14 Januar 2010 02:00
Eine Wurzel wurde ihm zum Verhängnis: "Tagesthemen"-Moderator und Marathonläufer Tom Buhrow brach sich bei einem lockeren Trainingslauf den Knöchel. Frau und Mitarbeiter hatten ihn gewarnt, jetzt humpelt er auf Krücken durch die ARD-Redaktion. Achim-Achilles.de hat mit ihm gesprochen.
Achim-Achilles.de: Herr Buhrow, wie haben Sie sich den Bruch zugezogen?
Tom Buhrow: Am Sonntag, vor dem Unfall hatte ich einen Testspaziergang gemacht. Der Wanderweg an der Elbe war zwar vereist, aber gestreut und ich habe andere Jogger gesehen, was mir Mut gemacht hat. Am nächsten Tag (8. Februar, d. Red.) habe ich meine Laufschuhe angezogen und bin los gelaufen – entgegen der Warnung meiner Frau und meiner Mitarbeiter. Als der Weg dann doch zu glatt wurde, bin ich vorsichtshalber umgedreht. Ich wollte sogar noch vorsichtiger sein und abseits des vereisten Weges laufen, wo der Untergrund nicht ganz so glatt war. Dabei bin ich mit meinen Fuß an einer Wurzel hängen geblieben und gestolpert.
Achim-Achilles.de: Als wir vor einem Jahr mit Ihnen sprachen, sagten Sie: "Manchmal denke ich: Was ist, wenn Du umkippst und keiner ist da, um schnell zu helfen? Aber das ist mehr ein skurriler Gedanke als richtige Angst." Wie groß war nun Ihre Angst?
Buhrow: Für einen kurzen Augenblick habe ich gedacht: Was machst Du jetzt, wenn keiner kommt? Humpeln kannst Du nicht und die Zivilisation ist zu weit weg. Aber Angst hatte ich keine. Irgendwie wusste ich, dass irgendwer vorbei kommt. Es bestand schließlich keine Gefahr, dass ich verhungere oder Wundbrand bekomme (lacht).
Achim-Achilles.de: Wer hat Sie gerettet?
Buhrow: Nach fünf Minuten kam eine Frau, die ein Handy hatte. Ich habe erst mal zuhause angerufen. Kurz darauf kam ein Biertransporter, der mich mitnahm. Das Restaurant, das der Transporter belieferte, war keine 200 Meter entfernt, aber bis dahin hätte ich es alleine nicht geschafft.
Achim-Achilles.de: Wie haben Sie sich in den Minuten nach dem Sturz gefühlt?
Buhrow: Erst habe ich kurz gebrüllt. Dann ist mir die Frage durch den Kopf geschossen, ob ich wohl wie geplant zum Karneval kann. Dann hab ich den Schuh ausgezogen und den Knöchel mit Eis gekühlt. Davon war ja genug da. In den ersten Augenblicken habe ich noch gedacht, dass es nicht so schlimm sein wird und ich nach Hause humpeln kann. Doch als ich zur sechs Meter entfernten Parkbank humpeln wollte, merkte ich: Das geht doch nicht. So bin ich auf allen Vieren zur Bank gerobbt und hab mich dort erst mal gesammelt. Ich war etwas benommen, es hat schon weh getan.
Achim-Achilles.de: Was hat Ihnen der Arzt gesagt?
Buhrow: Ich habe ihn gefragt, ob ich zum Karneval kann. Er sagte nein. Ich fragte, ob ich vier Wochen später Ski fahren kann – wieder nein. Dann habe ich ihn gefragt, ob ich bald wieder joggen kann und er sagte nochmals nein, zumindest nicht für die nächsten zwölf Wochen. Jetzt trage ich noch drei Wochen lang den Gips. Dann muss ich den Fuß sechs Wochen langsam wieder aufbauen, bis ich ihn wieder voll belasten kann.
Achim-Achilles.de: Wo ist der Fuß gebrochen?
Buhrow: Der linke Außenknöchel des linken Fußes ist gebrochen - zum Glück gerade, also nicht verschoben. Deshalb musste ich auch nicht operiert werden und habe auch keine Schrauben und Platten eingesetzt bekommen, sondern trage nur einen Gips.
Achim-Achilles.de: Haben Sie damals für ein bestimmtes Ziel trainiert?
Buhrow: Nein, zum Glück nicht, sonst hätte ich mich sehr geärgert. Im November habe ich mir kurz überlegt, ob ich den Hamburg-Marathon laufe. Aber da ich in jeder Stadt eigentlich nur einen Marathon laufen will, habe ich die Idee wieder verworfen. Vielleicht laufe ich im Juni den Hamburger Hafen-City-Lauf oder einen anderen kleineren Lauf.
Achim-Achilles.de: Wie sehr fehlt Ihnen jetzt das Laufen?
Buhrow: Sehr – und das drückt ganz schön auf die Laune. Es fiel mir sehr schwer, nicht an die frische Luft zu können.
Achim-Achilles.de: Werden Sie gleich wieder loslaufen, sobald Sie genesen sind?
Buhrow: Nein, ich werde versuchen, das zu unterdrücken. Ich zahle gerade die Rechnung, dafür, dass ich gelaufen bin, obwohl es riskant war. Ich will vernünftig sein und halte mich ganz an die Anweisungen meines Arztes, belaste den Fuß kaum und mache alles ein wenig langsamer.
Achim-Achilles.de: Glauben Sie, dass Sie wieder ganz unbefangen laufen werden oder fürchten Sie, dass Sie die Verletzung psychisch einschränkt?
Buhrow: Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Und ich muss sagen: Ich weiß es nicht. Immerhin hat mir mein Doc versichert, dass es keine medizinischen Folgeschäden geben wird.
Achim-Achilles.de: Werden Sie nächstes Jahr im Winter mit Spikes laufen oder im Zweifelsfall doch zuhause bleiben?
Buhrow: Guter Gedanke. Die Läufer, die ich bei meinem Testspaziergang gesehen habe, hatten wahrscheinlich auch Spikes unter Ihren Sohlen. Wenn der nächste Winter so wird wie dieses Mal, werde ich das sicher auch tun. Aber so wie ich Deutschland kenne, werden wir die nächsten zehn Jahre keinen vergleichbaren Winter mehr haben wie dieses Jahr.
Achim-Achilles.de: Wie ist es für Sie, die "Tagesthemen" mit Gipsbein zu moderieren?
Buhrow: Es ist gut. Ich bin froh, dass ich wieder das tun kann, was ich gerne tue. Ich fühle mich frisch und die Arbeit gibt mir Energie.
Achim-Achilles.de: Man hat Ihnen nichts angemerkt. Stehen Sie während der Moderation?
Buhrow: Nein, ich sitze auf einem Podest. Das tue ich übrigens manchmal auch, wenn ich mich krank fühle. Aber das sieht der Zuschauer natürlich nicht.
Achim-Achilles.de: Machen sich Ihre Kollegen jetzt über Sie lustig?
Buhrow: Mein Kollege Claus-Erich Boetzkes, der sich sogar beim Spazieren gehen den Fuß gebrochen hat, läuft auch auf Krücken. Jetzt heißt es bei uns: Krücken gehören zur Grundausstattung der Moderatoren (lacht).
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