Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
17 Juni 2010 02:00
Sie nennen ihn respektvoll "Tornado mit dem Turban": Fauja Singh, gebürtiger Inder, sorgte beim Luxemburg-Marathon für Furore. Niemals zuvor gab es einen älteren Finisher bei einem Halbmarathon.
Der alte Herr, der am Samstag beim Luxemburg-Marathon im Blitzlichtgewitter die Ziellinie überquerte, war noch Stunden später der Star des Abends – und die meistfotografierte Person der Veranstaltung. Alle wollten ein Bild mit Fauja Singh. Der gebürtige Inder, Kampfname "Tornado mit dem Turban, hatte soeben einen Halbmarathon in der Zeit von 3:32:30 Stunden beendet.
In der Welt der blitzschnellen Straßenläufer ist das unendlich langsam. Doch wer mit 99 Jahren überhaupt 21,1 Kilometer im Dauerlauf bewältigt, der wird als Held gefeiert. "Das ist eine unglaubliche Leistung. Fauja ist ein großes Vorbild für uns alle", sagte Renndirektor Erich Francois.
Den Weltrekord in der Altersklasse M90, den der Schwede Wiktor Burgren 2002 in Göteborg 3:21:27 Stunden aufgestellt hatte, konnte er nicht wie geplant unterbieten. Schuld daran ist ein kleines Missgeschick. Irgendwo auf der Strecke waren Fauja Singh und seine Begleiter falsch abgebogen und nicht weiter auf der Halbmarathon-, sondern auf der Marathonstrecke weitergelaufen. "Das haben wir erst nach mehr als einem Kilometer gemerkt und mussten dann wieder zurück", sagte sein Begleiter Nirmal Lotay. "Das hat uns 15 Minuten gekostet."
Doch letztlich kam es darauf gar nicht an. Ein Eintrag im Guinnessbuch der Weltrekorde als ältester Halbmarathon-Finisher ist Singh so gut wie sicher. Den Respekt der Zuschauer an der Strecke hatte er ohnehin. "Es war brillant, einfach unglaublich", sagte Begleiter Lotay, "die Menschen haben getanzt und uns angefeuert. Sogar Fauja standen die Tränen in den Augen."
Dabei sind Fauja Singh der große Auftritt und die Popularität nicht unbekannt. Er hält ein gutes Dutzend nationale und internationale Altersrekorde, war Fackelläufer bei Olympia in Athen, Botschafter der Olympischen Spiele seiner Heimatstadt London, wurde von der Queen ausgezeichnet, und vom früheren Präsidenten Pakistans, Musharraf, zum Lahore-Marathon 2005 eingeladen. Adidas benannte einen Laufschuh nach ihm und gewann ihn 2004 für eine Werbekampagne mit David Beckham. Wer Beckham ist, wusste Singh nicht. Erst mit Ende Siebzig zog er von Indien nach London. Englisch spricht er bis heute nicht, nur Panjabi, die Sprache seiner Heimatregion.
"Fauja ist ein Phänomen", sagt sein Trainer und Mentor Harmander Singh, der ihn seit Jahren betreut. Der grazile, nur 52 Kilogramm leichte Körper scheint die Belastungen der langen Läufe einfach wegzustecken. "Mit 99 Jahren liegt er 30 Jahre über der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Inders, aber er verfügt über eine Ausdauerfähigkeit, die auch Jüngere staunen lässt", sagt Harmander Sing.
Seine Bestzeit im Marathon ist er 2003 in Toronto mit 5:40 Stunden gelaufen. Das alles ist auch deshalb erstaunlich, weil Fauja Singh nach einer Trainingspause von einem halben Jahrhundert erst vor zwanzig Jahren wieder mit dem Laufen begann. "Ich kann nur schlafen, laufen oder gehen. An dem Tag, an dem ich mich hinsetze, werde ich sterben", sagte Singh einmal in einem TV-Interview.
Der Halbmarathon in Luxemburg war Vorbereitung auf Singhs großes Ziel, 2011 als erster Mensch mit 100 Jahren einen Marathon zu laufen. Die Veranstalter in New York, heißt es, locken schon mit einer Prämie von 100.000 US-Dollar. Doch Fauja Singh darf wählerisch sein. Das Geld, sagt sein Trainer, interessiere ihn ohnehin wenig, er spende das meiste an wohltätige Organisationen. Der Marathon in Boston, lässt Singh, übersetzen, sei auch sehr interessant.
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