18 Juni 2010 02:00
Viele Hobbyläufer brennen vor Ehrgeiz und quälen sich monatelang, um beim nächsten Marathon ein paar Minuten schneller zu sein. Doch Achim-Achilles.de möchte wissen: Nutzen Läufer für den Erfolg auch illegale Mittel?
Damit, dass Leistungssportler vollgepumpt mit Dopingmitteln ihre Rekorde aufstellen, hat sich die Öffentlichkeit schon fast abgefunden. Täglich grüßt der Radsportskandal. Doch was ist mit den Millionen Freizeitsportlern? Ambitionierte Läufer trainieren eisern, glauben an Eiweißdrinks, Energiegels und Wunderpulver aus Vulkanasche. Aber treibt brennender Ehrgeiz manchen sogar bis zum Doping?
"Vergessen Sie das Märchen, es werde nur unter Profis gedopt. Das beginnt schon bei ambitionierten Hobbysportlern", sagte die Triathletin Lisa Hütthaler gerade im "Spiegel". Die Österreicherin hatte schon als Amateursportlerin ihre Epo-Karriere begonnen, in zwei Jahren 20.000 Euro für Dopingmittel ausgegeben. Dann wurde die 25-Jährige erwischt und packte bei der Staatsanwaltschaft aus. Österreich hat nun einen der größten Dopingskandale seiner Sportgeschichte.
Für Hütthaler war das Dopen auf den Triathlon-Wettbewerben eine "Frage der Gleichberechtigung": "Du weißt, dass es die anderen machen und willst die gleiche Erfolgschance haben." Wie würde es sich anfühlen, zu wissen, dass beim Start eines Volkslaufs oder Marathons der ein oder andere Schummler seinen Epo-Motor anschmeißt?
Vor zehn Jahren wurde beim Jungfrau-Marathon, einem besonders anstrengenden Alpen-Rennen, die weltweit erste groß angelegte Dopingkontrolle im Breitensport durchgeführt. Von den 3000 Hobby-Läufern wurden 35 Prozent positiv auf die Einnahme von – legalen – Schmerzmitteln getestet. Interessant: Von den kontrollierten Eliteläufern setzte keiner Schmerzmittel ein. "Wir haben kein Dopingproblem in der Laufszene", sagt dagegen Willi Heepe, ehemaliger medizinischer Leiter des Berlin-Marathons. Manche Läufer bräuchten schlichtweg aus gesundheitlichen Gründen Medikamente, die für Spitzensportler tabu sind, weil sie auf der Dopingliste stehen.
Die Landesapothekerkammer Brandenburg und der Apothekerverband Brandenburg mutmaßen, dass rund 200.000 deutsche Breitensportler Dopingmittel nehmen. Der Sportmediziner Wilfried Kindermann schätzt, dass jeder fünfte Amateur-Sportler gedopt ist. Besonders in der Bodybuilder- und Fitnessstudio-Szene ist die Nachfrage nach Anabolika und Amphetaminen groß.
Nach einer Studie des niedersächsischen Innenministeriums und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft aus dem Jahr 2002, werden in Deutschland jährlich etwa 100 Millionen Euro für illegale Dopingmittel ausgegeben. "Der Umsatz ist im Freizeitsport ein Vielfaches größer als im Spitzensport", sagt Hans Holdhaus, Leiter des Instituts für medizinische und sportwissenschftliche Beratung, in der "Kleinen Zeitung".
An die Dopingmittel heranzukommen, ist kinderleicht. Es gibt Ärzte, die Rezepte ausstellen, Dealer im Fitness-Club und unzählige Foren und Händler im Internet. Ein "Doping-Vollprogramm", Epo inklusive, bekommt man schon für 7000 Euro im Jahr, so der österreichische Sportjournalist Günter Sagmeister.
Oft sind es Nahrungsergänzungsmittel, die den Einstieg ins Dopingmilieu ebnen, manchmal ohne dass es die Konsumenten ahnen. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2002 zeigte, dass 15 Prozent der Ergänzungsmittel (zum Beispiel Eiweißpräparate) verbotene Anabolika enthielten – ohne, dass das auf dem Produkt vermerkt war. Der Olympiastützpunkt Köln hat im Internet eine Liste mit über 100 Produkten aufgestellt, die ein minimales Dopingrisiko darstellen. Darunter harmlos anmutende Kräutertees, Vitaminkapseln und ein Joghurt.
Freizeitsportler greifen zu den vermeintlichen Wundermitteln im Glauben, besser und schneller zu werden. Dass Doping ihrem Körper schadet, blenden sie gerne aus – bis auf einmal die Pickel sprießen, die Männerbrust schwabbelt und der Hoden schrumpft. Dabei ist es nicht immer nur übertriebener Ehrgeiz oder die Aussicht auf Geld, die manche zum Medikamentenmissbrauch verführt, sondern ausgerechnet: Eitelkeit.
Vor allem junge Leute greifen immer häufiger zu Pillen, um ihren unrealistischen Schönheitsidealen näher zu kommen. Zwischen drei und fünf Prozent der 14- bis 19-Jährigen nehmen Anabolika, schätzt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Auch die überführte Triathletin Hütthaler dopte für die Figur: "Für mich stand fest: dünner bedeutet schneller."
Kollaps im Wettkampf – wer ist gefährdet?
Kältekammer: Frieren für mehr Leistung

|
Gesundheit |
|
Gesundheit |
Hinweis: Diese Website verwendet Facebook-Plugins – sind Sie bei Facebook eingeloggt, werden Daten an Facebook übertragen. Mehr Infos dazu gibt es hier.