25 September 2011 09:57
Der 38. Berlin-Marathon war so dramatisch wie noch nie. Patrick Makau stürmt zum neuen Fabel-Weltrekord. Haile muss bei KM 27 stehenbleiben, läuft aber erst mal weiter. Bei den Frauen siegt Florence Kiplagat.
Es war das Wahnsinnsrennen, das alle erwartet hatten. Doch dass es so dramatisch werden würde, hatten wohl die wenigsten gedacht.
Von Beginn an stürmte – so man muss es angesichts des Anfangstempos sagen – Haile Gebrselassie nach vorne. Der Altmeister sah so gar nicht alt aus, blieb stets dicht an den Pacemakern dran. Patrick Makau, der jüngere Herausforderer, hielt sich im Hintergrund – was aber nicht überraschte. Makau gilt als starker Finisher.
Bei den Frauen sah es ähnlich aus: Paula Radcliffe, nur ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes, lief in ihrem unnachahmlichen Laufstil in der Spitzengruppe. Nach einiger Zeit setzte sich aber Florence Kiplagat aus Kenia ab und ließ Radcliffe und Irina Mikitenko hinter sich. Mikitenko hielt sich im Hintergrund.
Dann ab KM 27 der doppelte Schock. Erst überholt Patrick Makau in atemberaubender Manier den Weltrekordler, der abreißen lassen muss – und dann aufgibt. Aber nur kurz. Gebrselassie hält sich den Magen, läuft dann weiter. An dieser Stelle hat sich das Rennen entschieden. Makau lässt sich nicht beirren, läuft weiter auf Weltrekordkurs, zwingt die Pacemaker mitzuziehen. Von da an war es Makau gegen die Uhr. Oder: Makau gegen Hailes Weltrekordzeit von 2008.
Die letzten 10 Kilometer muss Makau dann alleine laufen, und selbst da sieht er noch locker und fit aus.
Bei KM 39 ist der Moment von Irina Mikitenko. Sie überholt die Britin Paula Radcliffe. Aber ganz vorne läuft die Kenianerin Kiplagat. Mit ihr hat keiner gerechnet. Sie hatte vorher noch nie einen Marathon beendet.
Dann auf der Zielgeraden wurde es noch mal spannend, aber Makau ließ es sich nicht mehr nehmen: 2:03:38 Std. stand am Ende auf der Uhr. WELTREKORD! Und dabei habe er sich morgens nicht gut gefühlt, sagte er. Zweiter wurde Stephen Chemlany (KEN), der eigentlich nur als Pacemaker eingeteilt war. Edwin Kimaiyo (KEN) läuft auf den dritten Platz. Haile Gebrselassie musste das Rennen auf dem Kurfürstendamm, bei KM 35, endgültig abbrechen. Er habe Atemprobleme gehabt, hieß es.
Auch Florence Kiplagat (KEN) ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Irina Mikitenko wurde am Ende für ihre Renntaktik belohnt und kämpft sich auf Platz 2. Paula Radcliffe läuft auf den dritten Platz.
Bester Deutscher wurde Markus Weiß-Latzko. Es war sein erster Marathon.
Ein Wahnsinnsrennen.
Patrick Makau: "Das war des größte Tag in meiner Karriere. Als ich heute Morgen aufgewacht bin, habe ich mich nicht so gut gefühlt, aber als im Laufe des Rennens habe ich mich immer stärker gefühlt. Bei KM 25 habe ich daran geglaubt, dass ich den Weltrekord schaffen kann. Es ist auch was Besonderes, mein Vorbild Haile Gebrselassie geschlagen zu haben."
Florence Kiplagat: "Ich habe nicht damit gerechnet, hier zu siegen. Ich wollte nur im Ziel ankommen. Nach meinem Ausstieg im April in Boston war ich hier zuversichtlich. Die HItze hat mir nichts ausgemacht, die bin ich gewöhnt. Es wäre schön, an Olympia teilnehmen zu können. Die Leute in Berlin war wirklich nett."
Männer
1. Patrick Makau (KEN) 2:03:38 WELTREKORD
2. Stephen Kwelio Chemlany (KEN) 2:07:55
3. Edwin Kimaiyo (KEN) 2:09:50
Frauen
1. Florence Kiplagat (KEN) 2:19:44 Std.
2. Irina Mikitenko (DEU) 2:22:18
3. Paula Radcliffe (GB) 2:23:46

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