Klemens Wittig hats geschafft. Auch als 75-Jähriger ist er Europameister (Foto: Klemens Wittig).
Klemens Wittig ist ein Phänomen. Der 75-Jährige läuft den Marathon in 3:17:37 und ist auch sonst fit wie ein Turnschuh. Hier erklärt der passionierte Läufer, wie man durch fünf einfache Tipps zum Läufer wird und so sein Leben um gesunde Jahre verlängern kann.
1. Mit dem Laufen anfangen
Wichtig ist erst mal, dass du loslegst. Einfach rausgehen, eine Runde drehen. Spüren, wie der Puls pulsiert, der Kreisläuft läuft und das Herz pumpt. Spüren, wie die Bewegung dem Körper und dem Geist guttut. Mache dich gerade am Anfang nicht verrückt. Niemand erwartet Höchstleistungen. Fang einfach mal an. Lauf los.
Zur Person: Klemens Wittig, Jahrgang 1937, ist einer der erfolgreichsten Seniorensportler des Landes. Der für den LC Rapid Dortmund startende Läufer hat allein in 2012 zwölf neue deutsche Rekorde für die Altersklasse Männlich 75 aufgestellt, von 800 Metern bis zum Marathon. Bei der Senioren-EM 2012 gewann er fünf Goldmedaillen. Seine Marathonzeit 3:17:37 Stunden bedeutet Europarekord. In der Altersklasse 70 ist er bereits zwölffacher Senioren-Weltmeister. Wittig lebt in Dortmund, ist verheiratet, hat zwei Töchtern und vier Enkel.
Klemens Wittig: "Bevor man richtig loslegt, sollte man sich ärztlich untersuchen lassen und ein Belastungs-EKG machen. Das ist wichtig. In moderatem Tempo. Sodass man sich noch gut unterhalten kann. Danach empfehle ich, drei Mal die Woche etwa 45 bis 60 Minuten laufen zu gehen. Am Anfang sollte man mit einer maximalen Herzfrequenz von 65 bis 75 Prozent starten. Schon nach zehn, 15 Einheiten wird man Erfolg sehen."
2. Prioritäten setzen
Irgendwann vor fast vier Jahrzehnten hat sich Klemens Wittig, der Raucher, entschieden, Läufer zu werden. Er schmiss die Kippen in die Ecke und schmiss auch sein Leben um. Er lief in den Wald, trainierte, nahm an Volksläufen teil, steigerte sich und gab sein Debüt beim Duisburg-Marathon – als 49-Jähriger. Er entschied: 90 Kilometer pro Woche, mehr mache ich nicht. 1986 war das. Bis heute macht er das so. Seine Marathonzeit von 3:17:37 Stunden ist Europarekord und die zweitschnellste Zeit, die weltweit je in der Altersklasse M 75 gelaufen wurden. Klingt wie ein Märchen? Es ist die Realität. Und es begann mit einer Entscheidung. Wer loslaufen will, braucht ein Ziel. Setze dir eins. Werde dir darüber klar, dass du nur zu deinem Ziel kommst, wenn du dranbleibst.
Klemens Wittig: "Als ich meinen ersten Fünf-Kilometerlauf absolvierte, habe ich nach 3,5 km aufgegeben. Da hätte ich nie gedacht, dass ich mal Marathoni werde. Man muss Prioritäten setzen – nur so überwindet man den inneren Schweinehund. Hat man sich einmal entschieden, Marathon zu laufen, läuft das Training fast von selbst. Dann muss man raus, ob es regnet oder nicht. Ich kann nicht verstehen, wenn Leute nur auf der Couch hängen und dann bei den kleinsten Anforderungen nicht mitkommen."
3. Gewohnheiten auf den Prüfstand stellen
Was hochtrabend klingt, ist im Grunde ganz einfach. Wer das Rauchen aufgibt, dem Alkohol die kalte Schulter zeigt und sich so oft es geht bewegt, macht erstmal vieles richtig. Wer dann noch auf seine Ernährung achtet, ausreichend schläft und sich auch mal entspannen kann, ist auf dem Weg zum Läuferstar. Naja fast, ein bisschen trainieren muss man auch.
Klemens Wittig: "Meinen Töchtern, die gerade zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, sage ich immer: Das ist eine ganz wichtige Phase. In dieser Zeit werden die Weichen gestellt, um später Herz- und Kreislaufprobleme vorzubeugen. Generell gilt das Motto: 'Essen und trimmen muss stimmen'."
4. In Bewegung bleiben
Autos, Fahrstühle, Rolltreppen sollen uns das Leben erleichtern, doch in Wirklichkeit verweichlichen sie uns. Schon nach vier Treppenstufen geht uns die Puste aus, 100 Meter zu Fuß sind eine Qual und drei Minuten Schlangestehen an der Kasser fordert uns alles ab. Schluss damit. Wir bleiben in Bewegung. Wir gehen, spazieren, meinetwegen walken, und rennen wieder. Ob Purzelbaum im Kinderzimmer, Handstand am Strand oder Einradfahren auf dem Marktplatz – alles ist okay, solange wir unseren Körper wieder mal etwas abverlangen. Bewegt euch.
Klemens Wittig: "Die Ursachen von Gliederschmerzen und Übergewicht liegen doch in der mangelnden Bewegung. Ich habe als Kind schon auf der Obstplantage gearbeitet. Da haben wir in jeder freien Minute gepflückt, gemacht und getan – und dabei haben wir ohne Ende Obst gegessen. Ich sage immer allen: Bewegt euch! Bewegt euch! Bewegt euch! Ob radfahren, laufen, schwimmen, skaten oder walken. Egal was, egal wie. Hauptsache Bewegung."
5. Richtig laufen
Bist du erst mal an diesem Punkt angekommen, hast du dir Lob verdient. Jetzt ist es wichtig, dass du am Ball bleibst und dich nicht durch falschen Ehrgeiz in den Keller trainierst oder dich durch zweifelhafte Trainingsmethoden verletzt. Informiere dich über die richtige Ausrüstung, die geeigneten Regenerationsmethoden, über abwechsungsreiche Laufstrecken oder fundierte Trainingspläne.
Klemens Wittig: "Bei uns im Lauftreff – ich bin Lauftreff-Leiter – , sind wir rund hundert Leute, 40 bis 60 sind immer anwesend. Die Läufer sind zwischen 30 und 75 Jahre alt. Kaum einer nimmt Tabletten, und das, obwohl viele gesundheitliche Probleme hatten, als sie zu uns kamen. Was die Ausrüstung angeht, braucht man nicht viel. Bestens gedämpfte Laufschuhe sind allerdings wichtig. Ich habe sieben Paar, zwei leichte, fünf andere. Ich wechsele jeden Tag den Schuh, damit die Gelenke nicht immer gleich belastet werden. Ansonsten brauche keinen technischen Schnickschnack. Auch sollte man sich nicht zu warm anziehen. Warm wird man von ganz alleine."
Fotostrecke: 75-jähriger Rekordjäger: Welt- und Europameister Klemens Wittig
Klemens Wittig ist eine Ausnahmeerscheinung im Senioren-Laufsport. Der 75-Jährige ist mehrmaliger Deutscher Meister, Europa- und Weltmeister in verschiedenen Disziplinen und Altersklassen. Dabei hat er erst mit Ende 40 mit dem Laufen begonnen. 2012 gewann er fünf Mal Gold bei den Europameisterschaften in Zittau.
(Foto: Klemens Wittig)
Dieses Foto stammt aus dem Jahr 2007. Da wurde Wittig Cross-Weltmeister seiner Altersklasse.
(Foto: Klemens Wittig)
Siegerehrung bei der EM 2008 in Ljubljana. Er gewann die 1.500 Meter, den Marathon und die Marathon-Staffel. Insgesamt hat Wittig schon neun EM- und zwölf WM-Titel gesammelt.
(Foto: Klemens Wittig)
Bei dem München-Marathon 2012 stellte er den neuen Europarekord im Marathon auf: 3:17:37 Stunden – eine Zeit, bei der viel Jüngere ungläubig staunen. Zum Vergleich: Wunderläufer Achilles, Jahrgang 1964, ist noch nie schneller gelaufen als 4:06.
(Foto: Klemens Wittig)
Klemens Wittig in Reihen seiner Konkurrenten beim 1.500-Meter-Lauf bei der EM 2012 in Zittau. Am Ende gewann – natürlich – Klemens Wittig.
(Foto: Klemens Wittig)
Klemens Wittig im Kreise seiner Familie. Seine Frau ist auch schon Marathon gelaufen. "Die ganze Familie ist sportlich", sagt Wittig. "Es färbt also ab." Wittig ist nominiert für den "Sportler des Jahres", Kategorie Senioren.
(Foto: Klemens Wittig)
Wittigs großes Ziel ist die Senioren-Leichtathletik-WM in Porto Alegre, Brasilien, 2013. Danach werde er nachdenken, wie es weitergehen soll, sagt er.
(Foto: Klemens Wittig)
Klemens Wittig ist eine Ausnahmeerscheinung im Senioren-Laufsport. Der 75-Jährige ist mehrmaliger Deutscher Meister, Europa- und Weltmeister in verschiedenen Disziplinen und Altersklassen. Dabei hat er erst mit Ende 40 mit dem Laufen begonnen. 2012 gewann er fünf Mal Gold bei den Europameisterschaften in Zittau.
(Foto: Klemens Wittig)
Dieses Foto stammt aus dem Jahr 2007. Da wurde Wittig Cross-Weltmeister seiner Altersklasse.
(Foto: Klemens Wittig)
Siegerehrung bei der EM 2008 in Ljubljana. Er gewann die 1.500 Meter, den Marathon und die Marathon-Staffel. Insgesamt hat Wittig schon neun EM- und zwölf WM-Titel gesammelt.
(Foto: Klemens Wittig)
Bei dem München-Marathon 2012 stellte er den neuen Europarekord im Marathon auf: 3:17:37 Stunden – eine Zeit, bei der viel Jüngere ungläubig staunen. Zum Vergleich: Wunderläufer Achilles, Jahrgang 1964, ist noch nie schneller gelaufen als 4:06.
(Foto: Klemens Wittig)
Klemens Wittig in Reihen seiner Konkurrenten beim 1.500-Meter-Lauf bei der EM 2012 in Zittau. Am Ende gewann – natürlich – Klemens Wittig.
(Foto: Klemens Wittig)
Klemens Wittig im Kreise seiner Familie. Seine Frau ist auch schon Marathon gelaufen. "Die ganze Familie ist sportlich", sagt Wittig. "Es färbt also ab." Wittig ist nominiert für den "Sportler des Jahres", Kategorie Senioren.
(Foto: Klemens Wittig)
Wittigs großes Ziel ist die Senioren-Leichtathletik-WM in Porto Alegre, Brasilien, 2013. Danach werde er nachdenken, wie es weitergehen soll, sagt er.