Warum Mentaltraining schneller macht

Geschrieben von: David BedĂŒrftig

Viele Leistungssportler setzen auf Mentaltraining. Sie wollen Blockaden lösen und Selbstzweifel abbauen. Mentalcoach David Goldberg ĂŒber hilfreiche Startrituale und Hypnose als Doping.

Achim-Achilles.de: Herr Goldberg, im August 2018 findet in Berlin die Leichtathletik-Europameisterschaft statt. Sehen Sie Sportlern aus der Ferne an, ob sie mental stark oder schwach sind?

Goldberg: Ja, ich achte genau auf die Haltung und Körpersprache. Oft sehe ich Ängste in den Augen oder erkenne sie in der Mikromimik, wenn die GesichtsausdrĂŒcke fĂŒr den Bruchteil einer Sekunde preisgeben, was hinter der Fassade los ist.

Trotz intensiver Vorbereitung können einige Sportler ihre Leistung nicht auf den Punkt abrufen. Warum ist das so?

Goldberg: Oft sind es ehemalige Misserfolge, die Selbstzweifel bewirken. Sie rufen eine Angst hervor, dass sich die Niederlage wiederholen könnte. Im Unterbewusstsein arbeiten Bilder und GlaubenssÀtze wie: "Im Training bin ich immer der Beste, aber wenn es um die Wurst geht, versage ich."

Deswegen muss ich doch nicht gleich schlechter rennen oder springen?

Nicht unbedingt, aber die Muskeln blockieren, der Körper verspannt und nimmt eine Angsthaltung ein. Man ist gehemmt und saubere Bewegungen sind nicht mehr möglich.

Was können Sportler gegen Selbstzweifel tun?

Es geht darum, die eigentlichen Auslöser zu finden. Die meisten Sportler kennen sie gar nicht. Das Unterbewusstsein ist wie eine Blackbox, die alles mitschreibt. Wir finden mit Sporthypnose oder NLP-Techniken die tiefer liegenden Ursachen und lösen die Blockade gezielt auf. Das GefĂŒhl ist befreiend, wie die Lösung der Handbremse.

Hypnose kennen viele nur aus Zaubershows - klingt ein bisschen nach Schabernack oder Esoterik.

Sporthypnose ist was ganz anderes als Showhypnose. Man verliert nicht seinen Willen, im Gegenteil: Die Sportler bekommen alles mit und wir justieren nur das, was der Klient Àndern möchte.

Wie sieht eine Sitzung konkret aus?

Die Sportler sitzen vor mir, schließen die Augen und konzentrieren sich auf meine Worte. Ich fĂŒhre sie dann in eine leichte bis mittlere Trance, in der ich sie entspannen lasse. Oder sie sollen auf dem Ergometer die Leistung simulieren. Der Kopf ist in Trance, aber der Körper bringt wie von alleine die optimale Leistung, sodass ein Automatismus entsteht.

Wie lange muss man Mentaltraining machen, um erste Erfolge zu erreichen?

Oft reichen schon vier Sitzungen fĂŒr wesentliche DurchbrĂŒche.

Können SelbstgesprĂ€che fĂŒr Sportler in Wettbewerbssituationen helfen?

Der innere Dialog hat eine hohe Wirkung - positiv wie negativ. Positive Affirmationen pushen Sportler nach vorne. Man muss sich das wie ein Mantra immer wieder aufsagen: "Ich schaffe das, ich schaffe das." So visualisieren Sportler, wie sie die Ziellinie ĂŒberqueren, das Unterbewusstsein denkt ja in Bildern. Es ist besser, an das Ergebnis zu denken als an den Prozess des Laufens.

Viele Sportler haben Rituale vor dem Start - bringt das was?

Da sind schon Psychospiele mit dabei. Ich habe eine junge Klientin, die gerne lÀchelt, wenn sie auf den Platz geht. Im Sport lacht derjenige, der gewinnt. Wenn sie also in einer erfolgsbewussten Haltung an den Start geht, zeigt sie dem Gegner: Eigentlich habe ich schon gewonnen. So aktiviert man alle KrÀfte, erzeugt positive Bilder in sich selbst und lÀsst keine Angst zu. Dieses mentale Spiel kann man lernen.

Kann ich mit Mentaltraining auch besser regenerieren?

Goldberg: Von der Anspannungsphase schnell in die Regeneration zu kommen, ist fĂŒr Spitzensportler existenziell. Mit speziell erlernten Entspannungstechniken können Sportler sich selbst in Trance versetzen, um die Muskulatur optimal zu auszuruhen und zu regenerieren, SelbstheilungskrĂ€fte freizusetzen und Schmerzen zu lindern. Das richtige Mentaltraining ist also ein ungeheurer und nebenwirkungsfreier Wettbewerbsvorteil. Doping ist dagegen ein Waisenkind.

 

Zur Person: David Goldberg, Jahrgang 1970, ist Facharzt, Mentaltrainer und Hypnosetherapeut. In seiner Rhein-Main-Fachpraxis behandelt er unter anderem Sportler, um ihre Ängste und Selbstzweifel abzubauen und ihre Leistungskraft zu steigern.

 

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