18 Juni 2010 02:00
Der Laufclub 21 ist Deutschlands erste Laufgruppe für Menschen mit Down-Syndrom. Am Wochenende wartet für die Sportler eine große Herausforderung: 160 Kilometer auf dem Berliner Mauerweg. Ein Gespräch mit Club-Gründerin Anita Kinle.
Achim-Achilles.de: Frau Kinle, Sie sind Gründerin des Laufclubs 21, einem bundesweiten Sportverein für Menschen mit Down-Syndrom. Am Wochenende startet der Club in Berlin zum Mauerwegslauf. Was hat es damit auf sich?
Anita Kinle: Der 21. März ist Welt-Down-Syndrom-Tag, außerdem jährt sich dieses Jahr der Mauerfall zum 21. Mal – da hatte unsere Berliner Trainingsgruppe die Idee, den Mauerweg zu laufen. Vom Prenzlauer Berg nach Wannsee, über Zehlendorf bis nach Köpenick und zurück ins Jahn-Stadion.
Achim-Achilles.de: Die Strecke ist fast 160 Kilometer lang ...
Kinle: Die Sportler mit Down-Snydrom laufen in der Staffel. Aber es gibt eine Gruppe von Ultraläufern, die die ganze Strecke durchlaufen will.
Achim-Achilles.de: Welche Botschaft hat der Lauf?
Kinle: Laufen kann so manche Mauer durchbrechen. Wir merken, dass wir durch Sport mit großer Leichtigkeit Berührungsängste abbauen. Bei Wettkämpfen sind die Läufer mit Down-Syndrom Sportler unter Sportlern.
Achim-Achilles.de: Wie trainieren Sportler mit Down-Syndrom eigentlich?
Kinle: Sehr gesundheitsbewusst. Sie machen kein Intervalltraining, höchstens ein paar Hügelläufe. Sportler mit Down-Syndrom haben schwächere Bänder und ihr orthopädisches System passt sich langsamer an Belastungen an. Außerdem funktioniert der Stoffwechsel schlechter, Nährstoffe werden weniger gut gefiltert.
Achim-Achilles.de: Was bedeutet das für die Ernährung?
Kinle: Läufer mit Down-Syndrom müssen mehr Kohlenhydrate zuführen und mehr trinken. Welche sportlichen Belastungen für sie möglich sind, erforschen gerade Wissenschaftler aus Erlangen. Dazu gab es bisher noch gar keine Studien.
Achim-Achilles.de: Verstehen Sie sich als Pioniere?
Kinle: Absolut. Aber mir ist wichtig: Wir sind Pioniere im Sportverein, keine Therapiegruppe. Unser Club hat übrigens auch viele Mitglieder ohne Down-Syndrom.
Achim-Achilles.de: Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie den Verein gründeten?
Kinle: Ich bin eigentlich nicht der typische Vereinsmeier. Aber ich habe einen Sohn mit Down-Syndrom und überlegte, wie ich mit dem Laufen etwas bewegen kann. Eine Idee war, mir die Oberschenkel tätowieren zu lassen ...
Achim-Achilles.de: ... wie bitte?
Kinle: Ja! "Down-Syndrom, na und?!", sollte dort stehen. Aber das hat mein Mann mir noch ausreden können. Eines Tages stieß ich dann auf einen Artikel über einen Briten mit Down-Syndrom, der den London-Marathon geschafft hatte. Das hat mich sehr beeindruckt und schuf die Idee für den Laufclub. Am 16. Dezember 2007 standen dann 46 Menschen bei mir im Wohnzimmer –und dann ging es auch schon raus zum Waldlauf.
Achim-Achilles.de: Was haben Sie mit dem Laufclub 21 in Zukunft noch vor?
Kinle: Nächstes Jahr richten wir in Fürth zum ersten Mal einen sechsstündigen, internationalen Ultralauf aus. Das Rennen soll dann regelmäßig zum Welt-Down-Syndrom-Tag stattfinden.
Achim-Achilles.de: Und wie kann man Ihre Idee am besten unterstützen?
Kinle: Indem man unsere Geschichte weitererzählt, einfach mitmacht oder eine Trainingspartnerschaft übernimmt. Wir freuen uns aber natürlich auch über Spenden. Die würden uns zum Beispiel helfen, eine Beratungsstelle für Erwachsene mit Down-Syndrom zu eröffnen.
Interview: Wendelin Hübner
Laufclub 21 erhält Down-Syndrom Award
"Wir Läufer sollten unser Glück teilen"

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