Erstellt von: lurch
in Blogs am 06. Oktober 2010
Hallo liebe Leser,
an sich bin ich ja eher ein Freund von ganzen Sachen, aber wenn es um einen Marathon geht begnüge ich mich -vorerst- mit einem Halbmarathon. Am Sonntag den 26.09. war es für mich wiedermal so weit. Der Waldmarathon in Velmede-Bestwig stand an. Letztes Jahr habe ich hier auch teilgenommen und gefinished, was allerdings wenig Spaß machte, da ich ab km 11 mehr ging als lief weil mir ein Zeh urplötzlich sehr weh tat. Ich hatte also sozusagen noch eine Rechnung offen.
Wie toette schon schrieb handelt es sich um einen kleinen Lauf gemesssen an der Zahl der Teilnehmer. Am Halbmarathon haben sage und schreibe 6 Läuferinnen und 40 Läufer teilgenommen. Nebenbei: eine gute Chance für ambitionierte Treppchenaspiranten Pokale abzustauben ;-). Für mich wieder einmal der lange Dialog zwischen innerem Schweinehund und Ehrgeiz.
Warum? Nun, es gilt ~425 Höhenmeter auf hügeligen Schotterwaldwegen zu bewältigen. Bergab hilft mir da die Erdanziehung, aber für den Anstieg hab ich noch keine von außen wirksame Hilfe gefunden.
Das Profil erinnert stark an ein Sägeblatt, hoch oder runter. Geradeaus ist da sehr selten im Programm. Dank der Verlegung des Startbereiches war das auch diesmal direkt zu sehen, ca 15 Meter hinter der Startlinie ging es steil eine geschotterte Einfahrt hoch. Doch der Reihe nach. Das Wetter war entgegen allen Vorhersagen prima. Die Sonne schien wie bestellt nur die Temperatur war irgendwo falsch abgegeben worden. Um 10.00 Uhr waren es noch deutlich unter 10°C! Brrrrrr. Die Anmeldung ist gut organisiert und ich zahle meine 8 €, ja richtig, so preiswert kann das sein. Hier wird mir auch klar warum mich Rainer vom Lauftreff so gerne begleitet hat obwohl er aus gesundheitlichen gründen diese Jahr nicht startet. Eine Tischtennisplatte randvoll mit selbstgebackenen Kuchen wartet auf hungrige Läufer und deren Begleitung. Wärend er sich also mit den sinnentlehrtem Carboloading beschäftigt mache ich mich etwas warm. Zugegeben, mein Triathlon-Top in Kombination mit einem Funktionsringershirt ist augenscheinlich nicht die beste Garderobe aber ich bin ja zum Laufen hier und nicht zum stehen. Nach dem Startschuß um 11 gehts steil hoch auf die Straße. Hier habe ich schon nach 50m meine Solltemperatur erreicht und auf der sich anschließenden Kuhweide zeigt jeder Teilnehmer sein Ballancegefühl indem den Kuhfladen möglichst elegant ausgewichen wird. Natur pur halt.
Die gesamte Strecke führt durch den Wald und das zu 90% über geschotterte Wege. Da es am Vortag ordentlich geregnet hatte waren sie fein ausgespült und so wurden die Füße bei jedem Schritt fein mit Akkupressur versorgt. Hier sind unbedingt Cross-Schuhe angesagt, keine Asphalttreter!
Nach kurzer Zeit finde ich einen annähernd gleich schnellen Begleiter, -grüß dich Ludwig- und wir bestreiten den vor uns liegenden Weg gemeinsam. Was für mich zur mentalen Zerreißprobe wird. Warum? Weil der Gute locker neben mir her zockelt, erzählt er trainiere eher selten bis nie, habe Spaß am Laufen aber die Brauereibesichtigung am Samstag wäre doch wohl etwas heftig ausgefallen. Menno!!! Ich trainiere seit 2 Jahren akribisch nach Plan und dieser Freizeitläufer joggt locker neben mir her und läßt sich partout nicht abschütteln. Was solls, bessere Gene. Bergab ziehe ich etwas weg, bergauf holt er mich halt wieder. Nach gut 11km ist er dann 100m vor mir aber das stört mich nicht. Denn ich merke wie gut es für mich läuft. Alle 5km nehme ich meine Zwischenzeit und ansonsten kümmert mich meine Pulsuhr recht wenig. Das ich Puls habe merke ich weil er recht weit oben ist und meine Kühlflüssigkeit tropft auch aus allen Pooren, also alles so wie es muss.
An den gut postierten Verpflegungsständen halte ich mich nicht lange auf, Mineralwasser mit!!! Kohlensäure ist eh nix für mich, Iso brauch ich nicht, hab ja meinen 1.Endurance Shot ( sehr zu empfehlen) und auf Jugendherbergshagebuttentee hab ich auch wenig Lust. Rechts und links schöne Wälder im Herbstlaub, Pilze, Karnickel, Fasane. Einfach prima.
Bei mir geht noch was merke ich bei Km 18. Ich mobilisiere alle Reserven und versuche auf die 2:15 zu kommen. Ich weerde von den ersten Marathonis überholt. Wahnsinn was die nach der Strecke noch für ein Tempo drauf haben. Die letzte Steigung zieht mir jedoch den Zahn recht schnell und ich bin völlig alle als ich nach 2:16 ins Ziel komme. Fast 10 Minuten schneller als im letzten Jahr. Yeehaw !!!!
Super Stimmung hier 'unten'. Das Grillgut duftet, noch Kuchen da, der Kaffee lecker, die Urkunde ist schon gedruckt, heiße Duschen zum aussuchen, alles Argumente die für diesen Lauf sprechen, wenn, ja wenn nur diese verflixt anstrengenden Höhenmeter nicht wären.
Ich sag' mal ich komme wieder, evtl. sind die Berge bis dahin ja etwas flacher geworden. Man weiß ja nie.
Fotos reiche ich nach, die werden von den zahlreichen Streckenposten gemacht und unentgeldlich auf Anfrage verschickt.
Ihr seid einfach töfte beim TUS Lauftreff Velmede-Bestwig! Danke.
Euer Lurch