Der Schlachtplan "Road to Roth": Gassirunden, Aktiv-Fernsehen & Rennradrolle

Guido Kleemann trainiert für die Challenge Roth

Allein mit Gassirunden ist Guido im Januar 75 Kilometer gelaufen. Der berufstätige Familienvater ist im Training für den Challenge Roth im Juli. Der mentale Schalter ist umgelegt auf Training zu jeder Gelegenheit. Wie er dies in seinen Alltag integriert, lest ihr hier.

"Das Ziel motiviert und diszipliniert"

Wer kennt das nicht. Zu bequem um sich zu bewegen, Fahrstuhl statt Treppe – Auto statt Fahrrad. Abends nach einem Bürotag dann auch gleich wieder die Füße hochlegen. Aber kaum hatte ich das Ziel vor Augen, änderte sich die Einstellung automatisch. Von nun an gab es kein Rumlungern mehr. "Agility statt Schlaftablette".

Das Ziel fest vor Augen: Bis zum 9. Juli zählt jeder Tag. Auf keinen Fall will ich am Wettkampftag beim Challenge Roth mein inneres Ich hören mit den Worten: "Bist du sicher, genug getan zu haben? Wäre da nicht mehr drin gewesen?"

Und es stimmt tatsächlich, mit der Anmeldung zu meiner größten Herausforderung in 2017 wurde der mentale Schalter umgelegt. Oder handelt es sich etwa um reinen Aktionismus? Lieber nicht drüber nachdenken.

Not macht erfinderisch, Trainingsnot noch mehr

Die Challenge lauert überall; nicht weil sich meine Leistungen außerordentlich entwickeln, sondern weil ich mir zum Ziel gesetzt habe, dass unter dem erhöhten Trainingsumfang weder Familie noch Beruf leiden sollen.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich den passenden Schlachtplan entwickelt hatte. Will ich einen strukturierten Trainingsplan? Jein. Einerseits soll das Trainingssoll pro Woche schon einigermaßen definiert sein aber in einen stringenten Plan will ich mich nicht zwängen, vielmehr muss sich das Training der verfügbaren Zeit anpassen.

Klar ist im Kopf abgespeichert: Möglichst ein bis zwei Mal die Woche Schwimmen, zwei Mal Laufen und ein bis zwei Mal Radfahren. Zwischendrin dann noch Athletik eingebaut. Irgendwie müssen sich dann die Intensitäten und Dauer verändern. Aber das erfolgt dann zu gegebener Zeit.

Bei der Suche nach der optimalen Zeiteinteilung ist mir zusätzlich eins klar geworden. Es geht nur, wenn jede mögliche freie Zeit sinnvoll genutzt wird. Zumindest ist das der Plan.

Und der sieht so aus:

1. Hunderunde = Laufrunde

Was gibt es besseres, wenn es zu Hause mal wieder heißt: "Kannst du heute bitte mit dem Hund gehen?" Ich ziehe dann gleich die Laufklamotten an und wandle das Gassigehen mit unserer Labradorhündin Holly in eine Laufrunde um.

Im Januar habe ich allein mit Gassirunden circa 75 Kilometer geschafft plus 50 km ohne Hund. Natürlich ist mit Holly kein strukturiertes Training möglich, die will auch mal mit Ihresgleichen spielen oder nach Mäusen suchen oder irgendeinen Mülleimer nach Fressbarem durchsuchen und nicht nur im Gleichschritt neben einem herrennen.

Aber auch dann gibt es eine Lösung; statt zu warten, werden kurze Laufpausen mit Lauf ABC ausgefüllt. Und je länger die Runde wird, desto besser werden wir zum Team. Und wie wohl fühlt man sich, wenn man vor dem Bürojob schon eine 10-Km-Runde an unserem Teltowkanal bei Sonnenaufgang gedreht hat.

Aber leider will Holly auch an stürmischen verregneten Sonntagmorgenden nicht auf Ihrer Runde verzichten. Mann, müssen Hunde willensstark sein.  

2. Athletik & Co. statt Couch Potato

Was soll man sinnlos auf der Couch in die Glotze schauen, wenn diese Zeit so wunderbar mit Athletik genutzt werden kann? Dann heißt es Yogamatte der Gattin ausrollen – die sonst eher belächelt wurde – und losgeturnt.

Guido Kleemann Seitstütz b2

Gut, man selbst und vor allem die Familie muss sich erst daran gewöhnen, Abends statt gemütlich abzuchillen nun ständig mit verkrampfter Miene bis zur Erschöpfung an der Wand zu sitzen oder den stählernen Bauch zu malträtieren, aber das soll ja bekanntlich den Unterschied machen und so toll Verletzungen vorbeugen.

Und besser integrieren als vor dem Fernseher lässt sich diese Trainingseinheit doch gar nicht. Da wird eine Rosamunde-Pilcher-Schnulze ganz nebenbei zu einem Actionfilm.

3. Arbeitsweg = Radtraining

Auch hier gilt für mich. Möglichst oft die 15 km zur Arbeit mit dem Rad zu absolvieren. Natürlich ersetzt das nicht die längeren Radausfahrten aber besser als in der Familienkutsche zu sitzen ist das allemal.

Und wer weiß, vielleicht nutze ich den Heimweg auch öfter mal als Lauftraining, denn das schont Zeitreserven und zu Hause angekommen lässt sich dann mit gutem Gewissen die Beine hoch legen.

4. Rennradgewöhnung auf der Rolle

Da die Challenge schon Anfang Juli stattfindet und die Rennradsaison in den Vorjahren erst im April gestartet hat, muss eine Zwischenlösung her, um vom schweren Waldstahlross auf das Rennrad umzusteigen.

Also wird kurzerhand der Dachboden in ein zusätzliches "Spielzimmer" für Papa und den großen Sohnemann umgewandelt. Und jetzt kann es draußen ruhig dunkel werden und Regen gegen die Fenster prasseln, wenn wir drinnen mit Blick in TV Nr. 2 in die Pedale treten.

Guido Kleemann Rolle zuhause b3

Trainingspensum im Februar

  •  Laufen: 100 Kilometer
  •  Schwimmen: 13 Kilometer
  •  Rad: 250 Kilometer (Arbeitsweg), Rolle: 2,5 Stunden

Im nächsten Blog schreibe ich darüber, ob die Vorbereitung glatt durchläuft oder Störfaktoren dazwischen gekommen sind und wo ich mir zusätzliche Motivation geholt habe.

 

Zum Autor: Guido Kleemann will es mit 47 Jahren noch mal wissen. Der Hobbytriathlet und Jugendwart der "Weltraumjogger" will sich seinen Traum von einer Teilnahme beim Challenge Roth erfüllen. Guido lebt mit seiner Frau und seinen beiden jugendlichen Kindern in Berlin.

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