Bergläufer Dan Doherty: 82 Stunden am Stück zu laufen war das Härteste

Geschrieben von: Frank Joung
Dan Doherty running in the mountains

Wenn Dan Doherty läuft, ist er lange unterwegs. Gerne 100 Kilometer, gerne in den Bergen. Der Ire kennt es gut, kein Ziel zu haben. Er sagt, man müsse offen sein, seinen Rennplan zu ändern. Wie man sich quält und trotzdem genießt.

Achim-Achilles.de: Der Wings for Life World Run hat keine Ziellinie. Ein Catcher Car fährt hinterher und versucht, die Teilnehmer zu überholen. Bist du schon mal ein Rennen ohne Ziel gelaufen?

Dan Doherty: Die meisten meiner Trainingsläufe haben kein spezielles Ziel. In den Bergen zu trainieren bedeutet, dass man sehr abhängig ist von den Wetterbegebenheiten. Manchmal plane ich 30 Km zu laufen und schaffe nur zehn, weil das Wetter so schlecht ist. An manchen Tagen läuft's so gut, dass ich die doppelte Strecke absolviere.

Wie wĂĽrdest du so einen Lauf mit deiner Erfahrung angehen?

Du musst offen und bereit sein dafür, deinen Rennplan zu ändern. Aber am Wichtigsten ist, dass du das Erlebnis genießt. Natürlich geht's auch darum, das richtige Tempo einzuhalten.

"Lieber stark am Ende als schnell beim Start"

In Großbritannien und den USA haben Spendenläufe Tradition, mehr vielleicht als in Deutschland. Glaubst du, dass es helfen kann, wenn man für eine bestimmte Sache läuft?

Eine längere Distanz zu laufen ist immer eine Herausforderung, egal auf welchem Level. Wenn man seinen Lauf dazu noch zu einem Spendenlauf macht, kann es dem Läufer einen zusätzlichen Schub geben. Ich glaube, dass diese soziale Verantwortung, die man spürt, motivierend wirkt.

Du bist es gewohnt, sehr lange Distanzen zu laufen. Welchen Tipp würdest du Menschen geben, die vielleicht zum ersten Mal einen Marathon oder länger laufen?

Es ist dein erster (Ultra-) Marathon – genieß es! Verstricke dich nicht zu sehr in Erwartungen, sondern konzentriere dich auf deine geplante Geschwindigkeit. Halte dich an alle oft gehörten Lauf-Ratschläge, wenn es um Trinken, Ernährung, Renn-Tempo usw. geht. Trainiere das alles schon im Training. Lieber stark sein am Ende als schnell sein beim Start. Beides schaffen nicht viele.

Wie ĂĽberwindest du diese Phasen im Rennen, wenn man einfach keine Lust mehr hat?

Mit Erfahrung. Das ist etwas, das jeder Sportler durchmacht und lernen muss, manchmal auch dadurch, dass man Fehler macht. Aber dass ich mittlerweile länger laufen kann, hat zwei Gründe:

Erstens, weil ich dafür trainiert und ähnliche Situationen schon durchgemacht habe. Und zweitens, weil ich durch Erfahrung weiß, dass diese schlechten Phasen schnell vorbeigehen – wenn man sich auf die Dinge konzentriert, die diese Phasen hervorgerufen haben.

Gibt es ein bestimmtes Bild oder einen bestimmten Gedanken, der dich in solchen Momenten motiviert?

Mir geht es immer darum, mich mit anderen zu messen und die ganzen Wochenstunden, die ich mit Training verbringe, zu rechtfertigen. Ich muss viele Opfer bringen, was mein Sozial- und Familienleben angeht. Daran muss ich immer denken, wenn ich laufe.

"Laufen ist das, was ich bin"

Was war der härteste Lauf, den du bislang absolviert hast?

Der Tor des Géants. 320 Kilometer mit 24.000 Metern Höhenunterschied im italienischen Aosta-Tal. Ich bin Sechster geworden und 82 Stunden am Stück gelaufen – ohne Schlaf!

Was war dein größter Misserfolg als Läufer?

DAN-DOHERTY-MIKE-KINGDie 24-Stunden-WM. Für einen Sportler gibt es nichts Wichtigeres, als sein Land zu repräsentieren. Ich wurde für die WM nominiert, obwohl ich mir kurz vorher eine Verletzung zugezogen hatte. Ich war die Anglo Celtic Plate 100k und die 100-Km-EM innerhalb von vier Wochen gelaufen.

Jedenfalls habe ich nur rund 80 Kilometer geschafft, dann musste ich aufgeben. Es war eine sehr schwierige Entscheidung, aber es war unmöglich geworden weiterzulaufen, ohne mich noch schwerer zu verletzen (Foto: Mike King).

Und was war dein größter sportlicher Erfolg?

2013 habe ich das Rennen Anglo Celtic Plate gewonnen, ein 100-Km-Lauf zwischen Irland, Wales, Schottland und England. Ein sehr stolzer Moment.

Bitte vervollständige folgende Sätze:

Ich liebe Laufen,

… weil es das repräsentiert, was ich bin und worum es sich in meinem Leben dreht.

Laufen in Irland ist groĂźartig,

… weil das Gelände, die Berge und das sich ständig wechselnde Wetter jeden Lauf einzigartig macht.

 

 

Zur Person: Daniel Doherty ist Ire, lebt aber in Brighton, Wales, in der hügeligen Landschaft vom „Brecon Beacons"-Nationalpark. Doherty hat Irland bei den 100-Km-Europa- und Weltmeisterschaften, Anglo Celtic Plate und der Trail-WM repräsentiert. Er wird von Scott Sports Athlete unterstützt und nimmt an Skyrunning Events teil. @ultrarundan

 

Zum Event: Der Wings for Life World Run ist ein weltweites Rennen, bei dem die Läufer von einem Catcher Car eingeholt werden. Das Auto startet eine halbe Stunde nach den Läufern. Wer am längsten durchhält, gewinnt. Der Lauf startet am 3. Mai 2015 gleichzeitig an rund 35 Standorten auf der ganzen Welt – auch in Dohertys Heimat Irland. In Deutschland findet das Rennen in Darmstadt und in München statt. Das gesamte Startgeld geht zu 100 Prozent in die Rückenmarksforschung. Mehr Infos im Event-Porträt auf achim-achilles.de und auf der Homepage www.wingsforlifeworldrun.com.