuschauer; von denen hat sie sich bis ins Ziel anfeuern lassen. Übrigens: der ambitionierteste der Truppe hat wegen anhaltender Muskelverkrampfung nach 2/3 aufgegeben...
geschrieben von otti, October 05, 2010
geschrieben von ursula, October 04, 2010
geschrieben von lurch, October 04, 2010
Da wird im Lauftreff gar nicht mehr gefragt ob man überhaubt angekommen ist,und wie es für einem war, da geht es nur noch um PB oder nicht und wann der nächste Run ansteht. Ich finde das zum kotzen.
Da lob ich mir (noch) die breite Triathlonszene wo es doch noch mehr um das Gefühl bei der Sache und das Ankommen an sich geht.
Du musst dich in meinen Augen in keinster Weise außer vor dir selber rechtfertigen. Sei stolz das du gefinished hast und vergiss diese "Kollegen".
42 km am Stück zu absolvieren ist längst nicht jedem vergönnt,(mir übrigens bis dato auch nicht) da ist die Zeit echt 3rangig. Das ist und bleibt ne tolle Leistung, auch wenn andere sie scheinbar am Fliesband produzieren.
Deshalb noch mals GLÜCKWUNSCH zum 7ten.
geschrieben von jens, October 04, 2010
Aber sind wir doch ehrlich, von diesen Erfahrung zehren wir lange...
geschrieben von lurch, October 04, 2010
Danke für deine ehrliche und offene Art einmal von einem nicht soooo perfekten Lauf zu erzählen. Zeiten sagen eben doch recht wenig über die Qualität eines Laufes aus, und schon gar nicht wie es in einem aussieht.
Schön dass du es durchziehen konntest.
Gruß
geschrieben von parisian, October 04, 2010
Freu Dich über das erreichte!
Wie die meissten hier weiss auch ich, wie sich das "in's Ziel schleppen" nach Krämpfen anfühlt.
Gruss,
ein anderer Torsten
geschrieben von catcat, October 04, 2010
LG catcat
geschrieben von ursula, October 04, 2010
Ich glaube, gerade bei einem Marathon sind es diese "kleinen Dinge", die oft ganz groß werden. Die Unterstuetzung von Wildfremden Zuschauern und Mitlaeufern ganz gross mit dabei. Und durchquaelen und ankommen doch auch - sonst haettest Du ja sicher aufgehoert... Kommt so allmaehlich jetzt doch der Stolz und ein paar Endorphine, es geschafft zu haben...??
Auf jeden Fall - gut gemacht!













Die mentale Leistung, die du gebracht hast, ist deutlich höher als die von den Schlaubergern, wo 42 km lang alles top lief....
Ich hoffe, inzwischen überwiegt der Stolz, es geschafft zu haben!
Und ich schließ mich mal meinem Mann an: nicht allen von uns ist es überhaupt vergönnt, einen Marathon zu laufen! Mir auch nicht! Für mich ist das IMMER eine große Leistung!