13 Februar 2012 00:00
Ernährung
Wenn man Dinge nur oft genug wiederholt, dann werden sie früher oder später geglaubt. Wer hat nicht irgendwann einmal gelernt, dass Spinat viel Eisen hat und stark macht? Achilles-Doc Matthias Marquardt räumt mit einigen Ernährungsmythen auf.
Keine Frage: Spinat ist ein tolles Blattgemüse, das wie die meisten Gemüse viele Vitamine und Spurenelemente bietet. Aber Eisen ist in größeren Mengen wirklich nicht enthalten. Es wurde überliefert, dass beim Ermitteln der Eisenwerte ein Komma in der Tabelle verrutscht sei. So hatte der Spinat plötzlich zehnmal mehr Eisen zu bieten, und obwohl der Fehler bekannt wurde, wird Spinat noch heute für eisenreich gehalten.
Dr. med. Matthias Marquardt, Triathlet und Marathonläufer, beschäftigte sich nach hartnäckigen Verletzungen ausführlich mit der Frage nach der besten Lauftechnik. Das von ihm entwickelte Konzept des „natural running“ gibt der Spezialist für Bewegungsanalyse inzwischen an zahlreiche Sportler weiter. Läufern ist Marquardt vor allem bekannt als Autor der Bücher „Die Laufbibel“ und "77 Dinge, die ein Läufer Wissen muss".Mit dem Fett ist es nicht anderes. Schon früh fand man heraus, das Fett mehr Energie liefert als die beiden anderen Energiespender Kohlenhydrate und Eiweiße. Genau genommen liefert Fett mit 9,1 Kilokalorien pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie die anderen Energielieferanten mit 4,2 Kilokalorien pro Gramm. Demzufolge nehmen Sie, wenn Sie eine Mahlzeit mit 100 Gramm Fett zu sich nehmen, 910 Kilokalorien auf; wenn Sie eine Mahlzeit mit 100 Gramm Kohlenhydraten oder Eiweiß verzehren, aber nur 420 Kilokalorien.
Was macht Ihr Körper mit der Energie? Er verbraucht sie, indem Sie durch die Gegend laufen und fleißig Kalorien verbrennen, oder aber er lagert sie in Form von Fett ein, weil Sie diese nicht verbrannt haben. Insofern ist es natürlich interessant, weniger Kalorien zu sich zu nehmen, damit die Fettspeicher nicht so üppig gefüllt werden. Da Fett nun einmal sehr viele Kalorien liefert, wird es wohl auch dick machen. Und im Umkehrschluss eben schlank, wenn Sie es vermeiden.
Eigentlich ist das natürlich auch richtig, aber Mahlzeiten bestehen in der Regel doch aus allen drei Energielieferanten (Kartoffel = Kohlenhydrate, Schnitzel = Eiweiß, Sauce = Fett) und der Mensch isst leider nicht bis zu einer wünschenswerten Kalorienmenge, sondern bis er satt ist. So nimmt man sich eben noch ein paar Kartoffeln mehr, wenn man bei der fetten Sauce gespart hat. Oder man langt bei den Nudeln einmal mehr zu, wenn man sich beim Salat mit dem Olivenöl zurückgehalten hat. Das geschieht ganz unwillkürlich und manchmal greift der Kalorienbewusste sogar noch mehr zu, weil er doch bei den Fetten, die ja ein gutes Sättigungsgefühl erzeugen, gespart hat.
Und so kam es, dass in den vergangenen Jahrzehnten in den USA und anderswo der Fettgehalt der Nahrung sank, der durchschnittliche Körperumfang der Bevölkerung aber nicht. Fett zu sparen ist also ausgemachter Blödsinn, vor allem, wenn man auch noch auf die guten Fette verzichtet und das Olivenöl weglässt, weil es dick machen könnte. Oder wenn man im Büro beim zweiten Frühstück den Joghurt, der nun mal etwas Fett enthält, gegen Gummibärchen aus Zucker eintauscht, nur weil sie fettfrei sind.
Wenn Sie schlank werden wollen, hilft nur eins: Mehr Kalorien verbrennen, als Sie aufnehmen. Diesbezüglich hat sich unsere Welt in den vergangenen Jahren leider rasant geändert. Ein gesteigertes und vergünstigtes Nahrungsangebot kombiniert mit der Bequemlichkeit durch Autos, Rolltreppen, Fahrstühle, E-Mails und elektronische Dosenöffner. Immer mehr Essen, immer billigeres Essen und immer weniger körperliche Aktivität.
Durch dieses Missverhältnis kann der Körper Fettreserven aus überschüssigen Kalorien anlegen. Ob Sie sich die Kalorien mit Kohlenhydraten, die einfach zu Fett umgewandelt werden, oder gleich mit Fett zugeführt haben oder zuführen, ist dabei völlig egal.
Tipp: Dr. Matthias Marquardts persönliche Ratschläge, wie es mit dem Abnehmen durch Laufen klappt, stehen in seinem Buch "77 Dinge, die ein Läufer wissen muss" (Südwest-Verlag, 14,95 Euro).

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