11 Oktober 2011 13:57
Es ist die verrückteste Laufgeschichte des Jahres: Eine Amerikanerin lief erst den Chicago-Marathon – und brachte dann ein Mädchen zur Welt. Riskierte die Frau das Wohl ihres Kindes? Wir haben einen Mediziner gefragt.
Sie war in der 39. Schwangerschaftswoche, erwartete ihr zweites Kind – und startete trotzdem am Sonntag beim Chicago-Marathon. Nicht nur das: Amber Miller, 27, schaffte sogar die gesamten 42,2 Kilometer. Als sie nach 6 Stunden und 25 Minuten über die Ziellinie gelaufen sei, habe die Amerikanerin dann "etwas“ gespürt. Das "Etwas" hielt Miller kurz darauf schon in den Armen: Töchterchen June, 3,54 Kilogramm schwer.
"Ich hatte das OK von meinem Arzt, die Hälfte des Rennens zu laufen, und mein Mann lief mit mir und unterstützte mich auf dem Weg", sagte Miller. Die zweite Hälfte des Marathons absolvierte Miller walkend. "Nach der Zielankunft kamen die Wehen regelmäßig, also habe ich gestoppt, habe mir ein Sandwich genommen und bin dann ins Krankenhaus."
Hat Amber Miller mit ihrem Start die Gesundheit ihres Kindes riskiert? Fernando Dimeo, Leiter der Sportmedizin-Abteilung an der Berliner Charité, sagt: "Es war sicherlich ein kalkuliertes Risiko: es war das zweite Kind, der Arzt hatte ihr grünes Licht gegeben, der Veranstalter war informiert, und eine Geburt geschieht nicht plötzlich, sondern sie kündigt sich an."
Wenn man ausreichende Sicherheitsvorkehrungen treffe, sei ein Marathon sogar für hochschwangere Frauen möglich, sagt Dimeo. "Und dies steht in starkem Kontrast zu Menschen, die völlig unausreichend vorbereitet sich den Marathon zumuten. Man kann der Mutter, dem Arzt und der Organisation wegen so viel Mut nur gratulieren, und hoffen, dass die eigene Frau nicht auf eine solche Idee kommt!"

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