Weil Barfußlaufen ja so im Trend ist und manchmal sogar Spaß macht, hier mal jeweils ein
Selbstversuch in Zehenschuhen einer bekannten Marke im Modell 'Classic' sowie 'Speed'. Die Teststrecke war bei beiden Versuchen die gleiche, 12 Kilometer lang, mit möglichst vielfältigen Untergründen. Schnee war allerdings nicht dabei.
Beim Modell 'Classic' waren die Ergebnisse uneinheitlich:
Asphalt: Leicht und beschwingt. Dr-Strunz-buchcover-würdiges Grinsen im Gesicht. Entgegenkommende Spaziergänger beäugen erst Gesichtsausdruck, dann farbige Gorillafüße und wechseln Straßenseite.
Waldweg (fester Erdboden, gelegentliche Wurzeln): Federt nur so dahin. Noch besser als Asphalt. So sollte Laufen sich immer anfühlen. Forever barefoot!
Schlamm: 'Schuhe' werden schnell feucht, auch durch die Sohle. Egal. Hoher, vorpubertärer Spaßfaktor. Hinterher kaum 'Nachpatschen' wie bei klassischen Laufschuhen.
Forstweg (Belag ähnlich wie Baustraße, hartgewalzt mit viel Stein und Kies): Aua! Mehrfach spitze Steine in die Ferse gerammt, Laufstil wird zur Hommage an Augsburger Puppenkiste.
Trail (steinig und wurzelig): Laufen geht gar nicht, zu schmerzhaft und wohl auch gefährlich. Lieber wieder zurück aufs kleinere Übel Forstweg.
Zuhause: Fersen tun weh. Rechte Achillessehne schmerzt am Muskelansatz. Schmerz auch nach 2 Tagen nicht weg.
Fazit: Großartig bis zur Gesundheitsgefährdung. Werde das im langsameren Tempo auf weichen Untergründen und kürzeren Strecken wiederholen. Spätestens in zwei Monaten, wenn Achillessehne wieder hält.
Nachdem die ungewohnten Randerscheinungen an Bändern und Sehnen doch schneller als erwartet abgeklungen waren, nun gleich im Anschluss der zweite Selbstversuch im Modell 'Speed' inkl. Zehensocken: Die Ergebnisse fielen recht eindeutig aus:
Asphalt: Wieder leicht und beschwingt. Reduktion des Barfußgefühls gegenüber Five Fingers 'Classic' kaum spürbar. 10% Gefälle auf nassem Asphalt hinuntergesprintet - Traktion wie Adlerkralle in Tartan. Mit Speedcross 2 wäre dieser Stunt zur lebensgefährlichen Rutschpartie geworden.
Waldweg (fester Erdboden, gelegentliche Wurzeln): Ein Laufsteg der Geschmeidigkeit. Die 'Schuhe' sind in ihrem Element. Und ich erst.
Schlamm: Auch die 'Speeds' werden durch die Sohle feucht. Egal. Wieder hoher Spielkind-Spaßfaktor und auch kein 'Nachpatschen' wie bei klassischen Laufschuhen. Welcher realitätsfremde Designer hat diesen Dingern weiße Schnürsenkel verpasst?
Forstweg (Belag ähnlich wie Baustraße, hartgewalzt mit viel Stein und Kies): Spitze Steine sind immer noch spürbar. Egal. Die Dämpfung reicht gerade eben, um kaum Einbußen bei Geschwindigkeit und Laufstil hinnehmen zu müssen.
Trail (steinig und wurzelig): Der größte Unterschied zu den 'Classics'. Grip und 'Straßenlage' werden zur Einstiegsdroge. Steiler, wurzeliger Anstieg kein Problem, geradezu hinaufgeflogen. Reiße Shirt vom Leib und kann Urschrei kaum unterdrücken.
Zuhause: Verschwitzt. Hohes Tempo war nicht geplant, ergab sich aber fast zwangsweise. Diese 'Speeds' sind der Roadster unter den Laufschuhen. Und damit meine ich nicht Smart Cabrio, sondern Murciélago. Leichter Schmerz unter den Zwillingsmuskeln, aber nach zwei Tagen unter Kontrolle.
Fazit: Wenn's nach Darwin geht, werden unsere Füße in 50.000 Jahren genau das leisten, was wir heute erlebt haben. Anders gesagt, mit den 'Speeds' können wir heute schon tragen, was die Evolution erst in 3.000 Generationen für uns bereithält. Hm. Oder vor 3.000 Jahren schon für uns bereitgehalten hatte. Kleiner Haken: Evolutionärer Vorteil gilt nur für diejenigen, die das Thema Fortpflanzung weitgehend hinter sich haben. Mit dieser unorthodoxen Fußbekleidung reduziert man die Chancen auf der Balz wahrscheinlich uneinholbar.
Marvin Running