Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
23 Juni 2010 02:00
Erfolgreich in NRW, entspannt beim Laufen: Grünen-Chef Cem Özdemir erzählt im Interview, welche Musik er beim Joggen hört und warum er seine Mitarbeiter nach sportlichen Kriterien auswählt. Außerdem verrät er ein "Hardcore-Erlebnis" mit seiner Frau.
Achim-Achilles.de: Herr Özdemir, Joschka Fischer läuft, Jürgen Trittin läuft, Sie laufen – muss man Läufer sein, um es bei den Grünen zu etwas zu bringen?
Cem Özdemir: Nein, das steht bei uns nicht in der Satzung. Und bei der Aufnahme in die Partei wird auch nicht abgefragt, ob man regelmäßig läuft oder nicht. Aber es schadet natürlich nicht, wenn man versucht, ein bisschen auf seine persönliche Gesundheit zu achten – völlig egal, welcher Partei man angehört. Leider schaffe ich es immer noch viel zu selten, zu laufen. Es tut wirklich gut, zwischendurch einmal abzuschalten und den Kopf durchzulüften.
Achim-Achilles.de: Haben Sie mit Joschka Fischer schon mal eine Runde gedreht?
Özdemir: Ich habe mit Fischer schon viel gemacht, aber gelaufen bin ich mit ihm noch nie. Bei Fischer war es ja immer so: Entweder, er lief gar nicht, oder er lief extrem. Die Mitte kennt der Fischer ja nicht.
Achim-Achilles.de: Was gibt Ihnen das Laufen?
Özdemir: Es ist eine Art Therapie. Manche gehen zum Psychologen, andere streiten sich mit ihrem Partner, und ich gehe zum Ausgleich joggen. Besonders gerne mit meiner Frau Pia, auch wenn das jedesmal eine Herausforderung ist. Im Wahlkampf hilft mir das Laufen, den mit Terminen vollgestopften Tag durchzustehen. Dann bin ich sogar fitter als sonst, weil ich gerade fast jeden Tag jogge.
Achim-Achilles.de: Waren Sie heute schon laufen?
Özdemir: Nein, und prompt fühle ich mich ein wenig angeschlagen.
Achim-Achilles.de: Wie lange geht bei Ihnen eine Trainingsrunde?
Özdemir: Eine halbe Stunde bis Stunde. Länger halte ich nicht durch. Ich bin übrigens einer, der sich alleine nur schwer überwinden kann und gerne gemeinsam joggt. Im Wahlkampf achte ich bei der Auswahl meiner Begleiter sogar darauf, dass sie auch joggen.
Achim-Achilles.de: Sie belieben zu scherzen.
Özdemir: Ernsthaft. Da frage ich bei zukünftigen Mitarbeitern dann auch mal, wie es mit dem Laufen aussieht. Die gucken dann erst etwas komisch, ehe ich erkläre, warum mir das wichtig ist.
Achim-Achilles.de: Hören Sie Musik beim Laufen?
Özdemir: Nicht, wenn ich in der Natur laufe. Aber in der Stadt stöpsle ich mein iPhone ein und höre meine persönlichen „Greatest Hits“: Neil Young, Bob Dylan, manchmal auch klassische Musik, je nach dem, wie ich drauf bin. Manchmal nutze ich das Joggen aber auch, um Ideen zu sammeln und mich auf Reden vorzubereiten.
Achim-Achilles.de: Als Politiker sind Sie sehr ehrgeizig – und als Läufer?
Özdemir: Wenn ich starte, will ich auch ankommen. Wettkämpfe laufe ich allerdings nicht, ich kicke lieber noch in einer Freizeitmannschaft oder mache Bergwanderungen. Meine Frau ist eindeutig die ehrgeizigere Läuferin.
Achim-Achilles.de: Woran zeigt sich das?
Özdemir: Ein Hardcore-Erlebnis war, als wir während ihrer zweiten Schwangerschaft zusammen los gingen. Ich dachte, jetzt bin ich ihr endlich gewachsen, doch dann waren wir am Ende drei Stunden unterwegs, wobei wir zwischendurch immer wieder vom Joggen ins Woggen gewechselt sind ...
Achim-Achilles.de: ... hört sich anstrengend an.
Özdemir: Es war extrem heiß und wir liefen in Kreuzberg an den vielen türkischen Grillern vorbei. Viele haben mich eingeladen und wollten mir was zu essen anbieten. Ich wollte aber einfach nur was zu trinken! Seitdem kennen mich eine Menge türkische Ladenbesitzer, die mir gerne mal ein Glas Saft hinstellen, wenn ich beim Joggen vorbei komme.
Achim-Achilles.de: Achten Sie auf Ihre Figur?
Özdemir: Ich tue mein Bestes, was in diesem Job wie in vielen anderen Jobs auch, die viel mit reden und sitzen zu tun haben, nicht immer ganz einfach ist. Aber als Vegetarier ernähre ich mich zumindest gesünder als viele andere.
Achim-Achilles.de: Was sagt eigentlich Ihr Öko-Gewissen, wenn Sie sehen, wie viel Müll bei einem großen Lauf-Event produziert wird?
Özdemir: Klar ist, dass sich Massensport leider nicht ganz ohne Müll- und CO2-Belastung organisieren lässt. Wenn man aber abwägt, was der Sport bringt und wie er schadet, überwiegen die Vorteile doch eindeutig. Außerdem ist Joggen im Vergleich mit vielen anderen Sportarten wirklich umweltverträglich. Und Leute, die laufen, sind in der Regel auch Leute, die sich für die Umwelt interessieren und gerne Natur genießen.
Die Fragen stellte Wendelin Hübner
Wie läuft's ... Jürgen Trittin?

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