Race Across America – das härteste Radrennen der Welt

Geschrieben von: Wendelin HĂĽbner
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4800 Kilometer auf dem Rad, einmal quer durch die USA: Das Race Across America zählt zu den härtesten Radrennen der Welt. In diesem Jahr mischte ein deutsches Team vorne mit. Einer dieser Helden war Norbert Huber – hier ist sein Rennbericht.

 

Von Norbert Huber

Das deutsche HaBa Ghost Team hat beim Race Across America fĂĽr Furore gesorgt: Die vier Radfahrer aus der Oberpfalz, welche sich zusammen mit ihrer Crew aus Hamburg eineinhalb Jahre fĂĽr das härteste Radrennen der Welt vorbereitet hatten, eroberten den sechsten Platz. Wolfgang Stöckl, Thomas Dommermuth, Stephan Loew aus Weiden und Norbert Huber aus Amberg hatten im Ziel gut 4800 Kilometer mit 30.000 Höhenmeter in den Beinen. 

Am 16. Juni startete das Rennen. Nach der Ankunft vier Tage vor dem Start in Oceanside an der Westküste der USA, südlich von Los Angeles, galt es die Tage vor dem Rennen noch vieles vorzubereiten. Das Begleitfahrzeug und das Wohnmobil mussten vorbereitet und teilweise umgebaut werden, Räder und Fahrzeuge mussten von der Rennleitung abgenommen lassen werden und es gab diverse Vorbesprechungen. Nicht zuletzt versuchten die vier Fahrer, sich in den letzten Tagen in Bewegung zu halten, um die Muskulatur auf Spannung zu halten.

Das Team war eines der wenigen Teams, welches mit nur einem Begleitfahrzeug an den Start ging. Dies hatte den Nachteil, dass bei Wechseln in der Nacht, bei denen der Radfahrer nicht aus dem Lichtkegel des Begleitfahrzeugs kommen durfte, zum Wechsel angehalten werden musste und damit Zeit verloren ging. Dies dĂĽrfte in Summe am Ende wohl rund zwei Stunden gekostet haben. Die Taktik des Teams war relativ einfach. Es gab zwei Schichten mit jeweils zwei Fahrern und zwei Crewmitgliedern. Jede Schicht dauerte zwischen acht und zehn Stunden, wobei innerhalb der Schichten die zwei Fahrer sich je nach Hitze und Anstiegen abwechselten – in der Regel  aber jeweils neunzig Minuten im Sattel saĂźen. Eine Schicht bildete Loew und Huber, die zweite Schicht Dommermuth und Stöckl.

Schlafprobleme in der WĂĽste

Den Start ĂĽbernahm der 53-jährige Stephan Loew. Gestartet wurde am Samstag, 16. Juni, ab 12 Uhr mittags in Ein-Minuten-Abständen der Teams. Das HaBa Ghost Team war um 12.09 Uhr an der Reihe. Auf dem Weg zur OstkĂĽste mussten drei Zeitzonen ĂĽberwunden werden, so dass die rechnerische Startzeit an der OstkĂĽste 15.09 Uhr betrug. In der ersten Schicht waren noch etliche Kontakte zu anderen Teams vorhanden, dann aber zeigten sich sehr schnell Leistungsunterschiede. Die Oberpfälzer mit ihrer Hamburger Crew reihten sich in den ersten Timestations auf dem siebten Platz unter den Vierer-Teams ein. 

 

Fotos vom HaBa Ghost Team

 

Norbert Huber hatte gleich am ersten Tag beim Durchqueren der Moyave Wüste zu wenig getrunken und war leicht dehydriert. Appetitlosigkeit und Schlafprobleme waren die Folge. Da auch die kommenden Tage mit bis zu 42 Grad irre heiß waren und die Belastungen schnell aufeinander folgten konnte sich der 40-Jährige nicht erholen und quälte sich die ersten beiden Tage. Huber selbst hatte bereits Zweifel, ob er das Rennen überhaupt beenden würde können.

Doch nach zwei Tagen und für ihn der ersten Nachtschicht bei angenehmen Temperaturen erholte er sich und spulte auf dem restlichen Weg ein unglaublich hohes Tempo ab. Auch Wolfgang Stöckl hatte am zweiten Tag Probleme, konnte sich aber schneller erholen. Für den einarmigen Sportler waren dann aber die starken Seitenwinde in Kansas mit bis zu achtzig Stundenkilometern ein großes Problem. Mit einem Arm konnte er das Rad kaum festhalten und musste meist nach 45 Minuten entkräftet vom Rad. Stöckl und Stephan Loew entwickelten sich zu den Bergziegen. Bereits am zweiten Tag in den Ausläufern des Gran Canyons, den Rocky Mountains mit dem Wolfs Creek Pass bis auf 3.300 Metern Meereshöhe und am Ende den Apalachen, hatten die vier Fahrer viele oft steile Anstiege zu meistern.

Gefährlicher Zweikampf mit den Iren

Loew und Thomas Dommermuth waren eigentlich beide ohne ein wirkliches Tief durch das Rennen gekommen. Doch gerade am letzten Tag merkte man auch beiden an dass sowohl die Kräfte als auch die Nerven am Ende waren. Eigentlich war es die große Stärke des Teams, dass alle vier Fahrer ein ziemlich gleich hohes Leistungsniveau zeigten.

Die Nerven mussten Fahrer und auch Crew auch oft genug behalten. Durch den Mangel an Schlaf und das tagelange aufeinander sitzen, fĂĽhrten kleine Fehler immer mehr zu Diskussionen. Doch zum GlĂĽck blieb es bei kleinen Fehlern und Missgeschicken. Nur wenige Male verfuhren sich die Schichten – auf die GPS-Navigation in den Autos und am Rad war meist Verlass. Und als es in den letzten beiden Tagen mit einem Team aus Irland noch einen heftigen Zweikampf gab, waren auch Diskussionen um die Renntaktik manchmal schwierig. 

Der Zweikampf mit den Iren fĂĽhrte dabei teilweise zu gefährlichen Situationen, da diese die Regeln nicht unbedingt genau nahmen und auch unfaire und unsportliche Aktionen durchfĂĽhrten, wie dem Losfahren eines Begleitfahrzeugs direkt vor einem Fahrer, so dass dieser bremsen musste. Am Ende aber konnten die Amberger auch diese Situationen meistern und bezwangen die Iren mit einem Abstand von fast drei Stunden. 

 

Weiter zu Teil 2: Angst, Tränen, Freude, Euphorie


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