Ziele und ihre Erreichung

Erstellt von: girasole in Blogs

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girasole
 Heute ist es also so weit, Renntag 10 Kilometer.

Seit Wochen habe ich mich darauf vorbereitet. Die AA-Läufer haben mich angefeuert, mitgefiebert und aufgebaut.

 

Heute liegt es allein an mir. Bin ich wieder fit nach der Erkältung letzte Woche? Habe ich gut trainiert? Macht der Kopf mit?

Der Start ist erst am Nachmittag, genug Zeit, sich nervös zu machen. Tu ich aber nicht, ich verbringe den Samstag wie immer: Haushaltsvergnügen. Nur auf ordentlich essen und trinken achte ich, das ist wichtig.

Gegen Mittag sammel ich alles zusammen, Klamotten für alle Lebenslagen (warm, kalt, naß) und mach mich auf den Weg. Das Wetter ist gnädig, die Schauer klingen noch auf der Anfahrt ab und ich kann mich trocken einlaufen. Beim Einlaufen sauge ich die Atmosphäre auf, orientiere mich und vergleiche, was die anderen Läufer so anhaben. Ok, kurze Laufhose und leichtes Langarmshirt. Aber die Strecke ist ganz schön matschig. Zum Teil besteht sie aus (frisch aufgeschüttetem) Schotter, ein Teil sind Waldwege, ideal für Bestzeit ist was anderes.

Zum Startschuss ordne ich mich recht weit vorne ein, da gehöre ich heute hin. Und schon geht es los.

Nicht zu schnell angehen, sehen, wie weit die Kräfte nach der Krankheit reichen, lieber einen negativen Split laufen, so der Plan. Klappt nicht ganz, aber recht schnell bremse ich mich auf ein vernünftiges Tempo ein. Das Starterfeld sortiert sich, sehr lustig, wer da teilweise kopflos an mir vorbeirennt. Wartet nur, euch seh ich wieder, denke ich mir.

Aber leider, leider, die Leichtigkeit vom 6-km-Lauf vor zwei Wochen stellt sich nicht ein. Mit Blick auf die Pace muss ich mich ständig antreiben, es klappt schon so weit, aber locker-leicht ist anders. Ich hänge mich an eine Läuferin, die sich förmlich dazu anbietet. Sie sieht frisch aus und ist in meiner Preisklasse unterwegs. Sie zieht mich brav 5 km lang, ich muss "nur" zusehen, nicht abreisen zulassen.

Die Kilometer 7 und 8 sind am schwersten, meine Lunge rasselt etwas (Gruß von den bösen Erkältungsviren), die Kraft lässt nach, der rechte Oberschenkel zwickt. Die Läuferin vor mir zieht an, und da passiert es: ich muss abreißen lassen. Überhaupt werde ich nun überholt, das kenne ich nicht und das mag ich nicht. Jetzt werde ich mein eigener Motivationscoach: Macht nichts, das war ja zu erwarten, lauf einfach das, was Du kannst, du musst heute nicht zaubern! Du liegst noch auf Kurs, Fabelzeiten sind heute nicht zu erwarten, schnaufen und laufen, bring es heim und es wird eine ordentliche Zeit.

Ein Teil von mir mag einfach bei dem nächsten Streckenposten stehen bleiben. Ich bin doch krank, die Wege erlauben keine Topzeit, alles doof. He, halt mal, willst Du heute Ausredenkönigin werden oder Bestzeit laufen? Grade rechtzeitig startet der Nachbrenner. Die letzten 1,5 Kilometer gehen wieder, Endspurt fällt äußerst dürftig aus, aber die Zielzeit ist "eigentlich" ok: 47:42

Ich darf gar nicht dran denken, was ohne Erkältung und auf Teer heute möglich gewesen wäre. Aber gut, das war heute wirklich das maximal machbare. Und so bin ich mittlerweile stolz, meine alte Bestzeit um fast 7 Minuten pulverisiert zu haben. Bei meiner "Zugläuferin" habe ich mich im Ziel bedankt, sie hat mir noch eine gute halbe Minute abgenommen.

 

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