18 Juni 2010 02:00
Höhentherapie zu Hause – ein sündhaft teurer Apparat aus Neuseeland macht's möglich. Sinnvolle Anschaffung oder rausgeschmissenes Geld? Wir haben Experten gefragt.
Knapp 700 Euro kostet Alto2Lab, ein Gerät, dass den CO2-Gehalt aus der Atemluft filtert und dadurch Höhenluft erzeugt. Wer das Ding kauft, verbessert Ausdauer, Konzentration, Regeneration und Fettstoffwechsel, verspricht der Hersteller aus Neuseeland. Experten erklären auf Achim-Achilles.de, ob sich die Anschaffung wirklich lohnt.
Höhentraining ist ein zusätzlicher Reiz, um eine weitere Steigerung der Leistungsfähigkeit zu erreichen. Hobbysportler sind allerdings besser beraten, wenn sie einfach jede Woche ein Mal mehr oder 15 Minuten länger pro Training laufen. Formel-1-Autos sind für Sonntagfahrer schließlich auch eher unpraktisch, wenn sie einkaufen fahren.
Das Gerät verspricht eine „schnellere Rehabilitation nach Verletzungen“ und eine „Verbesserung der Bewegungsökonomie in Ballsportarten. Aha. Ich vermarkte gerade eine blaue Pille, die schnell, schlau, gesund und reich macht. Oder auch nicht.
Ein Höhentrainingslager in echter Höhe bringt etwas – dem Leistungssportler und auch dem Hobbyläufer. Ist es ein Camp in einem tollen Land, hat man auch noch einen netten Urlaubseffekt.
Um nachweisbare Veränderungen in der Blutzusammensetzung zu erreichen, sind Höhentrainingsaufenthalte von mindestens 14 Tagen erforderlich. Die Konzentration der roten Blutkörperchen wird erhöht, somit kann mehr Sauerstoff im Blut gebunden werden – der Ausdauerathlet wird leistungsfähiger.
Der große Unterschied zum Bereich Doping oder "fast-Doping": Es passiert auf natürliche Art und Weise. Der Sportler geht in eine Höhe, wo das Laufen schwerer fällt und der Körper passt sich durch diszipliniertes Arbeiten an.
Diese wichtige Vorbereitung auf Ausdauerhöchstleistungen wurde in den Siebzigerjahren Jahren durch Eigenblutdoping unnatürlich unterstützt, ab 1993 durch die Einnahme von EPO. Seit 2000 gibt es verlässliche EPO-Dopingtests. Aus dieser Konstellation heraus hat sich dieses Höhentraining-Spray entwickelt. Legal, weil keine unerlaubten Substanzen im Spiel sind. Aber typisch für unsere Gesellschaft.
Alles was es ringsherum gibt, um die Leistung zu steigern, wird angeboten und angenommen. Und das auf einem Leistungsniveau, wo es einfach lächerlich anmutet. Anstatt erst einmal richtiges Training durchzuziehen, einmal einige Minuten die Zähne zusammen zu beißen und selbst dafür zu sorgen, dass sich der Körper verbessert, wird geschummelt, was das Zeug hält.
Kompressionsstrümpfe, Nasenpflaster und Schachtelhalmextrakte, jetzt als Oberknaller ein Atemgerät – all diese Sachen sind für eine Spezies Läufer gemacht: Diejenigen, die am wenigsten für sich selbst laufen, sondern nur, um anderen zu imponieren. Das ist Spitzensport für Hobbyläufer. Die 699 Euro, die das Gerät kostet, sollte man besser in ein Trainingslager investieren. Das ist viel nützlicher, als 15 Tage lang abends eine Stunde wie bei einem Asthma-Anfall zu hyperventilieren.
Ich habe EPO nie genommen und werde auch weiterhin lieber in Traingslager nach Boulder, Colorado fliegen. Rocky Mountains in meinem Kopf – die kann mir niemand nehmen.

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