








Hallo liebe Leserinnen und Leser des Lurches,
an erstere gleich der AUSDRÜCKLICHE Hinweis: die folgenden Zeilen sind: politisch nicht korrekt, können chauvinistisch ausgelegt werden, einseitig, et et et - aber sie sind bestimmt NICHT frauenfeindlich zu vertehen!!! Ok? Gut, denn los.
Letzten Samstag ergab sich diese sehr seltene und außergewöhnliche interplanetare Konstellation, dass nicht ich, sondern die Frau vom Lurch einen Wettbewerb hatte. Jahaaa, auch die Frau vom Lurch frönt dem Ausdauersport. Noch viel besser, von ihr habe ich das "Laufen" gelernt, aber das ist ne andere Geschichte ;-).
Nach langer verletzungsbedingter Abstinenz hieß es für sie nun, die Schuhe einpacken und ab nach Köln zum Womens-Run. Ich natürlich mit, wollte mir die sportliche Wiedergeburt meiner Holden ja nicht entgehen lassen, da MUSSTE ich live dabei sein. Den Wagen stellten wir etwas abseits des Tanzbrunnens ab und begaben uns zu Fuß zum Startbereich. Schon in der Unterführung des Deutzer Bahnhofs wurde mir klar, was auf mich zu kommen würde. Das Geschnatter der vor uns gehenden ca. 20 Teilnehmerinnen schwoll im Tunnel zu einem beängstigenden Stakkato an, so dass ich zum ersten Mal meinen MP3 Player schmerzvoll vermisste. Nicht zum letzten Mal, wie sich später herausstellte.
Dann der Tanzbrunnen, für heute ausgemachte Frauenbesitszone. Freunde, ich sage euch, was da auf meine Netzhaut einprasselte stellte jedes Techno-Trance-Video lächelnd in den Schatten. Pink, die Welt war schlagartig PINK. So viele Tranquilizer kann einer alleine gar nicht schlucken. Unfassbar! Nachdem ich mich vom Schock erholt hatte und meine Augen den Farbenflash überwunden hatten, erkannte ich Details. Von den avisierten 5000 Teilnehmerinnen trugen 4990 das ausgegebene pinke T-Shirt mit der Aufschrift "Favoritin" oder das des Vorjahres. Wobei die Wortbedeutung ja eher auf eine "bevorzugte Geliebte" hinweist (ergo die Existens eines Harems nicht ausschließt) was mich etwas versönte. Ich kam mir vor wie auf dem jährlichen Treffen der Duracellhasen. Fehlten nur noch die Trommel und der Püschel.

Zahlreiche Sponsoren hatten ihre Verkaufsstände aufgebaut und ich dachte mir: "Prima, kannste shoppen gehen während deine Holde die Kilometer abhechelt." Tja Freunde, was soll ich sagen - geschnitten!!! Nur, und sowas von ausschließlich Frauengezumpel! Sportschuhe -für Frauen, Sportunterwäsche -für Frauen, Sportsocken -klar in Pink nur für Frauen, Fittnesgeräte -für Frauen, sogar am Bierwagen nix für Männer, kein Pils - nur Kölsch! Ein Stand pries einen Fieberglas-Prügelstab als "Cellulite-Killer" an, wobei eine von mir sofort durchgeführte repräsentative Umfrage unter den Teilnehmerinnen ergab, das sowas wie Cellulite hier gar nicht existierte. Krasse Fehlbelegung, falsche Zielgruppe, oder? Lediglich ein "immens" großer Elektronikkonzern mit dem "S" vor dem Namen bewies Rückrat und präsentierte den Frauen ihr neues Spielzeug in unverfänglicher und zwangloser Atmosphäre. Das nenne ich mal gelungenes Productplacement.
Ansonsten hätte ich die ganze Veranstaltung locker wegen der Nichteinhaltung des AGG stilllegen lassen könnnen. Nix für die Herren der Schöpfung da, garnix. Sogar die Herrentoilette wurde mit großer Selbstveständlichkeit von Frauen benutzt. Definitiv kein Schutzraum für Männer vorhanden. Hier gilt es für den Veranstalter fürs nächste Jahr unbedingt nachzubessern.
Der Starttermin rückte näher und die letzten Schönheiten holten sich ihre Startunterlagen.
Ob der Knabe hier auf dem Weg zum Umziehen ist - wir sind ja schließlich in Köln- oder nur seiner dominanten Heroin den Koffer hinterher trug, konnte ich nicht klären.

Dann rief der Sprecher zur Aufstellung in den Startbereich und alle Teilnehmerinnen folgten brav seiner Stimme. Das hat der Knabe weidlich genossen. Etwa 2500 Frauen hörten auf sein Kommando was er schamlos ausnutzte, übrigens OHNE jeglichen Protest von Seiten der Damen. Die genossen augenscheinlich das Armehochspiel und die La Ola und als er dann auch noch Kölsche Karnevalslieder (wo war mein Mp3???) auflegte, kochte der Kessel. Sie waren willenlos und es gelang ihm sogar mit einmaliger Aufforderung das gesamte Starterinnenfeld 50cm nach hinten zu beordern. Probiert das mal zu Hause, "Schatz, könntest du nen halben Meter hinter die Couch?" Doch dann offenbarte er eine krasse Schwäche. O-Ton " Mädels, passt auf wenn ihr gleich loslauft, da kommt ein scharfer Knick nach rechts". Entsetzte Gesichter in der Fankurve. Der Geschlechtsgenosse neben mir kommentierte lapidar "Schatz, das andere rechts!!!" Ob sie es gehört hat, ich weiß es nicht. Dann durften die Starterinnen auf Komando ihre Luftbalons steigen lassen und ein weiterer Mitgeschleifter konstatierte "Nu is die Luft schon vorm Start raus."

Die Stimmung in der Fankurve war gut, überwiegend völlig verhausschweinte Kollegen,die sich hinter der Kamera verschanzten um zu zeigen, dass sie ja hier in wichtiger Mission waren, galt es doch DAS Sportereignis der Gattin digital zu bannen. Neben mir hielt ein stolzer Pappa seinen Windelpuper stolz auf dem Arm, war aber völlig überfordert, als wir Umstehenden den ausströmenden Geruch seinem Sprößling zuordneten und ihn zum wechseln der Windeln aufforderten. Andere versuchten der Angebeteten mit enthusias-tischen Zurufen die Zuneigung zu demonstrieren. Einer übertrieb es und rief:

"Schatz, schon müde??? Nicht mehr weit, nur noch 4990 Meter!!" was ihm Blicke einbrachte, die auch die umstehenden Leidensgenossen zum Schweigen brachte. Da blieb die Küche am Abend garantiert kalt, dafür würde bestimmt heiß diskutiert.
Ich checkte kurz, das auch die Frau vom Lurch den richtigen Weg genommen hatte und begab mich zum Futterbunker. Schließlich verbraucht das Anfeuern schrecklich viele Kalorien. Ich bestellte mir einen Sportlerteller und genoß die eingekehrte Ruhe...

Doch mit der war es nicht weit her. Ich hatte gerade das letzte Kohlenhydratstäbchen mit Sojabeilage vertilgt, da rief der Sprecher auch schon, er könne die Führende sehen.
WOUW, nach grob 18 Minuten hatte die Gute die Strecke abgerissen. An dieser Stelle ein ernst gemeinter Glückwunsch an sie und alle anderen Finisherinnen des Events! Der Lauf war gut organisiert und der Veranstalter ging in bewundernswerter Weise auf die individuellen Bedürfnisse der Starterinnen ein. So hatte er nach 2,5km einen Beautystopp eingerichtet, an dem der Liedstrich nachgezogen, die Frisur korrigiert und der Durst mit linksdrehendem Mineralwasser gestillt werden konnte. Dann gings weiter auf der anderen Rheinseite und wieder retour Richtung Messegelände. Auch die Frau vom Lurch erschien alsbald fliegenden Fußes in Zielnähe und beendete zufrieden ihren Lauf.
Hier komme ich zu einem weiteren Kritikpunkt der Veranstaltung: der Zieleinlauf. Das geht gar nicht, lieber Veranstalter!!!

Eine Treppe keine 50 Meter vor dem Ziel, noch dazu mit teilweise brüchigen und ausgetretenen Stufen. Nicht alle Teilnehmerinnen balancierten das Gefälle so graziös aus wie die hier abgelichtete Läuferin. Einige bremsten abrupt wie das Pferd vorm Ochser wodurch nachfolgende Läuferinnen aufliefen wie im Stau auf der A40. Soweit ich das mitbekommen habe ist nix passiert, was ich aber eher unter "Glück gehabt" verbuchen würde. Da gehört ne Holzrampe mit Teppich hin damit der Zielsprint auch durchgezogen werden kann.
Ach ja, wo ich grad beim Nörgeln und Verbessern bin. Lieber Hersteller dieser bestimmt sauteuren Doppeldecker-superbereiften-Alufahrwerk-Kinderschubkarre

Warum hat das Teil zum Teufel keinen Becherhalter??? Denkt doch auch mal an uns.
Was gab's noch? Nun, an Stelle des Veranstalters würde ich den Run mit der Gamesconvention zeitgleich abhalten, da könnten wir in der Zwischenzeit en büschen Daddeln, wenn er schon keine Sessel aufstellt wie es ja mittlerweile in großen Modehäusern für uns getan wird. Für Singlemänner ist diese Veranstaltung übrigens ein Geheimtipp. Ihr müsst nur genügend Rückrat haben nach dem Lauf der auserkorenen Dame des Herzens eine Massage und/oder die Begleitung zum Italiener der Wahl anzubieten.
Ach und vergesst eure Sonnenbrille nicht, denn auch nächstes Jahr ist das T-Shirt wieder grell pink!!!
Gruß Lurch