Erstellt von: lurch
in Blogs am 04. September 2010
Hallo liebe Sportgemeinde,
der Herbst naht und somit häufen sich die sportlichen Höhepunkte. Gut zu erkennen ist das an der Halbwertzeit eines Eintrages auf der "Neueste Blogeinträge" Sparte. Da kann ich natürlich nicht damit hinterm Berg halten, was mir am zurückliegenden Wochenende passiert ist.
Zuvor muss ich jedoch noch erklären, dass Zuschauen eigentlich nicht meine Parade-disziplin ist. Zu sehr zucken meine Muskeln und zu sehr leide ich mit den Athleten mit und viel zu stark entbrennt in mir der Wunsch, selber Kohlenhydrate in Bewegung um zu setzen. Lediglich der Spaß an der Sportfotografie oder familiäre Aktivitäten bringen mich dazu, doch die eine oder andere Ausnahme zu machen. Seit dem letzten Samstag ist jedoch ein weiterer Beweggrund hinzu gekommen.
An diesem Samstag haben zwei Freunde von mir den verwegenen Wunsch gehabt, einen Halbmarathon unter 2 Std. zu finishen. Dazu haben die Beiden ,Rafael und Basti, fleißig trainiert und sicher die eine oder andere Stunde ihrer schulischen Ausbildung geschwänzt um wieder ein paar Socken durchzurennen. Daran ist generell nichts auszusetzen, wenn die ganze Sache nicht noch eine weitere, viel tiefer reichende Ebene hätte. Die beiden haben dieses Jahr ihren ersten Volkstriathlon gefinished. Immer noch nix Anrüchiges bis hierhin. Just am selben Ort an dem ich meine erste Olympische Distanz erlebt habe. Auch ok. Doch nun kommt`s: die beiden größenwahnsinigen Youngsters haben den Lurch ins Visir genommen und wollen mich nächstes Jahr an gleicher Stelle in Grund und Boden rennen!
Somit ist meine Motivationslage zweigeteilt: erstens gebe ich gerne zurück was auch die beiden Jungs mir gegeben haben. Aplaus, Eskorte und Anfeuerung beim Zieleinlauf nämlich. Der 2. Grund ist jedoch ein rein egoistischer: pure Spionage. Ich musste mich selber von der Laufform meiner zukünftigen Schweißhunde überzeugen. An sich ein mir völlig unbekanntes Terrain. Alle Bewerbe waren mehr der stille Dialog zwischen mir, der Strecke, dem Material und der Zeit. Konkurrenz war nie geplant. Doch ich wäre nicht der Lurch, wenn ich diesen Handschuh nicht aufgenommen hätte. Ich konnte ja nicht verlieren. Schließlich betreibe ich seit 2007 Triathlon und leiste mir einen ordentlichen Trainer, der das Wunder vollbracht hat mich nach nur 16 Monaten so fit zu bekommen, dass ich mit Spaß eine Olympische Distanz finishen konnte. Eben dort hatten die beiden Jungspunde auf der Volksdistanz Premiere und wohl auch Blut geleckt, sich mit dem Lurch zu messen. Erfahrung und die Ruhe des Altersvorsprunges verschaffen mir das beruhigende Polster um gegen die ungestüme Jugend zu bestehen, da bin ich mir sicher, zumindest bilde ich mir das ein.
Nun galt es zu sehen, wie fit die beiden waren - und ich bin ehrlich: was die Beiden mir da boten war eine durchweg solide und bewundernswerte Leistung.
Der Nordkirchener Halbmarathon ist eine kleine Laufveranstaltung, die mit viel Liebe und Engagement im Schloßpark und auf den umliegenden Agrarflächen der kleinen Gemeinde nahe Dortmund zum 2. Mal ausgetragen wurde. Das Wetter versprach nichts Gutes, hielt aber wider Erwarten doch. Damit die Spionage nicht ganz so offensichtlich war tarnte sich der Lurch, indem er Frau und Tochter mitnahm. Es sah so mehr nach einem gemütlichen Spaziergang mit Besuch des Bratwursstandes aus.
Kurzer Einschub: ich will die Leistung des Siegers dieses HMs nicht unbedacht lassen. Der Gute führte von Anfang an. Lief bei Km 6 immer noch einen Schnitt von 3,20 und führte nach 10km schon mit über einer Minute. Mit genau der selben entspannten Miene mit der er losrannte sah ich ihn bei Km 10 und bei Km 19 und er finishte in für mich sagenhaften 1:14:42!!!. Glückwunsch an Jens Borka.
Den Lurch interessierte dies jedoch nur am Rande. Ich wollte sehen wie die Beiden sich hielten und ob die avisierten sub2 auch erreicht wurden. Beim 10km Durchlauf bot sich mir noch das gewohnte Bild. Beide nebeneinander im Gleichschritt. Die 54 Minuten, die seit dem Startschuss vergangen wahren beunruhigten mich. "Voll im Plan" rief mir Basti zu. Toll dass er das wusste. Wollte er mir zeigen, dass er nicht nur schnell rennen sondern dabei auch noch rechnen könne? Der Einbruch würde kommen beschwor ich mich und wartete auf den 2. Durchlauf. Während der Wartezeit überprüfte ich den Laufstil der Beiden mittels der Serienfotos meiner Digitalkamera. Was mir das kleine Display darbot erfreute mich gar nicht. Toller Kniehub, sauberes Aufsetzen, kein dolles Sub- oder Überpronieren zu erkennen, lediglich die Armarbeit war etwas schlampig. Vielleicht lag es auch an der eingeschränkten Auflösung des Displays und am heimischen Rechner würden die Details sichtbar, die auf eine nahende Achillessehnenreizung oder Knieschmerzen deuten ließen. Ich musste abwarten. Noch völlig in Gedanken vernahm ich ein "bis gleich". Die Stimme kannte ich. Rafael !!! Wieso nur er? Wo war Basti? Und, warum schon jetzt? Schnell riß ich die Kamera hoch und schoß blind ein paar Bilder. Verdammt! Ich war so auf ein Läuferpaar fixiert gewesen, dass die beiden mir einen Streich gespielt hatten. Basti lief nämlich gut 30 Meter hinter Rafael und so hatte ich sie nicht wahrgenommen. Zumal Basti sich auch noch hinterlistiger Weise hinter einem dieser mir unverständlich schnellen Läufer verbarg, die mit deutlichem Übergewicht und Senkspreitzplattfüßen laut platschend auch immer wieder vor mir ins Ziel kamen.
Mist! Noch schnell ein paar Bilder von Basti und dann ab zum Ziel ins Stadion sprinten um die Zeit persönlich zu checken. Ich traue da keinem, wenn schon keine braunen Matten mit Induktionsschleife und "Biiiiiep" die Zeit akribisch und digitalgenau messen. Also eine Abkürzung und rein ins Rund der Sportstätte, die zum Triumpf für die beiden Youngsters auserkoren worden war. Und dann sah ich ihn. Rafael trabte locker die letzte 3/4 Runde über die Aschebahn und trudelte bei 1:56:47 ins Ziel. Basti kam mit nur geringem Abstand nach 1:57:34 über die selbige Linie gelaufen. "Sub 2, Mission accomplished" Toll gemacht Jungs ich bin stolz auf Euch! Das meine ich ehrlich!!!
Nun noch schnell ein Siegerfoto geschossen, der weibliche Part der Lurchfamilie neigte zum frösteln und ich wollte schnell zur Bildanalyse übergehen und schließlich galt es früh ins Bett zu kommen, da am Sonntag ja für den Lurch ein 10km Lauf auf dem Plan stand. Nachts wachsen Muskeln, und die würde er dringend brauchen, wenn er weiterhin beruhigt den Triathlon im kommenden Jahr denken wollte.

Sub 2 macht gkücklich... .