17 Juni 2010 02:00
Willi Lemke hat als UN-Sonderberater wenig Zeit, auch für's Laufen. Untrainiert musste er bei seinem letzten Marathon sieben Pausen einlegen. Ins Ziel schaffte er es trotzdem – dank seiner Tochter.
Achim-Achilles.de: Herr Lemke, als Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport wollen Sie Frieden und Entwicklung fördern. Wie machen Sie das?
Willi Lemke: Das kann ich Ihnen mit wenigen Sätzen kaum erklären. Ich versuche es trotzdem: Ich versuche, die positiven Werte des Sports weltweit zu fördern. Allen Menschen soll es möglich sein, den Nutzen des Sports zu entdecken und für sich zu entwickeln und zu stärken. Wer Sport treibt, investiert in seine persönliche Entwicklung. Beim Sport ist es ist wie in allen Lebensbereichen: Training ist wichtig und bringt einen weiter – in vielerlei Hinsicht. Diese Entwicklung wollen wir unterstützen und ihr eine Zukunft geben.
Achim-Achilles.de: Welchen Stellenwert hat das Laufen für den Privatmann Willi Lemke?
Lemke: Die Bedeutung des Laufens hat sich für mich über die vergangenen 20 Jahre stetig gesteigert. Wenn ich nicht laufe, fühle ich mich unwohl.
Achim-Achilles.de: Wieweit haben Sie es bei Ihrem ersten Lauf geschafft?
Lemke: Mein erster Lauf war ein 5-km-Lauf vor 22 Jahren. In meiner Jugend war ich Sprinter und gar nicht so schlecht: Ich bin die 1000-Meter-Distanz in 2:46:05 Minuten gerannt und war Schulmeister auf allen Distanzen. Im Schulstaffellauf bin ich sogar Deutscher Meister geworden.
Achim-Achilles.de: Wie sind Sie zum Laufen gekommen?
Lemke: Ich habe wegen schweren Verletzungen aufgehört Fußball zu spielen. Irgendwann hatte ich dann Lust, einen Marathon zu laufen. Mit dieser Zielsetzung hat sich das Laufen bei mir etabliert.
Achim-Achilles.de: Sie haben eine 60-Stunden-Woche. Da bleibt wenig Freizeit. Wie organisieren Sie Ihre Läufe wenn Sie zuhause in Bremen sind?
Lemke: Ich habe eine wirkungsvolle Methode, um mir das Laufen zeitlich zu ermöglichen. Sonntags um 10 Uhr laufe ich mit meinem festen Freundeskreis zwölf Kilometer. Dieser Termin wird von mir und meinen Mitarbeitern wie ein Diensttermin behandelt. Er darf weder gelöscht noch verschoben werden.
Achim-Achilles.de: Wie viele Kilometer rennen Sie in einer Woche?
Lemke: Das schwankt zwischen zwölf bis 60 Kilometer. Ich versuche, wo und wann es geht einen Lauf einzuschieben. Während der Olympischen Spiele ging das natürlich nicht. In ein paar Tagen fliege ich nach Kamerun und Elfenbeinküste. Da werde ich hoffentlich die Zeit zum Laufen finden. Meine Laufsachen sind schon im Koffer.
Achim-Achilles.de: Tut Ihnen nach dem Laufen etwas weh?
Lemke: Nein, überhaupt nicht. Ich spüre die Endorphinausschüttung in meinem Körper.
Achim-Achilles.de: Ihr Körper wehrt sich nie?
Lemke: Wenn ich mich ganz heftig anstrenge und über meine Leistungsgrenze gehe, besteht die Gefahr, dass mir schlecht wird und ich mich übergebe.
Achim-Achilles.de: Auf welche Leistung sind Sie stolz?
Lemke: Auf meine Marathon-Bestzeit: 3:37 Stunden. Die bin ich vor rund zehn Jahren in Berlin gelaufen.
Achim-Achilles.de: Sie sind für die UN häufig in New York. Laufen Sie am Wochenende den Marathon dort mit?
Lemke: Das schaffe ich leider nicht. Da bräuchte ich eine belastbare Vorbereitung, um mitzulaufen. Momentan weiß ich nicht einmal, wann ich wieder einen Marathon laufen werde. Immerhin bin ich vor Kurzem einen Halbmarathon gelaufen.
Achim-Achilles.de: Gibt es jemanden, mit dem Sie gerne mal laufen würden?
Lemke: Mit meinem Chef, dem UN-Generalsekretär Ban Ki-moon. Und mit der kenianischen Spitzenläuferin Tegla Loroupe: Mit ihr werde ich während meiner Afrikareise laufen.
Achim-Achilles.de: Warum sollte jeder laufen?
Lemke: Weil es sich unglaublich positiv auf die körperliche und geistige Fitness auswirkt. Wenn ich laufe, dann immer in Gemeinschaft, also mit Kollegen, Assistenten und Freunden. Dabei unterhalte ich mich sehr gerne und ich komme auf unheimlich gute Gedanken und Themen. Und nicht nur das: Über das Laufen haben sich bei mir auch Freundschaften entwickelt. Es ist ein überaus kommunikativer Sport, der verschiedenste Vorteile bringt. Wenn ich während der Arbeit Jogger sehe, werde ich richtig neidisch. Ich würde dann auch lieber laufen, als zu arbeiten. So ist das nunmal.
Achim-Achilles.de: Haben Sie auch vor etwas Angst, wenn Sie laufen?
Lemke: Nein, wovor denn? Bei Hunden, da habe ich Respekt und mache einen großen Bogen. Einmal habe ich während eines Laufes den Kinderwagen einer Freundin geschoben. Es war kalt und der Weg war vereist. Ich bin umgeknickt, ausgerutscht und habe mich am Ellenbogen verletzt. Davor habe ich auch Respekt.
Achim-Achilles.de: Erzählen Sie uns mehr skurrile Lauferlebnisse.
Lemke: Ich bin bisher zehn Marathons gelaufen. Mein letzter war in Bremen. Ich war so unglaublich schlecht vorbereitet, dass ich den Lauf sieben Mal unterbrechen musste. Bei Kilometer 41 ging dann nichts mehr. Ich war völlig fertig und saß auf dem Randstein in einem Eisenbahntunnel. Ich konnte nicht weiter laufen. Meine Tochter kam mit einer Werder-Bremen-Fahne und hat mich aufgefordert weiter zu machen. Dieser Appell an Werder hat mich wieder auf die Beine gebracht, bevor mich die Sanitäter abtransportiert hätten. Ich bin aufgestanden und meiner Tochter hinterher. 500 Meter vor dem Ziel hat sie mir die Fahne gegeben. Der Gedanke an Werder, dessen Manager ich lange war, hat die letzten Reserven mobilisiert.
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