Ich war ja auch in Berlin. War auch schön dort. Wieder ein tolles Publikum – obwohl ich den Eindruck hatte, dass es letztes Jahr noch enthusiastischer war. Ob das trotz oder gerade wegen dem miesen Wetter so war? Keine Ahnung! Die Organisation war sowieso wieder super! Muss ja auch, bei diesen Massen! Dieses mal durfte ich auch aus Block B starten. Die Profis sieht man von da allerdings auch nicht und eng geht es trotzdem zu. Nach dem Lauf bekam ich auch eine prima Massage ohne großartig warten zu müssen. Also eigentlich ein toller Tag.
Nur eines war störend, und zwar sehr. Meine Endzeit war zum ersten mal langsamer als im vorhergehenden Marathon. Damit ist meine Serie im 5. Lauf leider gerissen. Obwohl die Zeit trotzdem ordentlich ist und die Ursachen alle bekannt sind – ich brauche also nicht rumgrübeln woran es lag – hat mich das doch sehr gewurmt. Genau eine Woche lang! Dann hat es mich geritten schon beim nächsten Lauf anzutreten. Na ja, so recht freiwillig war es nicht. Es ist nämlich ein Cup-Lauf und wenn ich da nicht abgehängt werden will, muss ich noch jede Gelegenheit nutzen um ein paar richtig gute Ergebnisse hinzuknallen. Das geht ja leider nicht auf Bestellung. Die Konkurrenz hat meine Abwesenheit durch die Marathonvorbereitung jedenfalls fleißig genutzt und mangels geeigneter Gegner die maximal möglichen Punkte abgeräumt.
Wie auch immer, es ging mir dieses mal jedenfalls zu gut um nicht zu starten. Kaum physiologische Probleme nach dem Marathon. Überzeugt von meinem Fitnesszustand war ich allerdings nicht, so kurz nach dem berliner Event. Entsprechend wurde vor dem Start auch lieber tief gestapelt.
Das änderte sich schlagartig mit dem Startschuss. Irgendwie hatte ich ganz aus Versehen einen Platz in der ersten Reihe erwischt. Das mache ich sonst lieber nicht, um nicht im Weg rumzustehen. Dieses mal war aber etwas anders. Ich lag nach wenigen Metern auf Platz 2 und vom absoluten Favoriten war nix zu sehen. Sehr irritierend! Langsamer laufen wollte ich aber auch nicht, dafür fühlte es sich viel zu gut an und ich wollte die ersten 1,5km auf Asphalt nutzen (da bin ich besser als auf Waldwegen). Also blieb ich einfach an meinem Vordermann und siehe da, kurze Zeit später kam auch schon der Vermisste an uns vorbei gestürmt um sich gleich darauf abzusetzen. Hatte wohl nur etwas den Start verpennt. Trotzdem machte sonst kaum noch jemand Anstalten mich zu überholen. Erst als wir den schönen Asphalt verlassen hatten und auf Kies- und Feldweg unterwegs waren ging eine Gruppe an mir vorbei. Etwas später noch zwei einzelne Läufer. Auf dem steinigen und verwurzelten Untergrund gelang es mir auch nicht an ihnen dran zu bleiben.
Die ganze Zeit habe ich mich im Kopf selbst bearbeitet um das Tempo trotzdem möglichst hoch zu halten. Die Platzierung wäre ja immernoch super. Auf alle Fälle deutlich Top20. Hilfreich war dabei, dass ich nach einigen Kilometern einen aus der Gruppe wieder in Sichtweite und langsam immer mehr in Schlagdistanz bekam. Leider ging es da aber erst mal ganz fies und halsbrecherisch bergab und er lief mir wieder etwas weg.
An einer recht scharfen Kurve konnte ich auch mal einen kurzen Blick auf das Feld hinter mir erhaschen. 2 Läufer waren zu sehen. Beide mit moderatem Abstand, also nicht gerade beruhigend viel.
Kurze Zeit später begann der Letzte Streckenabschnitt. Ein ca. 2,5km langer Anstieg mit ungefähr 130 Höhenmetern. So ganz klar war mir das am Start noch nicht, was da am Ende wartet.
Ganz langsam kam ich meinem Vordermann immer näher. Erst wollte ich mich ja nur von ihm ins Ziel ziehen lassen, aber dann lief ich plötzlich in einer recht flachen Kurve mit so viel Tempoüberschuss auf ihn auf, dass ich ihn doch gleich überholt habe. Jetzt hieß es aber beißen. Ich wollte mir ja keinen Konter einfangen, schon gar nicht dann kurz vor dem Ziel. Ich lief echt am Limit, immer mit den „Fühlern“ nach hinten, ob sich da was tut.
Nach ein paar hundert Metern hatte ich dann auch das Gefühl, das da jemand näher kommt. Ich konnte zwar nicht wirklich etwas hören und umdrehen geht ja schon gleich gar nicht, aber irgendwie war ich mir sicher.
Langsam meldeten meine Beine den totalen Notstand und es ging noch immer bergauf. Wenigstens bewegten wir uns im Wald, schön im Schatten, dachte ich noch, als es plötzlich auf eine Wiese, auf einen total unmöglich zu laufenden „Weg“, oder Besser gesagt Wiesenrand, ging. Pralle Sonne, mieser Untergrund und immer noch bergauf. Langsam mehrten sich die etwas unkoordinierten Schritte und das Gefühl im Rücken wurde auch immer deutlicher, obwohl ich immer noch nichts hören konnte. Kein Wunder bei dem schönen weichen Gras.
So langsam durfte dieser Berg wirklich ein Ende haben und das Ziel auftauchen! Ich rückte zwar schon dem nächsten Läufer näher, aber ehe ich den erwischen würde hätte mich mein Verfolger sicher schon versägt. Also, wo bleibt das Ziel?
Eine Kurve und dann Asphalt, wir waren wieder am Ort. Hier müsste doch irgendwo das blöde Ziel sein!? Jetzt waren die Schritte auch zu hören. Da vorn, mehrere Leute und ein Plakat, was ich leider nicht lesen konnte. Stand da Ziel drauf? War es das?
Ich weiß nicht mehr, was ich in diesem Moment zuerst gesehen habe - vielleicht war es auch gleichzeitig - meinen Verfolger im Augenwinkel fast neben mir, oder die Ziellinie. Der wollte mich wirklich 50m vor dem Ziel noch kassieren. Frechheit! Aber nicht mit mir! Der nächste Schritt sackte mir etwas weg. Die Beine wollten wirklich nicht mehr, aber bevor ich mich jetzt noch überholen lasse, reiße ich sie mir lieber alle beide aus. Natürlich nur sprichwörtlich.
Den Antritt konnte der Gegner wohl nicht mitgehen oder er hatte einfach nicht mehr damit gerechnet. Als ich über die Ziellinie flog, hörte ich noch den Satz eines Zuschauers: „Wo hat der das denn jetzt noch her geholt?“ Das geht runter wie Öl, genau wie einige andere Kommentare im Ziel.
Danach hing ich aber noch ein ganzes Stück total fertig am Gartenzaun und pumpte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Der Frust wegen der Marathonzeit ist seit dem aber total verflogen. Das war so ein klasse Rennen! Sogar Platz 2 in der AK und Platz 11 Gesamt. (Der Lauf hatte im Übrigen absoluten Teilnehmerrekord.) Das zweite Wahnsinnsrennen auf den Unterdistanzen in diesem Jahr. Beide übrigens mit bösen, langen und steilen Anstiegen vor dem Ziel.

geschrieben von luftbumb, October 05, 2011
geschrieben von berlifan, October 04, 2011
Weiterhin viel Erfolg bei den noch ausstehenden Cupläufen!
geschrieben von kittymuc, October 04, 2011
Aber dann eine Woche später derartig aufzutrumpfen ist 'ne ganz tolle Nummer - Klasse! Die Cup-Punkte haste dir wahrlich erkämpft :))
geschrieben von catcat, October 04, 2011
P.S.: Wieso heißt der Blog denn eigentlich Schwamm drüber?












