Desert Queen Flammersfeld: "Der Kopf ist der entscheidende Antreiber"

Geschrieben von: Wendelin H├╝bner

Man nennt sie die "W├╝stenk├Ânigin": Anne-Marie Flammersfeld l├Ąuft dieses Jahr beim 1000-Kilometer-Lauf 4 Deserts Race durch vier W├╝sten. Im Interview erkl├Ąrt die 33-J├Ąhrige ihre ungew├Âhnlichen Trainingsmethoden.

 

Achim-Achilles.de: Frau Flammersfeld, Sie laufen dieses Jahr in mehreren Rennen durch vier W├╝sten: Atacama, Gobi, Sahara und die Eisw├╝ste Antarktis. Das sind insgesamt 1000 Kilometer. Wie kommt man auf so eine Idee?


Zur Person: Anne-Marie Flammersfeld, 33, ist Diplom-Sportwissenschaftlerin und arbeitet als Personal Trainerin in St. Moritz. Mit ihrer Teilnahme am 4 Deserts Race unterst├╝tzt die Extremsportlerin die Paulchen Esperanza Stiftung f├╝r benachteiligte Kinder in Entwicklungs- und Schwellenl├Ąndern. (Foto: Zandy Mangold)

├ťber welche Distanz geht eigentlich so eine W├╝stendurchquerung?
 
Je W├╝ste sind es 250 Kilometer, aufgeteilt auf eine Woche. Die l├Ąngste Etappe f├╝hrt ├╝ber 80 Kilometer, da bin ich rund neun Stunden unterwegs.
 
Sie trainieren sicher viel. Wie viele Laufkilometer kommen bei Ihnen w├Âchentlich zusammen?
 
Zwischen 150 und 160 Kilometer, mit schwerem Rucksack durch die Berge rund um St. Moritz. Jede Einheit ist unterschiedlich gestaltet und beinhaltet lange L├Ąufe ├╝ber 40 Kilometer, kurze Tempodauerl├Ąufe und Intervalleinheiten. Und da ich von Beruf Personal Trainerin bin, mache ich gemeinsam mit meinen Klienten viel Kraft- und Stabilisationstraining.
 
Wie bereiten Sie sich noch vor auf die extremen Belastungen in Hitze und K├Ąlte?
 
Ich habe mir einen Stepper in die Sauna gestellt, auf dem trainiere ich f├╝r die Sahara. Hier in den Bergen liegt au├čerdem sechs Monate lang Schnee, sodass ich im Tiefschnee das Laufen im Sand simulieren konnte.
 
Und wie trainieren Sie f├╝r die Eish├Âlle Antarktis? Der Temperaturunterschied zur Sahara wird doch gewaltig sein.
 
Zuhause in St. Moritz wird es auch schon mal minus 30 Grad kalt. Daher f├╝rchte ich die Antarktis weniger als die Sahara. Klar, eine gute Physis ist wichtig. Doch um ein Rennen wie das 4 Deserts Race zu bestehen, ist die mentale St├Ąrke ausschlaggebend. Der Kopf ist der entscheidende Antreiber.
 
Wie trainieren Sie den Kopf?
 
Ich arbeite mit einer Mentaltrainerin zusammen. Sie bringt mir bei, mich w├Ąhrend des Laufs durch Selbst-Hypnose http://www.achim-achilles.de/laufthemen/motivation-laufen-joggen-tipps/18182-schneller-werden-durch-hypnose.html in Trance-Zust├Ąnde zu versetzen. Wenn ich merke, dass eine Krise im Anmarsch ist, stelle ich mir ein Bild vor, welches ich einstudiert habe. Das kann zum Beispiel ein Eiswind sein, den ich dann mit all meinen Sinnen sp├╝re, rieche, schmecke und h├Âre. Somit lenke ich meine Gedanken von den Strapazen ab.
 
Woran denken Sie noch in der Einsamkeit der W├╝ste?
 
Ich f├╝hre Selbstgespr├Ąche, feuere mich an. Ich rufe mir S├Ątze zu wie ÔÇ×Hopp Deutschland, Hopp SchwiizÔÇť oder ich sage mir monoton den Satz vor: ÔÇ×Mit jedem Schritt kommt Energie zur├╝ckÔÇť. Vor allem aber muss ich sehr konzentriert sein. Ich muss aufpassen, dass ich keinen Wegweiser verpasse. Und auf meine Schritte muss ich achten, denn die Gefahr des Umknickens in dem Gel├Ąnde ist gro├č. Ein falscher Tritt k├Ânnte das Aus bedeuten. Von der Landschaft um mich herum kriege ich kaum etwas mit.
 
Wie ern├Ąhren Sie sich w├Ąhrend des Rennens?
 
Ich habe einen acht, neun Kilo schweren Rucksack dabei, darin sind unter anderem Energieriegel, Gels, Cashewn├╝sse, Gummib├Ąrchen. Zudem eine warme Trekkingmahlzeit pro Tag, die im Schnitt 800 Kalorien hat. Hauptsache, das Essen ist vom Gewicht her leicht und sehr kalorienreich. Der Veranstalter verpflichtet jeden L├Ąufer dazu, jeden Tag mindestens 2000 Kalorien im Gep├Ąck zu haben.
 
Wo schlafen Sie?
 
Wir L├Ąufer schlafen gemeinsam in gro├čen Beduinenzelten, die der Veranstalter aufbaut. Da jeweils acht bis neun Personen in einem Zelt untergebracht sind, muss man sich arrangieren und R├╝cksicht nehmen. Ohrenst├Âpsel sind quasi ein ÔÇ×Must haveÔÇť.
 
Was ist das f├╝r ein Typ Mensch, der bei solch einem Rennen mitmacht?
 
Es sind zu 80 Prozent M├Ąnner ÔÇô aber nicht unbedingt nur Abenteurer, sondern ganze normale, sympathische Menschen aus der ganzen Welt. Einige haben auch gar nicht so gro├če sportliche Ambitionen. Die packen am Start ihre St├Âcke aus, und dann sieht das eher nach Wandertag aus.
 
Sie dagegen liegen in der Frauenwertung derzeit vorne, man nennt Sie respektvoll "Desert Queen". Schaffen Sie den Gesamtsieg?
 
Das Wichtigste ist, dass ich die vier W├╝sten ├╝berhaupt bew├Ąltige. Daher m├Âchte ich es zun├Ąchst mal gesund durch die Sahara schaffen. Ansonsten w├Ąre mein Traum geplatzt. Und wenn ich durchkomme, bin ich die erste Deutsche, die alle vier W├╝sten in einem Jahr durchquert hat ÔÇô wie es aussieht sogar in neuer Rekordzeit.
 
Waren Sie eigentlich schon immer so sportlich?
 
Ich habe fr├╝her viel Handball gespielt. Vor sechs Jahren bin ich nach St. Moritz gezogen ÔÇô und weil es hier keine Handballvereine gibt, begann ich mit dem Laufen.
 
Und inzwischen sind Sie laufs├╝chtig geworden?
 
S├╝chtig klingt mir zu negativ. Wer mit Fieber oder verletzt l├Ąuft, der ist in meinen Augen wirklich laufs├╝chtig. Aber bei mir ist das Laufen eher eine Art Gewohnheit. Solange ich mich wohlf├╝hle, wenn ich laufen gehe, ist doch alles in Ordnung. Aber wenn ich mal zwei, drei Tage nichts mache, merke ich schon, dass meine Beine unruhig werden.
 
Interview: Wendelin H├╝bner

Anne-Marie Flammersfeld: Vor zwei Jahren habe ich in Argentinien einen Ultral├Ąufer kennen gelernt. Er machte damals beim 4 Deserts Race mit und war auf dem Weg in die Antarktis. Ich war so fasziniert von seinen Schilderungen, dass ich das Abenteuer selbst erleben wollte.

├ťber welche Distanz geht eigentlich so eine W├╝stendurchquerung?

Je W├╝ste sind es 250 Kilometer, aufgeteilt auf eine Woche. Die l├Ąngste Etappe f├╝hrt ├╝ber 80 Kilometer, da bin ich rund neun Stunden unterwegs.

 

"Ich habe mir einen Stepper in die Sauna gestellt"

 

Sie trainieren sicher viel. Wie viele Laufkilometer kommen bei Ihnen w├Âchentlich zusammen?

Zwischen 150 und 160 Kilometer, mit schwerem Rucksack durch die Berge rund um St. Moritz. Jede Einheit ist unterschiedlich gestaltet und beinhaltet lange L├Ąufe ├╝ber 40 Kilometer, kurze Tempodauerl├Ąufe und Intervalleinheiten. Und da ich von Beruf Personal Trainerin bin, mache ich gemeinsam mit meinen Klienten viel Kraft- und Stabilisationstraining.

Wie bereiten Sie sich noch vor auf die extremen Belastungen in Hitze und K├Ąlte?

Ich habe mir einen Stepper in die Sauna gestellt, auf dem trainiere ich f├╝r die Sahara. Hier in den Bergen liegt au├čerdem sechs Monate lang Schnee, sodass ich im Tiefschnee das Laufen im Sand simulieren konnte.

Und wie trainieren Sie f├╝r die Eish├Âlle Antarktis? Der Temperaturunterschied zur Sahara wird doch gewaltig sein.

Zuhause in St. Moritz wird es auch schon mal minus 30 Grad kalt. Daher f├╝rchte ich die Antarktis weniger als die Sahara. Klar, eine gute Physis ist wichtig. Doch um ein Rennen wie das 4 Deserts Race zu bestehen, ist die mentale St├Ąrke ausschlaggebend. Der Kopf ist der entscheidende Antreiber.

 

"Durch Selbst-Hypnose lenke ich mich von den Strapazen ab"

 

Wie trainieren Sie den Kopf?

Ich arbeite mit einer Mentaltrainerin zusammen. Sie bringt mir bei, mich w├Ąhrend des Laufs durch Selbst-Hypnose in Trance-Zust├Ąnde zu versetzen. Wenn ich merke, dass eine Krise im Anmarsch ist, stelle ich mir ein Bild vor, welches ich einstudiert habe. Das kann zum Beispiel ein Eiswind sein, den ich dann mit all meinen Sinnen sp├╝re, rieche, schmecke und h├Âre. Somit lenke ich meine Gedanken von den Strapazen ab.

Woran denken Sie noch in der Einsamkeit der W├╝ste?

Ich f├╝hre Selbstgespr├Ąche, feuere mich an. Ich rufe mir S├Ątze zu wie ÔÇ×Hopp Deutschland, Hopp SchwiizÔÇť oder ich sage mir monoton den Satz vor: ÔÇ×Mit jedem Schritt kommt Energie zur├╝ckÔÇť. Vor allem aber muss ich sehr konzentriert sein. Ich muss aufpassen, dass ich keinen Wegweiser verpasse. Und auf meine Schritte muss ich achten, denn die Gefahr des Umknickens in dem Gel├Ąnde ist gro├č. Ein falscher Tritt k├Ânnte das Aus bedeuten. Von der Landschaft um mich herum kriege ich kaum etwas mit.

Wie ern├Ąhren Sie sich w├Ąhrend des Rennens?

Ich habe einen acht, neun Kilo schweren Rucksack dabei, darin sind unter anderem Energieriegel, Gels, Cashewn├╝sse, Gummib├Ąrchen. Zudem eine warme Trekkingmahlzeit pro Tag, die im Schnitt 800 Kalorien hat. Hauptsache, das Essen ist vom Gewicht her leicht und sehr kalorienreich. Der Veranstalter verpflichtet jeden L├Ąufer dazu, jeden Tag mindestens 2000 Kalorien im Gep├Ąck zu haben.

Wo schlafen Sie?

Wir L├Ąufer schlafen gemeinsam in gro├čen Beduinenzelten, die der Veranstalter aufbaut. Da jeweils acht bis neun Personen in einem Zelt untergebracht sind, muss man sich arrangieren und R├╝cksicht nehmen. Ohrenst├Âpsel sind quasi ein ÔÇ×Must haveÔÇť. 

 

"Laufs├╝chtig? Klingt mir zu negativ"

 

Was ist das f├╝r ein Typ Mensch, der bei solch einem Rennen mitmacht?

Es sind zu 80 Prozent M├Ąnner ÔÇô aber nicht unbedingt nur Abenteurer, sondern ganze normale, sympathische Menschen aus der ganzen Welt. Einige haben auch gar nicht so gro├če sportliche Ambitionen. Die packen am Start ihre St├Âcke aus, und dann sieht das eher nach Wandertag aus.

Sie dagegen liegen in der Frauenwertung derzeit vorne, man nennt Sie respektvoll "Desert Queen". Schaffen Sie den Gesamtsieg?

Das Wichtigste ist, dass ich die vier W├╝sten ├╝berhaupt bew├Ąltige. Daher m├Âchte ich es zun├Ąchst mal gesund durch die Sahara schaffen. Ansonsten w├Ąre mein Traum geplatzt. Und wenn ich durchkomme, bin ich die erste Deutsche, die alle vier W├╝sten in einem Jahr durchquert hat ÔÇô wie es aussieht sogar in neuer Rekordzeit.

Waren Sie eigentlich schon immer so sportlich?

Ich habe fr├╝her viel Handball gespielt. Vor sechs Jahren bin ich nach St. Moritz gezogen ÔÇô und weil es hier keine Handballvereine gibt, begann ich mit dem Laufen. 

Und inzwischen sind Sie laufs├╝chtig geworden?

S├╝chtig klingt mir zu negativ. Wer mit Fieber oder verletzt l├Ąuft, der ist in meinen Augen wirklich laufs├╝chtig. Aber bei mir ist das Laufen eher eine Art Gewohnheit. Solange ich mich wohlf├╝hle, wenn ich laufen gehe, ist doch alles in Ordnung. Aber wenn ich mal zwei, drei Tage nichts mache, merke ich schon, dass meine Beine unruhig werden.

Interview: Wendelin H├╝bner

 

Fotostrecke: Atemberaubende Bilder vom 4 Deserts Race

 

Ein Fernsehinterview mit Anne-Marie Flammersfeld gibt es in der ZDF-Mediathek