Opfer wider Willen
Erstellt von: barbarine
in Blogs
am 17. Juli 2010
Quelle: www.sxc.hu
Die Hitze war da. Ohne Erbarmen. Aber der Trainingsplan stand fest- auch ohne Erbarmen. Und als vorbildliche Läuferin gab es keine Entschuldigung, nicht zu trainieren. Na gut, maximal Fieber oder ne Erkältung…
Also los. An diesem Dienstag hatte der Coach mir 12km ins Klemmbrett eingetragen, in einem angenehmen Tempo. Zu der Zeit hatte ich mein morgendliches Training noch nicht eingetaktet; die vielen brütend heißen Tage kamen erst noch. Ein abendliches Läufchen stand also auf dem Plan, recht spät, mit abschließenden kühlendem Bad in einem unserer zahlreichen Seen. Ich hatte mir alles schön ausgedacht und geplant, die Strecke durch den Wald festgelegt; ein netter Radweg, immer parallel mit einigen Metern Luftlinie zum Wasser. Mein Gatte hatte sich entschieden, mich zu begleiten. Fand ich super, denn a) hatte er bereits am Morgen sein Training absolviert b) ist ihm mein Tempo immer etwas mühselig, da er normalerweise viel schneller läuft und c) war ich froh, abends nicht alleine im Wald laufen zu müssen…
Folglich: wir packten unsere Badesachen ein und fuhren in den Wald zum See, ist alles genial gelegen, nur wenige Meter vom Parkplatz zur Badestelle und zum Radweg. Es konnte losgehen. Nein nicht ganz, am Auto meinte ich noch zu Heiko, ob wir uns nicht lieber noch gegen die gefräßigen Mücken einsprühen sollten; wir hatten sicherheitshalber immer Autan im Auto; allerdings eher wegen der Zecken, wenn wir mit unseren Hunden in der Natur unterwegs sind: Ach nee, war die Antwort; wir laufen ja schließlich, da stechen sie uns nicht! Also gut, da hab ich dann mal auf meinen Göttergatten gehört. Und los… Zu Anfang, den ersten Kilometer, ging es ja noch. Da umkreiste uns nur ein leises Summen. Bis es dann mit aller Macht über uns hineinbrach. Es war eine Invasion! Ich wusste gar nicht, dass es diesen Sommer so viele Mücken gibt! Und es folgte natürlich mein überaus vorwurfsvoller Blick zu Heiko nach links. Hätte ich doch nur… Aber was soll´s, kneifen und umkehren gilt nicht, abkürzen schon gar nicht. Das muss ein Bild gewesen sein. Alle paar Meter um uns schlagend liefen wir die Strecke, aufgrund der hohen Temperaturen ja nur leicht bekleidet. Damit war die Angriffsfläche entsprechend groß. Irgendwann kam uns ein junger, korpulenter Mann entgegen gelaufen. Lange Sachen an. Er lief auf Heikos Seite vorbei und der meinte im Nachhinein, dass der Mückenschwarm von diesem Typen sich auf ihn gestürzt hätte; er war ja ein lohnenderes Ziel, so leicht bekleidet wie er war. Ok. Mit der Zeit hatten wir uns mit unserer Situation abgefunden, bis das nächste Problem deutlich wurde. Ich hab nun mal ne Pionierblase und müsste in den Büschen verschwinden. Ich stoppte leicht, was ein fataler Fehler war. Wie die Hyänen stürzten sie sich auf mich, innerhalb von Sekundenbruchteilen saßen sie auf mir und zapften mich an. Ich war doch keine Blutbar!!! Ich schlug wild um mich und auf sämtliche Körperteile und war entschlossen, mir alles irgendwie zu verkneifen und bis zum Auto durchzuhalten! Es konnte nicht besser werden, die gesamte Laufstrecke führte am Wasser entlang.
Auf den letzten Kilometern hatte ich mir dann eine Strategie zurecht gelegt. Heiko könnte doch schon mal vorlaufen (er ist schließlich ne Ecke schneller als ich) und das Auto holen. Mir dann entgegenfahren, und ich springe nur noch rein und wir düsen nach Hause. Aber, dann wäre ich ja alleine im Wald gewesen und es wurde schon empfindlich schummrig. Da hab ich den Gedanken wieder verworfen. Und schließlich war es ja auch nicht mehr soooo weit. Die letzte Brücke über die Schleuse kam bald in Sicht, die finalen 200m bis zum Auto. Der Gedanke, am Ende ein erfrischendes Bad zu nehmen, den hatte ich längst ad acta gelegt. Nur ins Auto und los. Aber, warum eigentlich? Die nächste Strategie reifte langsam. Als Läufer fallen einem ja unterwegs immer so wunderbare Sachen ein! Wir waren am Auto, Heiko konnte gar nicht so schnell den Schlüssel rauskramen, wie ich mich beschwerte, er soll doch endlich das Auto aufmachen. Dann kam das Klick, die Tür ging auf, ich schnappte Handtuch und Badelatschen. Und dann, Klamotten runter und rein in die Fluten!!! Die Plage war vergessen, einfach nur Wohltat und Entspannung kamen über mich, es war vollbracht! Und dann setzte natürlich der Stolz ein; der Garmin zeigte 12,89km an. Heiko sagte auf der Heimfahrt im Auto zu mir: Respekt, das Du das so durchgezogen hast! Er hätte gedacht, ich drehe bei der nächstbesten Gelegenheit um. Das ging natürlich runter wie Öl.
Fazit: das war ein Abend, der mich in meinem doch noch recht jungen Läuferleben viele Erfahrungen hat sammeln lassen…

geschrieben von girasole, July 18, 2010
Tapfer durchgezogen, find ich gut.
geschrieben von berlifan, July 17, 2010
(Da konnte man sogar im Video die Mücken lauthals hören)
geschrieben von kittymuc, July 17, 2010
Gruß von einem Opfer zum anderen!











@Fred: an das Gesumme kann ich mich gut erinnern...
@Gira: Danke!