Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
03 September 2010 10:51
Projekt Berlin-Marathon: Nach seiner historischen Niederlage beim BerlinMan plant Achim Achilles nun generalstabsmäßig die Große Runde durch die Hauptstadt. Trainer Jens Karraß hilft ihm dabei, den Trainingsrückstand aufzuholen.
Freitagmorgen, fünf Tage nach seiner historischen Niederlage beim BerlinMan, machte sich Achim Achilles mit Coach Klemmbrett-Karraß an das nächste Sportgroßprojekt: Berlin-Marathon. Auf einer zügigen Laufrunde durch den nieselregennassen Grunewald analysierten die beiden zunächst die Gründe für die Schmach vom Wannsee. Aber noch wichtiger: Sie entwarfen den Masterplan für die Große Runde durch die Hauptstadt. Schließlich muss Achilles auf den letzten Drücker fit gemacht werden für die 42,2 km.
Bis zum Berlin-Marathon am 26. September dokumentiert Achim-Achilles.de jede Woche das Zwiegespräch zwischen Trainer und Schüler.
Achim, du hast den Sommer über fleißig für die Triathlons trainiert. Du hattest einen guten Coach. Deine erste Halbdistanz verlief auch super gut. Dann kam der BerlinMan, dein Heimspiel. Du bist sehr motiviert, fast schon übermotiviert an den Start gegangen. Das Schwimmen lief gut, du kamst prima die Treppe rauf, das Radfahren war sogar sehr gut. Du hattest einige Lieblingskontrahenten im Griff.
Die Laufstrecke bist du dann aber bei dem doch sehr schwülen Wetter zu ambitioniert angegangen. Ergebnis: 8km vor dem Ziel brachen Krämpfe aus, die auch nicht mehr wegzudehnen, wegzugehen waren. Ende, Ausstieg, Niederlage, Demut. Der Körper verzeiht nur bis zu einem gewissen Grad. Gut, dass sich seine Rache in verhältnismäßig gesundem Streik ausdrückte – dem Krampf der Muskulatur.
Ein halber Ironman ist keine leichte Sache. Du hast in dieser Situation ganz wertvolles gelernt: Es gibt Dinge, die kann man nicht mehr mit Willen, mit Kampfgeist steuern. Da ist einfach mal Ende. Eine ganz eigenartige Erfahrung. Das habe ich auch schon erlebt: 400m vor dem Ziel den kompletten Kollaps. So doll gewollt, gerannt und gekämpft, dass da nichts mehr drin war.
Es ist einerseits eine wahnsinnige Leistung, sich so quälen zu können – und nur wer das kann, wird auf Dauer auch Bestleistungen aufstellen können oder in einem rennen sogar mal siegen. Aber die Gratwanderung zwischen Trainingsarbeit und kalkuliertem Kampf, das Ding zu Ende zu bringen und im Ziel zu sagen: Ja, das war ein gutes Rennen, ich habe heute mein Bestes gegeben: Das ist es, was zählt. Und du bist wieder ein Stück dichter an diese Weisheit heran gekommen.
Nun gilt es, in paar Wochen ist Berlin-Marathon. Eine Woche nach dem BerlinMan wäre die Teilnahme an der Generalprobe über 21,1km eine gute Sache. Nicht auf Bestzeit, nicht auf Kampf. Ganz gesittet den 5.20er-Schnitt laufen. Du hast auf meine Frage, ob das ginge, mit ja geantwortet. Wenn Du nun noch etwas mehr ein- und ausläufst, ist der Sonntag siegen Tage nach dem K.O. eine sehr gute Zwischenstation für den Berlin-Marathon.

Das Klemmbrett redete auf unserer Trainingsrunde auf mich ein wie auf einen schwer erziehbaren Depressiven. Als ob ich unter einer Niederlage wie dem abgebrochenen Triathlon leiden würde. Paah, niemals. Hart, härter, Achilles - auch mental.
Dass ich drei Tage nach dem BerlinMan schon wieder durch den Wald galoppierte, war andererseits ein Zeichen, dass ich nicht alles gegeben hatte. Wer wirklich kämpft, geht nachher eine Woche am Rollator. Als Hobby-Psychologe wusste ich auch: ich brauchte so schnell wie möglich wieder einen Wettkampf.
Also gut: Halbmarathon am nächsten Sonntag, davor 5 km hinlaufen, hinterher 5 zurück. Macht über 30, davon 21 flott. Es regnete: perfekt. Westfälisches Wetter. Der Coach gab 5:20min/km vor, ich machte ziemlich locker 5:10. Nur der Rückweg war die Hölle. Zum Glück schläft Schöneberg am Sonntagmittag noch, sonst hätten mich die Nachbarn walken sehen.
Lange Läufe schwänzen ist keine wirklich gute Strategie für den Marathon. Irgendwo wird noch einer herkommen. Dafür sorgt das Klemmbrett schon.
Jetzt neu auf Achim-Achilles.de: Das große Spezial zum Berlin-Marathon.

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