Einen Tag nach dem Marathon sitze ich hier mit durchaus gemischten Gefühlen, grübelnd über einen Lauf der so nicht geplant war. Geplant war, den Marathon an der Saarschleife in Merzig als langen Lauf zu nutzen, eine Zeit um die 4:30, damit ich in Köln die 4 Stunden knacken kann. Ich laufe los mit Bianca und Gilli und schon nach den ersten Kilometern hat sich unser Vorhaben relativiert, oder aber Gilli wusste einfach von der Absprache nichts. Die ersten Kilometer zwischen 5:30 und 5:40. Die ersten 11 Kilometer in einer Stunde, die erste Hälfte knapp unter 2 Stunden. Ich fühle mich gut, nach der Wende laufen wir auf das Halbmarathon - Feld auf, welches beim Wendepunkt Eindreiviertel Stunden nach uns gestartet ist. Das puscht ungemein, sie lassen uns vorbei, feuern uns an und ich fühle mich großartig. Ich bin zwar kein schneller Marathon – Läufer, aber immerhin Marathon – Läufer. Bei KM 28 laufe ich wie auf Wolken. 14 Kilometer ist ja quasi ne Sprint-Distanz, im Training laufe ich sonst immer 15Km als Tempo-Dauerlauf. Das kann also gar kein so großes Problem sein. Ich höre Gilli von hinten, der zu Bianca sagt.....jetzt will er’s aber wissen. Ja, ich will es wissen, will dem Hammermann entkommen, wer schneller läuft ist früher im Ziel. Die ganze Woche schon lese ich im Buch „Born to run“ von Läufern die 160km am Stück laufen im Wald auf welliger, profilierter Strecke im unter 6er Schnitt. Da werde ich ja wohl ..... WERDE ICH NICHT !!!
Es ist Kilometer 37 und mein Übermut schlägt um in Frustration. Meine Beine verkrampfen und ich muss gehen. Ich trabe und gehe abwechselt Intervall-mäßig vor mich hin. Mein 6. Marathon und ich hab immer noch nix dazu gelernt. Ich schäme mich…bin wütend auf mich. Beschimpfe mich. Sage zu meinen Mitstreitern sie sollen allein weiter laufen. Bianca bleibt bei mir ..du wirst mich nur los wenn du läufst, sagt sie. Es geht GARNIX mehr. Einen Kilometer vorm Ziel sticht mir ein Unbekannter 2 Messer in den hinteren Bereich meiner beiden Oberschenkel. Ich sacke zu Boden. Versuche wieder aufzustehen …gehe einen Schritt, falle wieder hin. Ein einziges Trauerspiel. Claudia kommt an uns vorbei, gibt mir ISO…ich richte mich auf und trinke einen Schluck, dehne mich kurz. Aus langsamen Gehen wird wieder langsames Laufen, sehr langsames laufen. Den letzten Kilometer hätte ich mir vor ner Stunde noch anders vorgestellt. Wir kommen ins Ziel mit 4 Stunden 11 Minuten 58 Sekunden. Meine alte Marathon Zeit um gut 15 Minuten verbessert und ich fühle mich wie der letzte Versager. Ich werde beglückwünscht…hey, ist doch ne gute Zeit und hey, das ist schon ganz anderen passiert kurz vorm Ziel. Andere interessieren mich grad nicht.
In 4 Wochen ist der Marathon in Köln. Es kann nur besser werden !

geschrieben von janmitfun, September 07, 2010
Run mit Fun
geschrieben von FrauLurch, September 07, 2010
Aber: Du hast wirklich tolle Laufkameraden! Es gibt nicht viele, die dann im Wettbewerb dableiben und Dir beistehen (viele schaffen das ja nichtmal auf der Heim- und Hofrunde, und laufen weiter!). Das klappt bei Euch - und das ist toll! Und dann noch am Ende so eine Zeit - herjee, Du musst zwischendurch geflogen sein:-)....
Jetzt hast Du ja ein Ziel für Köln: "DAS" nicht nochmal. Du kannst super Laufen, nach den Zeiten kannst Du schnell laufen, und das mit dem Ankommen klappt ja auch. Jetzt muss das alles ja "nur" noch in den Mixer und dann alles gut geschüttelt - und heraus müsste ein prima Lauf kommen.
Vielleicht findet sich ja unter Deinen Laufkameraden ein "Bremser" - ich glaube das ist es, was dir helfen könnte! Denn der Ehrgeiz geht schon von alleine mit Dir durch - da hilft Dir keiner, der zieht....
Ich wünsche jedenfalls ganz viel Spaß in Köln! Mit dem einen Ziel vor Augen: Spaß haben - und glücklich ankommen.
geschrieben von lurch, September 07, 2010
Das auch ich diesem Zeitdiktat erliege habe ich ja in dem Bericht "10km am Kemnader See" angerissen. Mit etwas Abstand steht dann die Leistung an sich wieder deutlich dar. Du hast einen Marathon gefinished, das war vor einigen Jahren noch etwas, was nur wenige Menschen überhaupt angegangen sind. Du läufst viel, sehr viel meiner Meinung nach, da ist ein "Ausrutscher" ein zu erwartendes Übel, so blöde das ist. Wichtig ist doch, dass du was daraus für dich über dich lernst, und ich denke das hast du ;-).
Also "keep on running" wird schon wieder.
geschrieben von deelux68, September 07, 2010
Finde ich Klasse dass du den Uewwersauer - Trail in Luxemburg mit machst, ist auch ein Ziel von mir in den nächsten 2-3 Jahren da einmal zu finishen... Also Viel Spass noch!
geschrieben von jens, September 06, 2010
Aber eine Frage sei erlaubt: wer hat Dir denn geraten, 4 Wochen vor einem Marathon einen Marathon als Trainingslauf zu machen???
Ist doch gegen alle Regeln! Du brauchst jetzt ca. 1,5 Wochen um wieder für einen Tempolauf fit zu sein.
Ich bin ja mal gespannt...
geschrieben von parkprinz, September 06, 2010
Glückwunsch zur dennoch tollen Zeit und alles Gute für Köln.














