"Sport steigert die Lust auf Sex"

Geschrieben von: Wendelin HĂŒbner
laufen und sex

Viele LĂ€ufer glauben, der SchlĂŒssel zum Erfolg liegt in der Enthaltsamkeit. Ein Irrtum, sagt Sexualmediziner Michael J. Mathers und rĂ€t vor dem Wettkampf zu amouröser Exstase. Und auch umgekehrt gilt: Wer Sport treibt, vermehrt das Verlangen.

 

Achim-Achilles.de: Herr Mathers, warum macht Sport mehr Lust auf Sex?

Michael J. Mathers: Besonders durch Ausdauersport wird der Testosteronspiegel erhöht, was die Libido steigert. Außerdem wird der Genitalbereich stĂ€rker durchblutet. Das verbessert die ErektionsfĂ€higkeit. Auch bei Frauen steigert Sport das sexuelle Verlangen.

Testosteron hin oder her – haben Sportler nicht einfach mehr Lust auf Sex, weil sie sich in ihrem Körper wohler fĂŒhlen?

Sicher, die psychische Komponente ist nicht unwesentlich, vor allem, was die Lust der Frauen betrifft. Aber wenn man ausschließlich die KörpervorgĂ€nge betrachtet, ist das SchlĂŒsselhormon das Testosteron: Wird seine Bildung durch Sport stimuliert, steigt auch die Lust auf Sex.

Das heißt, ich mĂŒsste nach dem Training besonders viel Verlangen verspĂŒren?

Nein, der Effekt ist eher langfristig und auch nicht so drastisch wie bei kĂŒnstlich zugefĂŒhrtem Testosteron.
 
Dr. Michael J. Mathers, geboren 1961 in den USA, studierte Medizin in MĂŒnchen, Bonn, Boston und Baltimore. Für seine Habilitation forschte er
über mĂ€nnliche Sexualstörungen. Mathers arbeitet als Urologe in Remscheid.

Wie viel muss man trainieren, um die Manneskraft zu stÀrken?

Am besten man treibt zwei, drei Mal die Woche rund 30 Minuten Ausdauersport und ergĂ€nzt dies durch gemĂ€ĂŸigten Kraftsport. Dabei sollte man vor allem die untere Partie des Körpers trainieren. Durch Übungen fĂŒr den Beckenboden, zum Beispiel Beinpressen, können MĂ€nner die Durchblutung steigern und eine Verbesserung der Erektion erreichen.

 

"Durch Sport lÀsst sich Impotenz hinauszögern."

 

Was ist mit MarathonlÀufern oder Triathleten: Macht das viele Training nicht vollkommen schlapp?

NatĂŒrlich wirkt sich ein sehr intensives Training auf die Libido aus. Das ist aber kein Effekt, der mehrere Monate anhĂ€lt, sondern der in SchĂŒben kommt. Vor allem nach besonders anstrengenden Trainingseinheiten ist es normal, dass sich die Lust auf Sex in Grenzen hĂ€lt. Auf lange Sicht kommt aber auch dem Sexleben von MarathonlĂ€ufern und Triathleten die positive Wirkung von Ausdauersport zu Gute.

Triathleten sitzen viel auf dem Rad. Man hört immer wieder, dass das impotent machen kann.

Nein, gerade bei Sportlern, die viel Rad fahren, trifft das nicht zu. Diese benutzen den Sattel nĂ€mlich fast nur zum Lenken und haben eine Beckenstellung, die wenig Druck auf den Damm verursacht. Am besten ist, regelmĂ€ĂŸig zu fahren und die Sitzposition hĂ€ufig zu wechseln.

Spielt die Art des Sattels auch eine Rolle?

Ja, der Sattel sollte eine Breite haben, die den Druck auf den Damm gut verteilt. Ansonsten wird der Penis nicht ausreichend durchblutet – und das kann tatsĂ€chlich zu Impotenz fĂŒhren.

Gibt es ein Alter, in dem MĂ€nner besonders von Impotenz bedroht sind?

Es ist eindeutig erwiesen: Ab 50 Jahren nimmt die Impotenzrate zu. Durch Sport lÀsst sich der Zeitpunkt aber hinauszögern.

Kann Sport auch noch helfen, wenn die Impotenz schon eingesetzt hat?

Das hĂ€ngt davon ab, wie ausgeprĂ€gt die erektile Dysfunktion – die Impotenz – ist. Bei Betroffenen, die noch zu Geschlechtsverkehr in der Lage sind, hilft Beckenbodentraining, um die ErektionsfĂ€higkeit zu steigern.

 

"Wer sich vor dem Wettkampf durch Sex wohler fĂŒhlt, sollte es tun."

 

Ist der positive Effekt auf die Potenz ausschließlich auf den Sport zurĂŒckzufĂŒhren? Oder hĂ€ngt er mit einer insgesamt gesĂŒnderen Lebensweise von Sportlern zusammen?

Beides trifft zu. Sport ist ein Programm, das auch im Kopf ablĂ€uft: Man isst gesĂŒnder, raucht nicht und kann Stress besser abbauen. Das hilft auch der sexuellen LeistungsfĂ€higkeit.

Ist Sex vor dem Wettkampf gut oder schlecht fĂŒr die sportliche Leistung?

FĂŒr eine herausragende Leistung ist die psychische Ausgeglichenheit entscheidend. Wer sich also durch Sex wohler fĂŒhlt, sollte es tun. Im Leistungssport sieht man das mittlerweile auch nicht mehr so eng ...

... Sie meinen Fußballer, die im Mannschaftshotel Besuch von ihren Frauen bekommen.

Genau. Man weiß: Die WettkĂ€mpfe werden auch im Kopf gewonnen – und dazu trĂ€gt ein befriedigendes Sexualleben bei.

 

Interview: Wendelin HĂŒbner

 

ACHILLES TV: Achilles trifft Hirschhausen - Haben LĂ€ufer besseren Sex?