26 November 2010 00:00
Vorsicht vor der Fehlberatung! Achilles-Experte Dr. Matthias Marquardt empfiehlt Läufern, ganz genau hinzuschauen, wenn sie im Sportgeschäft eine Bewegungsanalyse machen.
Im Bereich der Bewegungsanalysen, die Läufern angeboten werden, gibt es Qualitätsunterschiede. Man muss deutlich unterscheiden, ob es sich um eine Bewegungsanalyse zum Laufschuhverkauf oder um eine medizinische Bewegungsanalyse handelt. Im Folgenden werden die typischen Analyseinstrumente im Laufgeschäft mit ihren Haken und Ösen kurz vorgestellt:
– Der Fußscanner ermittelt den Fußabdruck, ohne die Druckverteilung unter der Fußsohle zu erfassen. Ferner sind sämtliche Analyseergebnisse rein statischer Natur und geben deshalb nur in geringstem Ausmaße Informationen über die Bedürfnisse des Läufers in der Bewegung.
Dr. med. Matthias Marquardt, Triathlet und Marathonläufer, beschäftigte sich nach hartnäckigen Verletzungen ausführlich mit der Frage nach der besten Lauftechnik. Das von ihm entwickelte Konzept des „natural running“ gibt der Spezialist für Bewegungsanalyse inzwischen an zahlreiche Sportler weiter. Läufern ist Marquardt vor allem bekannt als Autor der Bücher „Die Laufbibel“ und "77 Dinge, die ein Läufer Wissen muss".– Die Fußdruckmessung zeigt die Gewichtsverlagerung und –verteilung unter der Fußsohle und gibt, sofern diese während der Bewegung durchgeführt wird, gute Hinweise auf die Notwendigkeiten der Schuhversorgung. Leider ist es in den wenigsten Institutionen üblich, diese Analyse in der Geh- oder noch besser Laufbewegung durchzuführen. Abgesehen davon benötigt die Auswertung allerlei medizinische Erfahrung und muss mit anderen Untersuchungsbefunden kombiniert werden.
– Laufbandanalyse mit Filmen der Sprunggelenke: Wenn man im Laufgeschäft aufgefordert wird, die Hose hoch zu krempeln, um dann auf dem Laufband zu laufen, wobei die Sprunggelenke gefilmt werden, ist Vorsicht geboten. In solchen Fällen wird lediglich der Winkel zwischen Fuß und Unterschenkel gemessen, der naturgemäß auch von der Stellung der Beinachse (X- oder O-Bein) abhängt. Leider sind Fehlberatungen bei unsachgemäßer Anwendung hier sehr häufig anzutreffen.
- Das Achillexsystem arbeitet über einen Mess-Sensor am Rückfuß, der Drehbeschleunigungen der Fersenkappe des Schuhs erfasst und somit Aussagen über das Ausmaß der Pronationsbewegung zulässt. Die Fehlerquellen dieses einfachen Systems sind gering und beziehen sich primär auf das Erkennen eines O-Beins, bei dessen Vorliegen keinesfalls eine Pronationsstütze eingesetzt werden sollte.
– Motionquest: Im Rahmen dieser Bewegungsanalyse werden sieben Fragen zur Biomechanik in ein Computersystem eingespeist, so dass nach Ermittlung von Fußtyp, Beinachse, dynamischer Beinachse, Fußrotation usw. eine verlässliche Schuhempfehlung erfolgt.
Wenn es um orthopädische Probleme beim Laufen geht, wird keines der genannten Systeme die gewünschten Informationen liefern. In diesem Falle ist einen medizinische Bewegungsanalyse unausweichlich. Und darauf muss man bei einer medizinischen Bewegungsanalyse achten:
– Optimale Laborausrüstung (Laufband mit Vor- und Rückwärtsgang, zwei Kameras, gute Ausleuchtung, Kalibrierung des Systems, um optische Messfehler zu minimieren)
- Systematischer Untersuchungsdurchgang mit Erhebung aller Winkel im Bereich der seitlichen Ansicht sowie von Wirbelsäule, Becken, Beinachse, Knie und Fuß.
– Hohe Qualifikation des Analysten, der idealerweise über eine medizinische Basisqualifikation verfügen sollte.

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