16 Juni 2010 02:00
Wissenschaftler der Technischen Universität München untersuchen Marathonis mit neuester Ultraschalltechnik. Sie wollen den Körper unter Extrembelastungen besser verstehen.
Achim-Achilles.de: Herr Scherr, Sie untersuchen die Auswirkungen eines Marathonlaufs auf den menschlichen Organismus. Was genau machen Sie da?
Johannes Scherr: Wir haben 100 Läufer in einer Eingangsuntersuchung in den Tagen vor dem München-Marathon, unmittelbar danach und einen Tag nach dem Wettkampf untersucht. Dabei haben wir neben neuesten Methoden zur Untersuchung des Gefäßsystems auch Ultraschallgeräte der neuesten Generation eingesetzt. Diese Geräte verwenden wir für die "3D-Echokardiographie". Darüber hinaus haben wir eine Vielzahl an laborchemischen Parametern untersucht, wie zum Beispiel Entzündungswerte.
Achim-Achilles.de: Was ist die 3D-Echo-Technik?
Scherr: Das ist eines der neuesten Ultraschallverfahren. Die Geräte verfügen über einen speziellen Schallkopf und Software, mit denen wir das Herz sehr präzise betrachten und untersuchen können.
Achim-Achilles.de: Was hat es mit den Entzündungswerten auf sich?
Scherr: Das Immunsystem des Körpers reagiert mit Entzündungen, wenn man zum Beispiel erkältet ist. Ähnlich verhält er sich, wenn er extremen Belastungen ausgesetzt ist. Wir haben diese Werte untersucht, um herauszufinden, ob eine Extremausdauerbelastung eine Entzündungsreaktion auslöst und sich die Werte nach dem Lauf wieder normalisieren, oder ob sie bestehen bleiben und somit Schäden verursachen.
Achim-Achilles.de: Was ist das Ziel der Studie?
Scherr: Wir wollen herausfinden, inwieweit sich das Herz und das Herz-Kreislauf-System durch einen Marathon verändern. Dabei achten wir auch auf die genetische Struktur, um mögliche Zusammenhänge zwischen Herzen und den Genen aufzudecken.
Achim-Achilles.de: Wann können wir mit einem Ergebnis rechnen?
Scherr: Pro Proband haben wir eine ganze DVD an Datenmaterial. Das sind gigantische Mengen, die wir sorgfältig sichten, sortieren und analysieren müssen, bevor wir an die Auswertung gehen. Bis wir Ergebnisse vorlegen, dauert es mindestens ein halbes bis ein Jahr.
Achim-Achilles.de: Haben Sie eine Vorstellung, wie das Ergebnis ausfallen könnte?
Scherr: Es gab bereits vor einem Jahr ein Pilotprojekt mit Kernspin-Untersuchungen. Bereits hier hat sich gezeigt, dass es nach einem Marathon Veränderungen am Herzen gibt. Mit den neuen Ultraschalltechniken können wir dem Phänomen nun weiter auf den Grund gehen.
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