17 Juni 2010 02:00
Vielen Rauchern hat der Sport geholfen, ihre Sucht loszuwerden. Forschern zufolge haben nämlich Raucher, die Sport treiben, weniger Lust auf Nikotin. Ein guter Grund, mit dem Laufen anzufangen.
Die ersten Trainingsrunden erleben Raucher oft als pure Folter: Schwarzer Schleim löst sich aus der rasselnden Lunge, die Luft bleibt weg, der Kopf glüht. Doch das ist kein Grund aufzuhören. Denn schon wer regelmäßig zwei Mal pro Woche je 20 bis 30 Minuten läuft, wird das Läufchen nach und nach als angenehm empfinden: Die Lunge wird durchlüftet und durchblutet, der Raucher atmet wieder tiefer durch.
Was den Raucher außerdem glücklich macht: Durch den Lauf schüttet der Körper Endorphine aus – und die haben eine Belohnungswirkung wie Nikotin. Wissenschaftler von der Universität Exeter haben außerdem herausgefunden, dass Bewegung das Verlangen nach einer Zigarette verringert. Die Forscher ließen in ihrer Studie 20 Raucher entweder 15 lang sitzen oder 15 Minuten lang Rad fahren, bevor sie ihnen Bilder von Zigaretten zeigten. Ergebnis: Die Probanden, die zuvor auf dem Fahrrad saßen, reagierten weniger stark auf die Bilder.
"Bilder von Zigaretten können sehr stark auf enthaltsame Raucher wirken und es ihnen schwer machen, sich das Rauchen abzugewöhnen", sagt Kate Van Rensburg aus dem Forscher-Team. "Insofern ist es interessant zu wissen, dass selbst wenig Bewegung die Kraft solcher Bilder verringern kann." Die Resultate unterstützten die Empfehlung, bei der Entwöhnung von der Zigarette regelmäßig Sport zu treiben, folgern van Rensburg und Kollegen.
Doch wer das Rauchen ernsthaft zu Gunsten des Laufens aufgeben will, sollte erstmal einen Arzt aufsuchen. Denn als Folge der Qualmerei können Gefäßveränderungen entstanden sein. Mediziner raten deshalb: Raucher sollten eine medizinische Untersuchung samt Belastungs-EKG durführen lassen, ehe sie ein Trainingsprogramm aufnehmen. Das reduziert das Risiko, dass mögliche Herzdurchblutungsstörungen unerkannt bleiben.
Wie verhält es sich aber mit Rauchen und Laufen? Es gab zwar schon herausragende Läufer wie den Dänen Jørn Lauenborg, die an der Kippe hingen und dennoch Weltklasse-Marathonzeiten hinlegten; und grundsätzlich gilt: Regelmäßiges Training macht auch Raucher ausdauernder. Doch wahr ist auch, dass rauchende Läufer ihre Ausdauer- und Leistungsfähigkeit weniger schnell und in geringerem Maße verbessern als Nichtraucher.
"Das Kohlenmonoxid, das man beim Rauchen inhalierst, beeinträchtigt den Sauerstofftransport im Körper", sagt Lauftrainer Piet Könnicke. Das vermindert die Leistungsfähigkeit – sogar noch einen Tag nach der letzten Zigarette. "Zudem ist durch das Rauchen die Lungenfunktion eingeschränkt", sagt Könnicke. Außerdem wirkt sich das Nikotin negativ auf die Gefäßregulation aus.

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