17 Juni 2010 02:00
Er läuft morgens, mittags und abends. An den Wochenenden läuft er mehr als manche mit dem Auto fahren. Im Interview erklärt Antonio Scaldavilla, wie er jetzt zwei neue Weltrekorde schaffte.
Antonio Scaldavilla aus Pforzheim lief innerhalb einer Woche (168 Stunden) 1101,5 km – bislang lag der Weltrekord bei 732,5 km. Zudem ist er die 1000 Kilometer in deutlich kürzerer Zeit als den bisher verzeichneten 11 Tagen und 18 Stunden gelaufen.
Antonio ist 48 Jahre, in Kalabrien geboren und in Apulien (Italien) aufgewachsen. Seinen ersten Marathon lief er mit 17 Jahren – barfuß mit der Traumzeit von 2:20 Stunden. Es folgten rund 230 weitere Marathons und 160 Ultraläufe. Seine gesamte Laufleistung schätzt er auf rund 250.000 Kilometer.
Mit Achim-Achilles.de sprach er über seine Leistungen, Doping und seine Frau.
Achim-Achilles.de: Herr Scaldavilla, wie sind Sie auf die Idee gekommen diesen Weltrekord zu knacken?
Antonio Scaldavilla: Ich laufe seit über 30 Jahren. Den Rekord, den ich jetzt aufgestellt habe, hatte ich bereits zwei Mal realisiert. Ich bin schon 809 und 849 km in sechs Tagen gelaufen. Beide Rekorde habe ich auf meinem Laufband im Keller aufgestellt. Für diesen Weltrekordlauf habe ich mich zwei Jahre vorbereitet.
Achim-Achilles.de: Warum tun Sie sich diese extremen Belastungen an?
Scaldavilla: Ich laufe nunmal sehr gerne. Aber 10-km-Läufe, Halbmarathons, Marathons – die interessieren mich einfach nicht mehr. Meinen letzten Marathon bin ich 1992 gelaufen. Die Zeiten sind vorbei, ich brauche echte Herausforderungen. Ultra-Läufe ab 100 km aufwärts sind für mich interessant. Alles andere ist langweilig.
Achim-Achilles.de: Wie viele Kilometer laufen Sie normalerweise pro Woche?
Scaldavilla: Ich stehe jeden Tag um 3.30 Uhr auf und laufe eineinhalb Stunden auf dem Laufband. Danach gehe ich zur Arbeit. Dreimal in der Woche laufe ich auch während der Mittagspausen. Abends laufe ich dann noch zwei bis vier Stunden draußen. Gegen 23 Uhr gehe ich schlafen. Das sind rund 50 Kilometer an einem Tag. Samstags sind es gerne mal 80 Kilometer, sonntags 120 Kilometer. In Vorbereitungszeiten komme ich auf rund 400 Kilometer pro Woche.
Achim-Achilles.de: Laufen ihre Arbeitskollegen in der Mittagspause mit?
Scaldavilla: Die laufen nicht. Die essen in der Mittagspause lieber Schweinehaxe oder Fleischkäse und sagen, dass ich verrückt sei. Aber mir ist es egal, was die über mich denken.
Achim-Achilles.de: Und Sie hungern, wenn Sie in Ihrer Pause laufen?
Scaldavilla: Nein, überhaupt nicht. Bei mir gibt es Riegel und reichlich Obst – unterwegs natürlich.
Achim-Achilles.de: Was haben Sie während des Weltrekordlaufes gegessen?
Scaldavilla: Ein von mir im Vorfeld des Laufes zubereitetes Gericht: 200 Gramm Spirelli-Nudeln mit einer feurigen Nuss-Chilli-Sauce mit Ziegenkäse. Dazu 350 Gramm Eiweiß, 1 Kilo Kohlenhydrate und 17 Gramm pflanzliches Fett als Riegel zu je 100 Gramm. Das waren 18 Riegel am Tag. Dazu zehn bis zwölf Liter Kohlenhydratgetränke.
Achim-Achilles.de: Wie haben Sie sich während der sieben Tage auf dem Laufband gefühlt?
Scaldavilla: Ich hatte sehr gemischte Emotionen. Dominierend waren vor allem alte Gefühle, die wieder hochstiegen. Ganz bestimmte Bilder und Erlebnisse wurden wieder präsent. Ich konnte während dieser sieben Tage auch nicht schlafen – ich war zu aufgewühlt und wollte nur laufen.
Achim-Achilles.de: Sie haben sieben Tage nicht geschlafen?
Scaldavilla: Nein. Ich habe mich nur für fünf bis sechs Stunden zum Ausruhen hingelegt. Dann ging es weiter. Als ich nach sieben Tagen und 1101,5 Kilometer zwei Weltrekorde aufgestellt hatte, bin ich spazieren gegangen.
Achim-Achilles.de: Haben Sie während des Laufes Schmerzen gehabt?
Scaldavilla: Am Anfang hatte ich Probleme mit dem Laufband. Es hat zu stark gefedert. Dadurch habe ich Schmerzen im Bauch- und Rippenbereich bekommen. Die Schmerzen wurden so stark, dass ich nicht mehr trinken konnte. Wir haben dann das Laufband mit einem Holzbrett stabilisiert. Danach lief es sich schon viel besser.
Achim-Achilles.de: Für Mediziner grenzt es an ein Wunder, dass Sie das unbeschadet überstanden haben. Dopen Sie?
Scaldevilla: Nein, ich dope nicht. Ich bin während des Weltrekordversuches auf unerlaubte Substanzen getestet worden. Und ich bin bereit, mich jederzeit wieder testen zu lassen. Wenn ich dopen würde, hätte das keinen Sinn für mich. Dann könnte ich ja gleich aufhören.
Achim-Achilles.de: Was sagt ihre Frau zu Ihrer ganzen Rennerei?
Scaldavilla: Meine Frau ist einverstanden. Wenn ich größere Läufe habe, fährt sie in den Urlaub. Unsere Beziehung ist absolut intakt, sonst könnte ich das alles gar nicht machen. Mittlerweile läuft sie auch: Ich habe sie angesteckt.
Schwere Vorwürfe gegen Scaldavilla
Mann finisht Marathon mit 6 Monaten Verspätung

|
Aus aller Welt |
|
Aus aller Welt |
|
Aus aller Welt |
|
Aus aller Welt |
|
Aus aller Welt |
Hinweis: Diese Website verwendet Facebook-Plugins – sind Sie bei Facebook eingeloggt, werden Daten an Facebook übertragen. Mehr Infos dazu gibt es hier.